»Uns fehlen Robotiker«

09. November 2004
Rolf Peters, Geschäftsführender Gesellschafter, K-Robotix, Bremen
Bild 1: »Uns fehlen Robotiker« (Rolf Peters, Geschäftsführender Gesellschafter, K-Robotix, Bremen)

Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und die Stellung zukunftsträchtiger Arbeitsplätze hängen maßgeblich von der Entwicklung und Produktion technologisch hochwertiger Güter und von anspruchsvollen, möglichst umfangreichen Dienstleistungen ab. In der aktuellen Diskussion über die Zukunft des Standortes Deutschland in der »globalen Welt« besteht in der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft Konsens darüber, dass wir einen Wachstumsschub durch neue Impulse und Ideen, die auch umgesetzt werden(!), dringend benötigen, damit Deutschland wieder einen Spitzenplatz im internationalen Vergleich erlangt.

Hierbei sind Neuerungen in der Aus- und Weiterbildung unverzichtbar und eine elementare Voraussetzung für wirtschaftliche Erfolge im härter werdenden Wettbewerb der »globalen Märkte«. Ein neues Berufsbild mit Zukunft wäre der Robotiker. Seit mehr als 30 Jahren werden Industrieroboter in Deutschland gebaut und installiert. Hauptabnehmer sind vor allem die Unternehmen der Automobil- und ihrer Zulieferindustrie, wo knapp 66 Prozent aller Roboter installiert sind. Aber auch die »General Industry« und in ihrem Gefolge viele kleine und mittlere Betriebe haben die Roboterautomation für sich entdeckt. Inzwischen arbeiten hierzulande weit mehr als 100.000 Roboter. Zum Vergleich: In Japan sind es mehr als 400.000, in den USA über 110.000 Geräte.

Doch bereits in den allgemein bildenden Schulen beginnt das »Problem«. Hier werden immer noch durch »Frontal-Unterricht« die für Technologie und Technik notwendigen naturwissenschaftlichen Fächer wenig spannend vermittelt. Später, in weiterbildenden Schulen (einschließlich Hochschulen und Universitäten), ändert sich diese Lehrmethode nicht wesentlich.

Es fehlt der projektbezogene Unterricht mit »Life-Erfahrung« für die Schüler und die Studenten. Besonders dramatisch ist die Kluft zwischen dem theoretisch vermiteltem Wissen und der Realität in der Industrie. Die wenigen Schülerpraktika und Studenten-Praxissemester mit engem Austausch zwischen Lehreinrichtungen und der Wirtschaft beziehungsweise der Industrie unterstreichen diese Tatsache nochmals. Für den Bereich »Robotik« ist die Wissensvermittlung völlig unbefriedigend. In Deutschland werden die Bediener von Robotern in der Regel durch die Hersteller, deren Vertriebspartner und Systemhäuser in Roboter-Lehrgängen geschult, wobei vor allem das Programmieren der Geräte im Mittelpunkt steht.

Die fundierte Aus- und Weiterbildung zum Roboter-Facharbeiter, -Techniker oder -Ingenieur im Bildungsangebot beschränkt sich zur Zeit auf die Bedienung von Robotersystemen. Maßnahmen zur Integration von Robotik in technologische Prozesse fehlen zumeist.

»Robotiker« wäre ein neuer Querschnittsberuf für unterschiedlich strukturierte Betriebe in unterschiedlichen Branchen mit einer Vielzahl von Arbeitsprozessen und Fertigungsabläufen. Er befindet sich zur Zeit samt Ausbildungsrahmenplan in der Beantragungsphase durch den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin. Alle Roboter einsetzenden Unternehmen sind praktisch potentielle neue Arbeitgeber. Besonders kleine und mittlere Betriebe haben die Möglichkeit, mit der »Robotik-Fachkraft« in Robotik-System-Anlagen als Produktivitätsbeschleuniger zu investieren, was mit Sicherheit die Nachfrage nach Robotiksystemen deutlich belebt. Die Weiterentwicklung von Robotern und deren Peripherie würde ebenfalls positiv beeinflußt. Der große volkswirtschaftliche Nutzen des Robotikers wäre für unser Land von großer Bedeutung und endlich mal wieder ein positives Signal zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Erschienen in Ausgabe: 04/2004