Tabak für Tahiti

Anlagen/Systeme Auch in der Verpackungsbranche gibt es Spezialisierung: Geht es um Tabak, greifen Produzenten bevorzugt auf Blockpackmaschinen zurück. Um eine Insel in der Südsee zu versorgen, ging eine neue Anlage an den Start.

04. September 2008

Rauchern weht in Europa ein härterer Wind entgegen. In vielen Ländern gibt es Rauchverbote in Gaststätten, Werbung wird unterbunden, Mediziner warnen. Doch auch wenn der Tabakkonsum aufgrund dieser Hindernisse sowie stark steigender Preise insgesamt sinkt, gibt es trotzdem weiterhin eine rege Nachfrage nach Rauchwaren. Neben den klassischen Zigaretten geht der Trend immer mehr zum Tabak zum Selberdrehen, dem sogenannten Feinschnitt. Über 24.000 Tonnen davon hat die Tabakindustrie im Jahr 2004 verarbeitet, das ist eine gewaltige Menge, die es zu verpacken gilt.

Federführend im Bereich der Tabakverarbeitung ist die sogenannte Blockpackmaschine. Eine Maschine dieser Art ist ausschließlich für die Verpackung von Lebens- und Genussmitteln bestimmt, wobei Tabak einen hohen Stellenwert einnimmt. Eine solche Verpackungsmaschine ist modular aufgebaut und besteht aus verschiedenen Komponenten, die der Zuführung, Verarbeitung, Verpackung, Etikettierung und Ableitung dienen.

Einer der etablierten Hersteller auf dem Markt ist Emkon Verpackungsmaschinen aus Kirchlinteln. Als aktuelle Entwicklung präsentiert das Unternehmen seine neue Generation der Blockpackmaschine, die sich durch eine neuartige Technik auszeichnet, indem sie Kurvensteuerung und Servotechnik kombiniert. Die Technologie setzt auf ein bereits bestehendes Verpackungskonzept auf. Da die Maschine aber nicht auf ein Format, Füllgewicht oder Produkt festgelegt ist, sondern in unterschiedlichen Bereichen Einsatz findet, bietet sie dem Anwender einen neuen Grad von Freiheit.

Die Anlage verarbeitet neben faserigen Grundstoffen wie Tabak auch andere Elemente aus den Bereichen Nahrungs- und Genussmittel sowie Kosmetik. Ziel von Emkon ist es, den Kunden in allen Stadien, von der Grundidee bis zur Installation der Maschine im Werk, effizient zu begleiten und die »time to market« möglichst kurz zu halten.

Zeit für eine Alternative

In den Genuss dieser Vorteile wollte auch BAT Niemeyer kommen. Das weltweit tätige Tabak verarbeitende Unternehmen begann Ende 2005 mit der Suche nach einer Alternative für eine alte Quester-Blockpackmaschine aus dem Jahr 1949. Der Grund war die sich stetig verschlechternde Ersatzteilsituation, da der Originallieferant nicht mehr existiert. Ersatzteile mussten speziell angefertigt werden. Um die Ersatzteilsituation zu verbessern, kaufte BAT Niemeyer eine zweite Quester-Maschine, die bei einem Maschinenbauer im Lager stand.

Doch die alte Maschine stieß mit einem neuen Projekt endgültig an ihre Grenzen. Es ging darum, auf Tahiti die gleichbleibend starke Nachfrage nach einem Tabak namens Bison zu befriedigen, der auf der Trauminsel in der Südsee ganz besonders beliebt ist. Die Lösung lag in der Blockpackmaschine von Emkon. Anfang 2006 fiel der Startschuss zu einer komplett neuen Anlage, die BAT Niemeyer gemeinsam mit Emkon entwickelte. Der Tabakproduzent kam dabei mit klaren Vorstellungen und hohen Erwartungen und lieferte detaillierte technische Spezifikationen, die der Maschinenhersteller zu dessen Zufriedenheit umsetzte. Beide beteiligte Unternehmen bewerten die Blockpackmaschine als gelungen.

Der Prototyp arbeitet nach dem »Backplane«-Prinzip, es trennt die Anlage in eine rückwärtige Antriebsseite und eine Bedienerseite, die der Antriebsseite gegenüber liegt. Dieses Prinzip findet Anwendung auch in der Zigarettenindustrie und stellt laut Emkon für die Bediener einen großen Vorteil dar.

Im gesamten Verlauf der Entwicklung erarbeiteten die Partner viele verschiedene Arbeitsabläufe und setzten diese um. In Schulungen an der Maschine sowie zahlreichen System-, Integrations- und Funktionstests bewies die Anlage ihre Praxistauglichkeit. In zahlreichen Durchläufen konnte sie der Auftraggeber weiter optimieren und die angestrebten Produktionszahlen erreichen. In enger Zusammenarbeit mit Emkon arbeitet BAT Niemeyer weiterhin daran, den Prototypen zu verbessern. Anfang 2008 fanden die ersten produktionsnahen Versuche statt, seit März 2008 läuft die Produktion.

Wie die Produktion abläuft

Eine Waage portioniert den losen Tabak, der dann in den bereitstehenden Bechern des Becherwerks landet. Erreichen die Becher den höchsten Scheitelpunkt des Förderbandes, kippen sie und der Tabak rutscht über eine Auffangstation in das Füllerkarussell. Sensoren am Becherwerk überwachen jede Füllbewegung. Sollte während eines Arbeitstaktes kein Tabak übergeben werden, wird dies vom System vermerkt. Steht dieser nicht vorhandene Tabakblock zur Verpackung an, wird ein Leertakt gefahren.

Das Füllerkarussell besteht aus 16 Auffangbechern, kreisförmig zueinander ausgerichtet. Bei jedem Arbeitstakt dreht sich das Karussell um einen Becher weiter, ein Becher ist also immer unter der Auffangstation positioniert. Ist der Becher befüllt, durchläuft der Tabak mehrere Arbeitsstationen. Station 1 presst den losen Tabak mithilfe eines Pressdorns im Becher vor, Station 2 übergibt den vorgepressten Tabakblock durch den Fülldorn an den Revolver. Dort werden die Verpackungsmaterialien sowie der Tabak aus dem Füllerkarussell zusammengeführt. Die Verpackung besteht aus mehreren Schichten – Pergamin, Aluminiumfolie und Kraftpapier –, die aus sogenannten Bobinen kommend zusammengeführt werden. Ein Messerblock schneidet die Verpackung zu, anschließend drückt der Zuschnittschieber das abgeschnittene Verpackungsmaterial in die bereitstehende Tasche des Revolvers. Pneumatisch angesteuerte Laschen klappen um und halten die Verpackungsmaterialien am Platz, dann kommt Tabak in die Tasche. Nachdem die Längsseiten gefaltet sind, schwenken die pneumatischen Haltelaschen wieder zurück. Dann wird der eingepackte Tabakblock auf beiden Stirnseiten zusammengecrimpt und an das Wenderad abgegeben, welches die Blöcke aus dem Revolver entnimmt. Bei jedem Arbeitstakt dreht es sich um 90 Grad.

Nach einer Drehung um 180 Grad übergibt die Anlage die Gebinde an die Mitnehmerkette. Die Längsfaltung liegt jetzt oben. Die Mitnehmerkette transportiert die Tabakblöcke durch die Leimstation und am Etikettierer vorbei. Im Anschluss werden die Gebinde an das Auslaufband übergeben und abschließend noch einmal gewogen.

Fakten

Die Blockpackmaschine

- Emkon bietet in seinem Portfolio eine spezielle Verpackungsmaschine für Tabak-Feinschnitt.

- Die Blockpackmaschine formt im Füllerkarussell aus losem Tabak Blöcke.

- Parallel entsteht aus mehreren Schichten die Verpackung, sie wird passend zugeschnitten.

- Im Revolver kommen Tabak und Verpackung zusammen.

- Abschließend werden die verpackten Blöcke geleimt und etikettiert.

Erschienen in Ausgabe: 04/2008