Von Clouds und Daten

Enterprise-Resource-Planning - Was sind die wichtigsten Geschäftssoftware-Trends 2019? Godesys rät Unternehmen, bei Digitalisierungsstrategien vermehrt auf automatisierte Datenanalysen, vielseitige Cloud-Plattformen und vor allem das ERP zu achten.

02. Mai 2019
Von Clouds und Daten
Godelef Kühl ist Vorstandsvorsitzender der Godesys AG in Mainz. (Bild: Godesys)

Automatisierte Datenanalysen und integrationsstarke Cloud-Plattformen werden im Jahr 2019 zum Dreh- und Angelpunkt. Zudem müssen Unternehmen jeder Größe und Branche ihre Geschäftssoftware an sich schnell ändernde Anforderungen anpassen. Vor diesem Hintergrund hat der Mainzer ERP-Anbieter Godesys die wichtigsten Trends der kommenden Monate zusammengefasst.

Trend 1: Cloudgestützte Plattformen und Microservices

2019 werden immer mehr Plattformen in der Cloud zur Verfügung gestellt, die über APIs (Application programming interface) verschiedene Microservices anbieten können. Derartige Plattformen dienen als Schnittstellen, quasi Adapter, damit ERP-Systeme nahtlos an sie andocken und Dienste im Internet zur Verfügung stellen können. Ein Beispiel, das Godesys nennt: In Sachen Marketing-Automatisierung geht es künftig vermehrt um die Integration von intelligenten E-Mail-Services. Auf diese Weise können Unternehmen mit gut durchdachten automatisierten E-Mails ihre personalisierte Kundenansprache verbessern. Darüber hinaus lässt sich der Kundenservice gezielter auf individuelle Bedürfnisse ausrichten. Hierdurch lassen sich Kundenbeziehungen besser als zuvor fördern und Umsätze langfristig erhöhen.

Ein weiteres Beispiel ist der Vertrieb im Lebensmitteleinzelhandel. So gibt es bereits Services, die auf künstliche Intelligenz setzen, um mithilfe von Abverkaufsdaten die Vertriebstouren des Außendienstes zu optimieren. Anhand umfassender Datenanalysen kann ein KI-Service etwa angeben, welche Filiale wie oft besucht werden muss. Wird dieser Service zusätzlich mit dem ERP-System gekoppelt, können Unternehmen ihren Außendienst »besorgungsoptimiert« steuern, so der Anbieter. Der Vorteil eines derartigen Vorgehens liege auf der Hand: Alle Services werden sauber im ERP-System integriert.

Auch Predictive Maintenance, also die vorausschauende Produktwartung, lässt sich künftig signifikant optimieren, wodurch Mitarbeiter entlastet werden. Durch den Zugriff auf die jeweiligen Einsatzszenarien einzelner Produkte können Firmen viel genauer erfassen, unter welchen Bedingungen Störungen auftreten. Hierdurch lassen sich etwa Geräte proaktiver warten und Störungszeiten minimieren.

Trend 2: Automatisierte Datenanalysen unterstützen Zukunftsprognosen

Trotz Diskussionen um Big Data und Informationsflut wissen immer noch zu wenige Unternehmenslenker um das riesige Potenzial, das in den bei ihnen vorhandenen Daten liegt, stellt der ERP-Anbieter heraus. Viel zu häufig gehe dieser »Vorsprung durch Wissen« ungenutzt verloren. Künftig werden nicht länger Menschen, sondern verstärkt Maschinen Zukunftsprognosen erstellen. Das bedeutet für die IT etwa, dass Business-Process-Management-Systeme zusätzliche Konnektoren für Sensorik-Daten benötigen. Ein Beispiel aus dem Bereich Industrie 4.0: Mithilfe der Sensoren einer Maschine kann gemessen werden, wie oft sich die Hydraulik bewegt oder welche Öl- oder Umgebungstemperatur vorliegt. In der Luftfahrtbranche kann eine Turbine anzeigen, wie viele Stunden sie in welchen Temperaturgraden gelaufen ist. Werden diese Daten ins ERP-System eingepflegt, lassen sich hieraus Ausfallraten ableiten und die Auslastungsplanung verbessern.

»Nur die wenigsten wissen, dass jedes Smartphone an die 14 Sensoren hat. Indem sich Retailer etwa über eine Beacon-Technologie im Geschäft einloggen, könnten sie bei jeder Bewegung ihrer Kunden Daten sammeln und erfahren, wie lange ein Kunde vor einem Produktregal steht. Werden diese Daten dann mit einem Kassenbon verbunden, könnten Retailer noch viel mehr über das Kaufverhalten ihrer Kunden erfahren«, erläutert Godelef Kühl, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Godesys. »Retailer sollten sich fragen, welche Daten sie analysieren möchten, sie zentralisiert ablegen und mit ihrem ERP abgleichen.«

Trend 3: ERP-System wird zum wichtigen Digitalisierungspartner

Diese Ausführungen zeigen, dass dem ERP-System künftig die Rolle als Datenzentrale zukommen wird. Egal, ob es darum geht, Prozesse zu automatisieren, Daten zusammenführen oder die Effizienz zu steigern. Laut einer vom Unternehmen im Juni 2018 durchgeführten Umfrage verlassen sich bereits zwei Drittel aller Firmen auf ihre Geschäftssoftware. Dieser Trend wird sich 2019 fortsetzen, wobei Themen wie mobile Softwarenutzung, Omni-Channel, Informationsmanagement und Prozessexzellenz, befeuert von flexiblem und anpassungsstarkem ERP, immer wichtiger werden, so die Mainzer weiter. Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen sehen es dabei als wichtig an, dass digitale Prozesse und digitales Denken innerhalb ihrer Organisation zur Selbstverständlichkeit werden. In den Zukunftserwartungen der Befragten spielt das ERP-System hierbei eine tragende Rolle. »Aspekte wie leistungsfähige Schnittstellen zu IT-Systemen und Daten werden 2019 und darüber hinaus ebenso immer wichtiger wie eine schnelle Anpassbarkeit des Systems, Echtzeitverarbeitung von Daten sowie die Aspekte Transparenz und Nachvollziehbarkeit«, berichtet Kühl.

Erschienen in Ausgabe: 03/2019
Seite: 62

Schlagworte