Weltweit im Einsatz

Fertigungsautomation

Industriesteckdosen: Wenn Schaltschränke oder Anlagen exportiert werden, führen die zahlreichen unterschiedlichen Steckgesichter bei industriellen Steckdosen schnell zu Problemen. Abhilfe schaffen hier die neuen EO-Steckdosen von Phoenix Contact.

29. März 2018
Neue Steckdosengeneration: Mit unterschiedlichen Steckergeometrien steht einer weltweiten Verwendung im Schaltschrank und Anlagenbau nichts im Wege.
Bild 1: Weltweit im Einsatz (Neue Steckdosengeneration: Mit unterschiedlichen Steckergeometrien steht einer weltweiten Verwendung im Schaltschrank und Anlagenbau nichts im Wege. )

Das Problem mit den unterschiedlichen Steckgesichtern gibt es nicht nur bei industriellen Anwendungen. Wer kennt nicht die Enttäuschung, wenn im Hotelzimmer plötzlich der Stecker vom Rasierer oder vom Notebook nicht in die Steckdose passt? Die Frage nach der Ursache für diese Problematik lässt sich leicht beantworten: Elektrische Geräte und Anlagen wurden früher direkt verdrahtet – Stecker, wie wir sie heute kennen, gab es nicht. Gerade elektrische Anlagen wurden »hart« verdrahtet und fast ausschließlich von Elektrofachkräften angeschlossen.

Mit der zunehmenden Elektrifizierung des Alltags und der Arbeitswelt musste eine einfache Lösung gefunden werden, um elektrische Geräte anzuschließen. Als Erster brachte der US-amerikanische Erfinder und Unternehmer Harvey Hubbell eine brauchbare Lösung hervor. Seine Idee war eine Art Stecker, der es jedem elektrotechnischen Laien ermöglichte, eine elektrische Verbindung herzustellen. Mit dieser Erfindung hat sich Hubbell den ersten Stecker patentieren lassen. Seine Erfindung hat sich rasch weiterentwickelt, und in der 1906 gegründeten IEC erkannte man schnell, dass eine weltweite Vereinheitlichung viele Vorteile hätte. Aber erst um 1970 kam es zu einer brauchbaren Lösung: der sogenannte Stecker Typ N aus der IEC 60906-1, der aber nur in Brasilien und Südafrika eingeführt wurde. Eine Einführung in anderen Ländern war und ist bis heute aufgrund der bereits existierenden Infrastrukturen kaum mehr möglich.

Daher sind Industrieunternehmen rund um den Globus an eine Vielzahl unterschiedlicher Steckgesichter gebunden. Gerade Unternehmen mit hohem Exportanteil stehen dieser Situation häufig gegenüber – sie müssen sowohl das heimische wie auch das im Exportland übliche Steckgesicht verbauen. Auch im Servicefall ist es dann gut, wenn die Steckdose im Schrank passt. Zurzeit kommt man auf 14 verschiedene Steckgesichter – Typ A bis Typ N. Da man einige zusammenfassen kann, wie etwa CF, könnte man mit immerhin noch elf verschiedenen Typen die Welt elektrisch verbinden. Nicht viele Hersteller bieten hier ein umfassendes Programm an industriellen schienenmontablen Steckdosen.

Dabei geht es nicht nur um Steckgesichter mit unterschiedlichen Geometrien, sondern auch um die Anforderungen aus den lokalen Richtlinien und Normen. So gibt etwa die DIN VDE 0620-1 die Voraussetzungen für das in Deutschland übliche Steckgesicht vom Typ CF vor.

Thema: Kindersicherung

So fordern Normen in anderen Ländern, etwa Italien (CEI 23-50), Großbritannien (BS1363-1/-2) oder Frankreich (NF C61-314), eine sogenannte integrierte Kindersicherung, um zu verhindern, dass unbedarfte Anwender die Steckdose falsch anschließen. Dabei wird der Schutzmechanismus erst deaktiviert, wenn der Stecker mit allen Steckkontakten gleichzeitig in die Dose eingeführt wird. Ein derartiger Schutz ist im industriellen Umfeld nicht erforderlich, da die Steckdosen in elektrischen Anlagen und Schalt-schränken nur von Fachpersonal genutzt werden. In Polen und Frankreich wiederum verwendet man das Steckgesicht Typ E – schreibt dort aber keine Kindersicherung vor. Weltweit gibt es etwa 15 unterschiedliche Steckdosennormen, die sich primär in der Spannung und in der Stromstärke unterscheiden – die Werte variieren zwischen sechs und 20 Ampere.

Viele Steckgesichter für die am meisten elekrifizierten Länder

Die folgende Tabelle zeigt die verschiedenen Steckgesichter einschließlich der Kombination mehrerer Steckgesichter in den am meisten elektrifizierten Ländern und Weltregionen:

Typ A, B:Nord- und südamerikanischer Raum

Typ C, F:Deutschland, Teile Europas, Teile Asiens

Typ D:Indien, Teile des Mittleren Ostens, Teile Afrikas

Typ E:Frankreich, Polen, Teile Afrikas

Typ G:Vereinigtes Königreich, Teile Afrikas

Typ H:Israel

Typ I:China, Australien

Typ J:Schweiz

Typ K:Dänemark

Typ L:Italien

Typ M:Indien

Typ N:Brasilien, Südafrika

Mit den EO-Steckdosen bietet Phoenix Contact nun ein Programm, das hier die wichtigsten Anforderungen erfüllt. Eine LED-Leuchtanzeige im Stecker signalisiert dem Anwender auf einfache Weise, ob eine Versorgungsspannung anliegt. Damit es beim Anschluss eines fehlerhaften Gerätes nicht zu einer Überlast und damit zu weiteren Schädigungen kommt, gibt es die Steckdosen auch mit integrierter Sicherung. Für das manuelle Abschalten der Steckdose sorgt ein eingebauter Ein- und Ausschalter. Einfach zu verdrahten und platzsparend sind die Doppelsteckdosen vom Typ Duo, über die bei einfacher Verdrahtung zwei Endgeräte angeschlossen werden. Speziell für den amerikanischen Markt bietet Phoenix Contact auch eine Fehlerstromschutzschalter-Variante an.

Farbvarianten runden das Programm ab – so sind die Steckdosen auch in Grau und Grün erhältlich. Alle Varianten sind mit der gängigen Schraubanschlusstechnik ausgestattet, verfügen aber auch über die innovative Push-in-Direktstecktechnik. Im Wartungs- und Diagnosefall erleichtert der Einbau in ein Service-Interface den Wartungsaufwand, da die Steckdosen leichter zugänglich sind.

Mit der neuen Steckdosen-Generation kann der Anwender auf bewährte Drucksysteme zur Markierung zurückgreifen. Erstellt wird die Markierung am besten mit der Planungs- und Markierungssoftware Clip Project. Alle Steckdosen sind als Komponenten in Clip Project integriert. Clip Project kombiniert die gängige Planungssoftware zur Projektierung von Klemmenleisten mit einem leistungsfähigen Markierungs-Tool. Mit dem direkten Datenaustausch mit allen gängigen CAE-Programmen sowie mit der Erstellung einer vollständigen Projektdokumentation bietet diese Software ganz neue Möglichkeiten.

Mit dem Markierungsteil der Software werden Steckdosen-, Klemmen-, Leiter-, Geräte-, Anlagenmarkierungen einfach und schnell erstellt. Vorhandene Beschriftungsdaten können bequem über eine Schnittstelle aus Tabellen- und Textverarbeitungsprogrammen importiert und im CAE-System weiterverarbeitet werden. Ausgedruckt wird die Markierung dann über Clip Project – damit werden alle Drucksysteme von Phoenix Contact angesteuert.

Der Projektierungsteil der Software ermöglicht es, fehlerfreie Klemmenleisten schnell und komfortabel zu projektieren. Dabei bildet das Zusammenspiel mit den CAE-Systemen über eine bidirektionale Schnittstelle eine durchgängige Prozesskette. Die Software projektiert neben Reihenklemmen auch weitere Komponenten – etwa aus den Bereichen Überstrom- und Überspannungsschutz, Stromversorgung und Signalkonvertierung, Automatisierungstechnik – und jetzt eben auch industrielle Steckdosen.

Hannover Messe: Halle 9, Stand F40

Erschienen in Ausgabe: 02/2018