Widerstand ist machbar

CODIERSYSTEME - Viele Komponenten eines Automobils werden mit Teile- und Produktionsdaten gekennzeichnet, die sich über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeuges zweifelsfrei identifizieren lassen sollen. Vor allem für jene Teile, die im Motorraum eingesetzt werden, bedeutet dies eine besondere Herausforderung an die eingesetzte Kennzeichnungstechnik. Mit einer Lösung auf Basis von laserbeschrifteten Selbstklebeschildern zur Identifikation von Graugußgehäusen für Kraftstoffpumpen konnte die Schreiner GmbH bei einem Automobilzulieferer dessen Produktivität um 500 Prozent steigern.

08. Oktober 2002
Eine neue Klebstoffkombination ermöglicht die Anbringung von Typenschildern auch auf schwierigen Untergründen.
Bild 1: Widerstand ist machbar (Eine neue Klebstoffkombination ermöglicht die Anbringung von Typenschildern auch auf schwierigen Untergründen.)

Ein Hersteller von Komponenten zur Motorsteuerung suchte eine Lösung zur prozeßsicheren Kennzeichnung von Graugußgehäusen für Kraftstoffpumpen und Common-Rails. Immer wieder hatte das Unternehmen Probleme mit der Beständigkeit: Kaum ein Markierungsverfahren hielt den extremen Belastungen stand - neben Schmutz- und Schadstoffablagerungen störten hohe Betriebstemperaturen, Wechselklima, Nässe, Chemikalien, Dampfstrahlreinigung, Salzsprühnebel und viele andere äußere Einflüsse. Vor allem metallische Gehäuse, die mittels Laserstrahl direkt beschriftet oder mit einem gravierten Metallschild gekennzeichnet wurden, zeigten nach einer Salzsprühbehandlung innerhalb weniger Wochen irreversible Korrosionsschäden - eine lückenlose und zweifelsfreie Identifizierung der Teile war da nicht mehr möglich.

Den Verantwortlichen des Unternehmens war klar: Hier werden Spezialisten gebraucht. Als Entwicklungspartner fand sich nach einer Reihe von Praxisstudien die Firma Schreiner aus Oberschleißheim bei München - und die schlug eine Kennzeichnungslösung auf der Basis von selbstklebenden Kunststoffetiketten vor, die mit verhältnismäßig geringem Aufwand in die bestehenden Produktionslinien integriert werden konnte. Grundlage des Markierungssystems sind laserbeschriftete Folienschilder, die mit einem eigens entwickelten, extrem fest haftenden und widerstandsfähigen Klebstoff ausgestattet sind. Die Color-Laserfolien-Schilder sind auf Endlosfolie vorgestanzt und werden vollautomatisch paßgenau auf die Gehäuseteile appliziert. Eine in die Fertigungslinie integrierte YAG-Laseranlage bringt danach in einer Beschriftungsstation die aktuellen Produktionsdaten innerhalb von drei Sekunden auf. Nachfolgende Reinigungs-Tauchbäder und andere Behandlungsschritte übersteht das Kennzeichnungsschild unbeschadet und ohne Ablöseerscheinungen.

Insgesamt bewirkte die Einführung der neuen Technik im Bereich der Kennzeichnung eine Produktivitätssteigerung um mehr als 500 Prozent - hauptsächlich aufgrund des schnellen Beschriftungsverfahrens ohne Materialabrieb. Dazu kommt ein erheblich reduzierter Aufwand für Material, Personal, Zeit und Kosten: Allein die Stückkosten der Klebeschilder betragen weniger als die Hälfte der Kosten für gravierte Metallschilder, die bisher auf das Gehäuse genietet oder in Vertiefungen eingekerbt werden mußten. Durch die Integration von Beschriftung und Aufbringung in den automatisierten Fertigungsprozeß sank zudem die Fehlerrate enorm.

Der Automobilzulieferer ist zufrieden: Schon innerhalb von sechs Monaten hatten sich die Investitionen für mehrere Laserbeschriftungsanlagen amortisiert. Inzwischen hat das Unternehmen das Kennzeichnungskonzept mit Selbstklebefolien weltweit an fünf Produktionsstandorten umgesetzt.

Erschienen in Ausgabe: 04/2002