Under pressure

RADIALNIETEN - Die Ha-Be Gehäusebau GmbH setzt als Zulieferer der Automobil- und Elektro-Industrie auf Radialniettechnik von BalTec.

25. August 2005

Es war 1969, als der langjährige Mitarbeiter Heinz Brunner den 1948 gegründeten Betrieb für die Herstellung von Funkentstörgehäusen im bayerischen Altheim bei Landshut übernahm. Sieben Mitarbeiter erwirtschafteten damals einen Umsatz von 500.000 Mark.

Heute stehen Heinz Brunner und sein Sohn Karl-Heinz einer gesund gewachsenen Firma vor mit über 150 Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern inklusive zehn Azubis. Der jährliche Umsatz beläuft sich auf mehr als 15 Millionen Euro. Der anhaltende Erfolg kam und kommt nach Auskunft von Karl-Heinz Brunner nicht von ungefähr: »Mein Vater und nun auch ich setzen immer auf die aktuell verfügbaren und schon industriell einsetzbaren Technologien. So haben wir 1978 mit dem Schablonen gesteuerten Stanzen begonnen, 1980 die erste NC- Stanzmaschine eingesetzt, 1985 den Einstieg in die CNC-Technik vollzogen und in den Folgejahren sukzessive in den Maschinenpark investiert.«

Dienstleister für Blechteile

Bis heute vor allem in der Gehäusefertigung für die Elektro- und Elektronik- Industrie sowie als Automobilzulieferer, speziell im Bereich IsoFix-Kindersitze tätig, präsentiert sich Ha-Be seit 1995 nicht nur als »verlängerte Werkbank«, sondern als Komplett-Dienstleister nach dem Motto »Präzision in Blech«. Damals nämlich begann Karl-Heinz Brunner mit dem Aufbau der Abteilung Prototypen- und Musterbau sowie flexible Serienanlauf-Fertigung, was natürlich einen entsprechend leistungsfähigen und flexiblen Hintergrund erforderte.

Davon ausgehend, dass sich die Blechteile-Fertigung immer mehr in Richtung Komplettlieferung von Baugruppen verlagert, begann man bei Ha-Be auch schon früh damit, die Blechteile mit Einbau-Komponenten dahingehend zu ergänzen, dass sie als möglichst montagefertige Baugruppen das Haus verlassen. Dies bedeutete jedoch, dass auf die Beschäftigten weitere und neue Aufgaben zukamen, nämlich zum Beispiel das Setzen von Muttern, Gewindebolzen, Distanzstücken und dergleichen mehr.

Karl-Heinz Brunner und die Mitarbeiter sannen deshalb nach einer rationellen sowie universell-flexiblen Lösung für derartige Zusatzarbeiten nach und machten sich auf die Suche nach geeigneten Vorrichtungen oder Maschinen. Während des Besuchs einer Fachmesse stießen sie unter anderem auf die BalTec Maschinenbau AG und dort auf die Radialniettechnik. Es folgten Vorführungen und ein Besuch im BalTec-Werk in Pfäffikon in der Schweiz, und danach formulierte man die Wünsche und Anforderungen.

Die Schwierigkeit lag darin, daß Brunner und seine Techniker die favorisierte CNC-Koordinaten-Nietmaschine nicht nur zum Radial-, sondern auch zum klassischen Nieten mittels vertikalen Pressdrucks sowie zum Einpressen von Setzmuttern und Setzbolzen nutzen wollten. Außerdem gab es weitere Wünsche hinsichtlich des Arbeitsbereichs, da die Blechteile bei Ha-Be doch öfters größere Dimensionen haben.

Die BalTec-Anwendungstechniker und Konstrukteure gingen auf das veränderte Anforderungsprofil ein und konzipierten, auf Basis diverser Standard-Komponenten, eine CNC-Koordinaten-Radialnietmaschine mit einem Arbeitsbereich von 500 x 400 Millimeter. Ihre Besonderheit: Das robust-präzise Radialnietaggregat lässt sich nach dem Abschalten der Radialpendelung auch zum reproduzierbar präzisen Einpressen/Verpressen, Fügen und Verbinden verschiedenster Montageelemente einsetzen.

Dazu Karl-Heinz Brunner: »Mit der Radialniettechnik und dem erweiterten Einsatzgebiet der CNC-Anlage können wir unseren Kunden mehr Nutzen sowie dokumentierte Qualität bieten, denn die Maschine ist mit einer Prozessüberwachung ausgerüstet, die beim Radialniet-/Pressvorgang zu jedem Zyklus den Niet-/ Pressanfang, den Umformweg, die Umformzeit und die Niet-/Presskraft erfasst und auswertet. Dabei sind alle Einzelparameter über ein Toleranzfeld genau definiert. Des Weiteren ist für uns der große Rundtisch mit - je nach Bauteilegröße - zwei bis vier Werkstückaufnahmen wichtig, weil das Be- und Entladen durch den Maschinenbediener außerhalb des Arbeitsbereichs und somit parallel zur Bearbeitung erfolgen kann. Dadurch reduzieren wir die unproduktiven Nebenzeiten und erhöhen die Effizienz in der verfügbaren Arbeits- und Maschinen-Laufzeit sowohl im Ein- als auch erst recht im Mehrschichtbetrieb.«

Das einfache, aber wirkungsvolle Konzept der CNC-Koordinaten-Radialnietmaschinen von BalTec ist bestechend: Bestehend aus nur wenigen Haupt-Baugruppen wie dem massiven Stahl-Grundgestell, der Radialnieteinheit, dem X-Y-Koordinatentisch, dem Rundteller mit den Werkstückaufnahmen, der Nietsteuerung, der Maschinensteuerung, der Vollschutz-Verkleidung mit Sicherheits-Lichtschranken so wie der Zweihand-Steuerung, sind hohe technische Verfügbarkeit und hohe Produktivität gewährleistet.

Neue Technik fördert die Wettbewerbsfähigkeit

Das Maschinenkonzept ist so nutzungsflexibel ausgelegt, dass zum Beispiel großflächige Teile in der 2. Station auch automatisch aufgelegt sowie in der 3. Station wieder automatisch entnommen werden könnten. Das Umrüsten geht denkbar einfach vonstatten, es müssen lediglich das NC-Programm, das Nietprogramm, das Nietwerkzeug und die Werkstückaufnahmen gewechselt werden.

Nach Darstellung von Karl-Heinz Brunner geschieht dies im 2- oder 3- Schicht-Betrieb, je nach Auftrags- Stückzahlen, bis zu sechsmal und vor allem völlig problemlos durch den Abteilungsmeister: »Wir arbeiten jetzt gut drei Jahre mit der Maschine und sind damit sehr zufrieden. Seit wir die Radialniettechnik anwenden und die Maschine auch für andere Einpress- und Fügeaufgaben einsetzen, steigt die Auslastung der CNC-Anlage stetig, so daß sich der Einstieg in das automatisierte Nieten nicht nur rechnerisch, sondern auch in der Praxis längst amortisiert hat. Die Betreuung durch die BalTec-Deutschland GmbH in Uhingen ist sehr gut, der Wartungsbedarf minimal, der Service klappt auf Zuruf reibungslos. Die Kombination aus Radialnieten und der Anwendung weitere Fügetechnologien in einer Maschine plus der Automatisierungsgrad garantieren uns die geforderte Wirtschaftlichkeit und haben insgesamt unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöht.«

Erschienen in Ausgabe: 04/2005