Sichere Brücke beim Palettieren

Arbeitssicherheit - Zementsäcke auf Paletten stapeln und stabilisierend mit Folie umwickeln, das geschieht bei Rohrdorfer über eine Palettieranlage. Sicherheitstechnisch wurde diese auf den neuesten Stand gebracht – mit Muting-Funktion.

02. Mai 2019
Sichere Brücke beim Palettieren
An zwei Abnahmestellen können die fertig gepackten Paletten von einem Gabelstapler abgeholt werden. Außerdem gibt es eine Aufgabestation für Leerpaletten und eine für Verpackungsfolie. (Bild: Fiessler Elektronik)

Dass Zement alles andere als eine graue Materie ist, zeigt die Rohrdorfer-Gruppe seit Jahrzehnten mit einem breiten Leistungsspektrum. Das Unternehmen Südbayerisches Portland-Zementwerk Geb. Wiesböck, auch bekannt unter dem Namen Rohrdorfer, hat seinen Sitz im Oberbayerischen Rohrdorf bei Rosenheim. Einst von Georg Wiesböck gegründet, steht es heute eigenen Angaben zufolge für einen überregional agierenden Baustoffproduzenten.

An mehr als 120 Standorten werden in Deutschland, Österreich, Ungarn und Italien neben Zement auch Transportbeton, Betonwaren und Betonfertigteile hergestellt sowie Sand und Kies gewonnen. Wichtig ist dem Unternehmen auch der nachhaltige Einsatz von Ressourcen.

Um die Wahl des richtigen Partners ging es bei einer bestehenden Anlage, die nicht ersetzt, sondern nach neuesten Vorgaben und Normen sicherheitstechnisch auf den Stand der Technik gebracht werden sollte. Dabei handelte es sich um ein Palettiersystem. Grundsätzlich ist solch ein Palettierer ein System, um automatisch Packstücke auf Ladungsträgern zusammenzufassen.

Gemeinsam erarbeiteten Franz Stocker, Leiter der Elektrotechnik und Sicherheitsfachkraft bei Rohrdorfer, das Unternehmen Fiessler Elektronik aus Aichwald und eine externe Sicherheitsfirma ein Sicherheitskonzept. Dieses setzten sie dann um, und im Anschluss wurde es durch eine entsprechende Sicherheitserklärung abgenommen.

Zugang über Lichtgitter abgesichert

Die betreffende Anlage besteht aus zwei Palettiereinheiten: einem Hochpalettierer von Beumer sowie einem sogenannten Verpackungspalettierer von Möllers. Durch die gewählte Modulbauweise aus Hochpalettierer und Verpackungspalettierer ließ sich die Gesamtanlage an die Bedürfnisse von Rohrdorfer anpassen. So können zum Beispiel 25-Kilogramm-Säcke in entsprechende Packgutformate gestapelt werden. Hierbei kommt auch eine Dehnungsfolie zum Einsatz, sodass das System ohne größeren Energieaufwand das Packgut für den späteren Transport jeweils auf einer Europalette ladungsstabilisierend verpacken kann. Ein Rollen- beziehungsweise Transportband stellt die fertigen Gebinde an zwei Abnahmestellen bereit. Dort kann ein Gabelstapler die Paletten abholen.

Für den sicherheitstechnischen Aspekt mussten bei der bestehenden Anlage vier Bereiche betrachtet werden: erstens die Aufgabestation für Leerpaletten, als Zweites die Aufgabestation für die Verpackungsfolie sowie die beiden Abnahmestationen für die Entnahme der gepackten Paletten. Bei allen diesen Stationen könnten Personen in die Anlage gelangen und durch bewegliche Teile oder das Fördergut verletzt werden. Somit war die primäre Aufgabe, für das Sicherheitskonzept eine Lösung zu erarbeiten, welche die Anlage zum einen gegen Betreten absichert. Zum anderen sollte die Lösung die tägliche Arbeit beim Beschicken der Anlage sowie Entnehmen der Paletten nicht behindern und somit die Verfügbarkeit der Gesamtanlage auf hohem Niveau gewährleisten.

Für die Zugangsabsicherung der verschiedenen Stationen entschloss sich der Baustoffproduzent dazu, ein Sicherheitslichtgitter vom Typ ULVT 800/3 aus dem Hause Fiessler Elektronik einzusetzen. Montiert in Schutzsäulen und mit einer hohen Reichweite ausgestattet ist das Lichtgitter prädestiniert für den Einsatz in rauen Umgebungen, so der Anbieter für Sicherheitslösungen.

Damit das Sicherheits-Lichtgitter nur beim Betreten einer Person einen Stopp auslöst, aber die Beschickung mittels Gabelstapler erfolgen kann, implementierten die Partner eine sogenannte Muting-Funktion für das Lichtgitter. Dies bedeutet, dass das System bei einer definierten Konstellation überbrückt wird und somit der Stapler die Palette aufsetzen beziehungsweise entnehmen kann.

Die Bedingungen für das zeitliche Überbrücken der Lichtgitter werden mittels der modularen Sicherheitssteuerung FMSC von Fiessler Elektronik gebildet und ausgewertet. Werden die jeweiligen Mute-Bedingungen für die Lichtgitter unwahr, so aktiviert sich das Lichtgitter wieder und die Station ist wieder gegen das Betreten gesichert.

Unterschied von Mensch und Stapler

Leuchten zeigen die jeweiligen Zustände der Stationen an. So weiß jeder Beschäftigte über den Sicherheitszustand der Station Bescheid. Ein unabsichtliches Betreten der Anlage wird auf diese Weise deutlich verringert. Damit eine sichere Differenzierung zwischen Mensch und Gabelstapler erfolgen kann, sind in den Boden pro Station je zwei Induktionsschleifen eingelassen.

Konkret haben die Partner die Gesamtanlage mit vier Muting-Stationen umgesetzt. Dabei läuft der Prozess in mehreren Schritten ab. So sind die Lichtgitter mit einer Wiederanlaufsperre programmiert. Dies bedeutet, dass die Lichtvorhänge nach einer Spannungswiederkehr der Anlage oder nach einem Unterbrechen des Lichtvorhangs ohne Muting-Anforderung zu quittieren sind.

Eine entsprechende Anforderung wird dann eingeleitet, wenn die Induktionsschleife 1 vor der Induktionsschleife 2 belegt wird oder beide Induktionsschleifen gleichzeitig belegt sind. Die Anforderung wird aufgehoben, wenn eine der Induktionsschleifen wieder frei oder die eingestellte maximale Muting-Zeit überschritten wird. Die Zeitspannen wurden nach Vorgabe umgesetzt. Diese Zeit sollte so kurz wie möglich gehalten werden.

Von Grün bis Rot

Die Gesamtanlage lässt sich bei Bedarf über ein Sicherheitsrelais FSEM abschalten. Das Relais wird dabei ebenfalls mittels eines Kontakts überwacht. Sollte ein Überwachungsfehler festgestellt werden, so muss dieser gesondert quittiert werden.

Ein sogenannter Dreifach-Signalgeber zeigt den jeweiligen Zustand der Stationen an. Ist dieser grün, dann ist die Anlage betriebsbereit und der Schutzbetrieb aktiv. Bei Gelb ist der Lichtvorhang überbrückt (Muting). In diesem Fall kann der Stapler Material einbringen beziehungsweise abholen. Bei rotem Licht wurde der Lichtvorhang im aktiven Zustand unterbrochen. Er muss quittiert werden. Dann muss die Gesamtanlage quittiert werden.

Sollte sich also eine Person durch die »offenen Bereiche« beziehungsweise durch die Sicherheitslichtgitter in den Gefahrenbereich begeben, erfolgt direkt eine sichere Abschaltung der gesamten Anlage. Die Anlage kann erst nach entsprechender Quittierung von außen wieder in den normalen Betrieb zurückgesetzt werden.

Seit der Gründung des Produktionswerkes haben sich die Anlagen und Ausstattungen mit modernster Technik stark verändert. Das hier gezeigte Beispiel zeigt aber auf, dass ältere Anlagen bezüglich der Arbeitssicherheit nicht unbedingt zum »alten Eisen« gehören müssen, wie Fiessler herausstellt. Eine Nachrüstung aktueller Sicherheitstechnik sei in den meisten Fällen durchaus praktikabel und machbar.

Erschienen in Ausgabe: 03/2019
Seite: 38 bis 39