Herr Dr. Klie, Sie gründen Niederlassungen, wie zum Beispiel in Slowenien mit 2000 m2, und erweitern ihren Firmensitz in Allershausen mit einem neuen Verwaltungsgebäude - Sie sind auf Wachstumskurs?

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Klie:Richtig. Das 1984 gegründete Unternehmen entwickelt sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre rasant. Ab 1994 gab es einen Wachstumsschub, innerhalb von zwei bis drei Jahren haben wir unseren Umsatz verdoppelt: Wir haben jetzt im Schnitt eine Wachstumsrate von 15 bis 20 Prozent im Jahr. Es geht also steil bergauf mit Motoman.

Liegt das am Markt oder am strategischen Geschick von Motoman?

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Klie:Das hängt zum einen mit der Marktentwicklung zusammen und zum anderen mit den technisch hochwertigen Produkten, die Yaskawa in Japan entwickelt. Allerdings haben wir auch unsere Anstrengungen verstärkt, insbesondere im Automobilzuliefer- sowie im Automobilbereich, aber auch bei den nichtschweißtechnischen Anwendungen.

Und sie haben neue Aufträge aus der Automobilindustrie an Land gezogen?

Klie: Wir sind in die Automobilindustrie hineingekommen, da wir in den vergangenen drei Jahren viele Just-in-time-Anlagen an Automobilzulieferer geliefert haben. So haben die Entscheider in der Automobilindustrie unsere Produkte kennengelernt. Für Mercedes in Sindelfingen hat einer unserer Kunden Anlagen für die Schalldämpferproduktion der E-Klasse geliefert. Unsere Roboter wurden dabei von Mercedes-Mitarbeitern gewartet, und da sie dadurch mit der Technik vertraut wurden, haben sie uns aufgefordert anzubieten. So kam es zu den ersten Aufträgen - im konkreten Fall für Anlagen zur Fertigung von Achsenteilen.

Sie haben auch im nichtschweißtechnischen Sektor Land gewonnen? - Klie: Das stimmt. 60 Prozent unserer Arbeit richtet sich zwar immer noch an Automobilzulieferer, aber wir forcieren unser Engagement auch auf anderen Sektoren. Wir sind zum Beispiel im Schleifen und Polieren aktiv und stoßen in den Bereich Abkantpressen vor. Wir haben weiterhin viele Projekte im Bereich Palettieren in der Brauerei- und Lebensmittelindustrie realisiert. Außerdem führt Yaskawa jetzt auch Reinraum- und zukünftig Farbspritzroboter im Programm. Da diese Geräte zur Zeit für den europäischen Markt vorbereitet werden, untersuchen wir unsere Möglichkeiten dieses Marktsegment zu besetzen. Im Spätherbst entscheiden wir, mit welchen Partnern wir zusammenarbeiten wollen. Die Geräte sind zu Beginn des kommenden Jahres verfügbar.

Wo ordnen Sie sich innerhalb ihrer Konkurrenten am Markt ein? Und was sind die Stärken von Motoman?

Klie:Was die schweißtechnische Seite angeht, nehmen wir im Automobilzulieferbereich Platz zwei ein. Als wir in den 80er Jahren anfingen, hatten wir kaum Chancen, in der Automobilindustrie Fuß zu fassen. Deshalb haben wir uns auf den Zulieferbereich konzentriert. Dort haben wir uns ziemlich schnell zu einem Spezialisten für komplexe Anwendungen etabliert. Wir machen viel in Sachen Schalldämpfer, Krümmertechnik, Katalysatorenfertigung und sind jetzt stark in die Fertigung von Karosserieteilen eingestiegen. Beispiele sind Quertraversen für Automobile sowie Türen und Achsen. Dabei arbeiten wir sowohl mit Standardlösungen, aber auch je nach Kundenanforderung mit speziellen und komplexen Anlagen. Das heißt, wir können technisch einiges bieten, vor allem mit der neuen Steuerung sind wir in der Lage, 27 Achsen anzusteuern. Das hat dazu beigetragen, unseren Marktanteil insbesondere im Schalldämpfergeschäft zu steigern.

Mehrere Achsen mit einer Steuerung fahren, das können andere Hersteller auch. Was zeichnet ihre applikationsspezifische Steuerungstechnik aus?

Klie: Unsere Software verfügt über spezielle Synchronfunktionen. Wenn wir zum Beispiel an symmetrischen Teilen mit mehreren Geräten schweißen, bewegen wir das Teil zusätzlich mit einer externen Achse. Mit der alten Steuerung konnten wir mit zwei Robotern synchron arbeiten mit der neuen können wir mit drei Robotern am Bauteil fahren. Das ergibt natürlich etliche Vorteile, insbesondere in punkto Fertigungszeiten. Wir arbeiten in solchen komplexen Anlagen oft mit drei bis vier Robotern und erwirtschaften dadurch nicht nur Zeitvorteile; wir sparen auch teure Werkzeuge und zusätzliche Anlagenteile. Dazu ein Beispiel für gerade ausgelieferte Anlagen: Wenn zwei sechsachsige Roboter an einem Portal hängen und selbst noch mal über eine Achse verfahren werden, heißt das zwölf plus zwei, also 14 Achsen. Dann arbeiten wir dort mit einem Vier-Stationen-Tisch, der also vier plus eine Grundachse hat. Damit wären wir bei 19 Achsen, und dann setzen wir dort, wo wir das Teil automatisch entnehmen, noch einen Shuttle mit drei Achsen ein. Wir arbeiten also mit 22 Achsen und einer Steuerung und haben dadurch einen erheblich geringeren Programmieraufwand, gegenüber zusammengeschlossenen Robotern, die extra synchronisiert werden müssen.

Die neue Steuerung Yasnac-XRC managt bis zu 27 Achsen - wie sieht es mit Ihrem weiteren Softwareangebot aus?

Klie: Es gibt eigene Software-Entwicklungen in den USA, Japan und Europa, die über Japan koordiniert, ausgetestet und dann weltweit angeboten werden. Das bedeutet, daß wir zum Beispiel 27 Achsen offline programmieren können. Darüber hinaus kann der Kunde Programme austauschen und sogar Programme in der Steuerung modifizieren.

Der Kundenservice hat deshalb sicherlich alle Hände voll zu tun?

Klie: Wir haben eine Hotline geschaltet, außerdem bieten wir auch Fernwartung. So können wir uns über ein Modem die Daten beim Kunden ansehen und Störungen gleich beheben. Das setzt voraus, daß wir auf der anderen Seite kompetente Leute haben, mit denen wir korrespondieren können. Bei unseren Kunden findet dieser Service starken Anklang. Allerdings ist eine Hotline häufig ein zweischneidiges Schwert, denn über sie werden nicht nur gravierende Probleme gelöst. Viele Leute, die diese Hotline nutzen, rufen an, wenn sie ein simples Bedienungsproblem haben. Schließlich ist es viel einfacher, einen Serviceingenieur anzurufen, der innerhalb von Minuten einen Tip gibt, als im Manual nachzulesen.