»Sitzen wir im Glashaus?«

Glashäuser schützen Pflanzen vor Wetterkapriolen, lassen das nötige Licht herein, benötigen aber gleichzeitig umfangreiche Technik zum Wärmen, Bewässern oder Beschatten.

04. September 2008

Betrachtet man neben den Glashäusern auch unser gesamtes Umfeld unter energetischen Kriterien, wird bewusst, dass es einen Wandel im Umgang mit Energie geben muss. Energie steht für ein wichtiges Gut in unserem Leben und darf nicht sorglos verschwendet werden. Ressourcenschonender Einsatz von Energie ist zu einem der wichtigsten Themen geworden. Im Fokus stehen nicht nur die Gewinnung und Aufbereitung der Primärenergie, sondern auch die Energieeffizienz in industriellen Prozessen. Deutschland als energie- und rohstoffarmes Land muss Öl, Gas und Kohle importieren, um den Energiebedarf decken zu können. Gerade in der heutigen Zeit spüren wir deutlich, was es heißt, von Energieimporten abhängig zu sein. Das eigene Portemonnaie ist der beste Sensor für die gestiegenen Energiekosten. Auf der anderen Seite ist seit langem bekannt, wie endlich Öl- und Gasförderung sind, auch weiß man, dass das Element Uran nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. Dieses Wissen um die Endlichkeit und die dramatisch gestiegenen Kosten für Energie verstärken die Suche nach alternativen Energiequellen. Es muss die Frage erlaubt sein, ob man nicht mit dem vorhandenen Wissen der Abhängigkeit in der Vergangenheit zu halbherzig an Alternativen geforscht und gearbeitet hat, um sich von dieser Klammer zu lösen. Heute treibt der Energiepreis die Entwicklung energiesparender Produkte an. Der Maschinen- und Anlagenbau hat sich dieser Herausforderung gestellt und energieeffiziente Technologien entwickelt und auf den Markt gebracht, lange bevor dieses Thema von der Politik zum Hype-Thema gemacht wurde. Diese Systeme arbeiten sehr effizient – gerade in den Nebenprozessen eröffnen sich Einsparpotenziale von 20 bis zu 70 Prozent. Welche Einsparpotenziale in den Nebenprozessen möglich sind, welche Amortisationszeiten sich ergeben, wurde im Rahmen der Sonderveranstaltung »Energieeffizienz in industriellen Prozessen« auf der Hannover Messe 2008 vermittelt.

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Energiepreise wieder fallen werden. Dies bedeutet, dass die Intensität der Entwicklung energieeffizienter Komponenten und Systeme gesteigert werden muss. Gilt es doch, zum einen unseren persönlichen Lebensstandard wahren zu können und zum anderen die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes Deutschland zu sichern oder gar auszubauen. Für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau wird das Thema Energieeffizienz zukünftig die Messlatte der Innovationsfähigkeit sein. Festzuhalten ist aber auch, dass schon heute die Branche mit zukunftsweisenden Energietechnologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette einen entscheidenden Beitrag zur Versorgungssicherheit, Ressourcenschonung und CO2-Einsparung leistet. Der Blick aus dem Glashaus zeigt: Hysterie ist fehl am Platz! Die Bedeutung des Themas ist in das Bewusstsein gerückt. Mit Nachdruck wird an Konzepten und Lösungen gearbeitet. Für heute gilt: »Gefahr erkannt, aber noch nicht gebannt«.

Peter-Michael Synek

Forum Mechatronik im VDMA

peter.synek@vdma.org

Erschienen in Ausgabe: 04/2008