Thomas Pieper

Finale

Seit Jahrzenten rüstet Strothmann die großen und internationalen Automobilisten auf dem Feld der Pressen-Automation aus. Grund genug, dem Product Manager ein paar Fragen zu stellen.

11. Dezember 2015

Zunächst vielen Dank dafür, dass Sie Kontakt zu uns aufgenommen haben. Im Grunde han-delt es sich bei unserer Technik um einen Linear-Roboter. Sie wird zum Beispiel eingesetzt, um Blechzuschnitte, wie sie in Pressenstraßen verarbeitet werden, zu entstapeln und von einer Pressenstufe zur nächsten zu transportieren. Die Feeder-Systeme, wie sie bei uns genannt werden, sind programmierbar und mit Greifern ausgestattet, um Handhabungsaufgaben zu verrichten. Dies mag nicht wortgetreu der Roboter-Definition der VDI-Richtlinie 2860 entsprechen, aber sinngemäß machen unsere Maschinen genau das.

Klingt ja toll, aber würden Sie uns bitte ein Beispiel nennen, bei der die Aufgabe durch eine Roboter schlechter gelöst wird als durch Ihre Feedertechnik?

Ich höre die unterschwellige Ironie in Ihrer Frage, die hoffentlich nur auf der Unkenntnis unseres Einsatzgebietes beruht. Lösen wir uns deshalb zunächst einmal von der Vorstellung, dass eine jegliche Handhabungsaufgabe von universellen Industrierobotern übernommen werden kann und betrachten einen engeren Rahmen. Der Einsatz in der Pressen-Automation erfordert Schnelligkeit, Präzision und ein platz-sparendes Equipment. Der kürzeste und schnellste Weg zwischen zwei Punkten liegt dabei bekanntlich in einer Geraden. Wir müssen die Blechzuschnitte oder Platinen, wie sie auch genannt werden, in der Regel in X, Y und Z bewegen, wozu jeweils ein Antrieb eingesetzt wird. Ein Industrieroboter benötigt sechs Achsen – das entspricht sechs Antrieben , um die gleichen Punkte zu verbinden, und bei großem Abstand der Punkte spendiert man ihm noch eine siebte Achse. Daraus leiten sich längere Fahrzeiten ab und gleichzeitig die Beanspruchung eines größeren Bauraums. Letzteres steht selten zur Verfügung.

In diversen Magazinen wurde zuletzt berichtet, dass Strothmann den größten Auftrag der Firmengeschichte von Volkswagen Mexiko erhalten hat. Haben Sie da gänzlich auf den Einsatz von Robotern verzichtet?

Wir sind sehr stolz darauf, dass uns VW erneut das Vertrauen ausgesprochen hat und nun schon die sechste Pressenstraße im Konzern durch uns modernisieren lässt. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Der Roboter hat auch in Teilen unserer Welt seine Berechtigung, und wo es sinnvoll ist, setzen wir ihn auch nahezu kritiklos ein. So nutzen wir Roboter zum Beispiel als untergeordneten Helfer beim Greiferwechsel für unsere zuverlässigen Entstapel-Feeder oder sie dürfen die Platinen, kurz bevor sie von unserem Strothmann CT aufgenommen werden, ausrichten.

Da Sie offenkundig nicht an der Integration von Robotern arbeiten, woran arbeitet Strothmann stattdessen?

Wir bleiben bei dem, was wir am besten können: dem Handling von Platinen rund um die Pressen mit unserer Lineartechnik. Generell arbeiten wir an einer noch besseren Bedienbarkeit, einer durchgehenden Vernetzung sowie dem Thema Condition Monitoring. Neben etlichen Neuerungen im Detail arbeiten wir auch an einem neuen hochflexiblen Handling-System. Dafür erweitern wir eigens unsere Ressourcen auf allen Ebenen, unter anderem in Konstruktion sowie der Entwicklung im Bereich Mechanik und Elektrik.

Erschienen in Ausgabe: 09/2015