Sicher an der Leine

Energieführungen - 7-Achs-Roboter sind für komplexe automatisierte Anwendungen in der Industrie mit langen Verfahrwegen prädestiniert. Damit sie dauerhaft, platzsparend und beweglich agieren können, bilden hoch entwickelte Energieketten eine wichtige Basis.

25. März 2019
Sicher an der Leine
Igus hat die Chainflex-Leitungen CFSpecial.792 für 7-Achs-Roboter im Portfolio. Diese sind nun für ABB-, Kuka- und Fanuc-Roboter verfügbar. (Bild: Igus GmbH)

Wohin die Reise in der modernen Automatisierungstechnik geht, ist kein Geheimnis. In den Fertigungshallen dieser Welt stehen die unterschiedlichsten Roboterformen, die auf engem Raum flexibel und universell einsetzbar sind. Während frühere Industrieroboter in der Regel an einem festen Ort installiert wurden und immer wiederkehrende Arbeiten kompromisslos und gewissenhaft durchführten, sind die Produktionsabläufe heute viel komplexer und umfangreicher. Das erfordert eine höhere Flexibilität der Ein- und Doppelarmroboter der neuesten Generation.

Beschleunigte Konjunkturzyklen sorgten in den vergangenen Jahren für einen regelrechten Roboterboom. In fast allen Fertigungsbereichen hat der die Nase vorn, der in der Lage ist, flexibler zu produzieren und stärker auf individuelle Kundenbedürfnisse einzugehen. Die International Federation of Robotics (IFR) prognostiziert, dass bis 2020 mehr als drei Millionen Industrieroboter in den Fabriken dieser Welt ihre Arbeit verrichten werden. Über 1,7 Millionen neue Industrieroboter sollen allein in den Jahren 2017 bis 2020 installiert werden. Im IFR World Robotics Report 2017 schlüsselte die Organisation das Ranking in Sachen Automatisierung per Robotik nach Ländern auf. Demnach lag der globale Durchschnitt in der Fertigungsindustrie bei einer Roboterdichte von 74 Einheiten pro 10.000 Mitarbeitern und erreichte damit einen neuen Rekord (2015: 66 Einheiten).

In Europa beträgt die durchschnittliche Roboterdichte laut dem Report 99 Einheiten. Zum Vergleich: In Amerika waren es 84 und in Asien 63 Einheiten. In der Top-10-Liste der am meisten automatisierten Länder der Welt findet man neben Südkorea, Singapur und Japan auch Deutschland, Schweden und Dänemark. Dabei ist Deutschland das am stärksten automatisierte Land in Europa und landet mit 309 Einheiten im weltweiten Vergleich auf Platz Drei.

»Industrieroboter spielen eine Schlüsselrolle für den Fortschritt der Fertigungsindustrie«, so Junji Tsuda, Präsident der IFR. »Roboter werden mit zahlreichen Spitzentechnologien weiterentwickelt. Dazu zählen industrielle Bildverarbeitung, Skill Learning, Fehlerprognosen unter Verwendung von KI, neue Konzepte der Mensch-Maschine-Kollaboration, einfache Programmierung und viele andere.«

Stärker als je zuvor

Neueste Robotergenerationen sind dank der siebten Achse in der Lage, sich stärker als zuvor an den komplexen physikalischen Bewegungsabläufen des Menschen zu orientieren. Das erhöht Flexibilität, Produktivität und Produktqualität. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass alle Komponenten, von ultraleichten Antriebseinheiten bis sensiblen Programmierungen, störungsfrei ineinandergreifen.

Die sogenannten 7-Achs-Roboter sind eine Antwort auf die erhöhten und spezifizierten Anforderungen in der weltweiten Automatisierungstechnik. Doch nur mit hoch entwickelten und ausfallsicheren Energieketten und Leitungen sind solche Roboter in der Lage, auf der siebten Achse dauerhaft, platzsparend und äußerst beweglich zu agieren, wie der Motion-plastics-Spezialist Igus erläutert.

Bisher meist stationär eingesetzte und damit wenig flexible Roboter enthalten Versorgungsleitungen, die den neuen Anforderungen nicht mehr gewachsen sind. Bei der Umrüstung auf 7-Achs-Roboter sind deshalb hoch entwickelte Energieketten und speziell für bewegte Anwendung entwickelte Leitungen der Schlüssel dafür, dass sich die übrigen Achsen der Roboterarme bewegen können. Hier bietet das Unternehmen eigenen Angaben zufolge Lösungen an, die nicht nur eine hohe Flexibilität sicherstellen, sondern auch eine ausfallsichere Funktion garantieren.

Hannover Messe

Igus zeigt Online-Marktplatz für »Rohboter«

Die Wege in die Low-Cost-Automatisierung sind so vielfältig wie die Anwendungen. Auf der Hannover Messe zeigt Igus ein Marktplatz-Modell, das unterschiedlichsten Kunden online hilft, die für sie individuell passende Lösung schnell zu finden, zu konfigurieren oder zu bauen. Das Modell stellt Igus gemeinsam mit Co-Ausstellern in Halle 17 vor. Von dem Marktplatz profitieren Kunden ohne eigenes Robotik-Know-how, die manuelle Aufgaben einfach automatisieren möchten, ebenso wie Profis, die ihre eigene spezifische Lösung zusammenstellen.

Die »Rohboter«-Basis ist das elektromechanische Grundgerüst, beispielsweise als Robolink-4- oder -5-Achs-Gelenkarm, Delta oder kartesischer Roboter. Dank eines Baukastenprinzips lassen sich schmier- und wartungsfreie Robotiksysteme in- dividuell zusammenstellen. Motoren, Getriebe, Leistungselektronik, Steuerung, GUI – alles ist frei wählbar. Auch ein präziserer Robolink-DC-Gelenkarm aus Kunststoff gehört dazu. Das Spiel des neuen Arms wurde durch das Kunststoff-Design weiter reduziert. Dank integrierter Kabelkanäle sind in der neuesten eingehausten Generation die Leitungen innen geführt.

Für beinah alle führenden Roboterhersteller

Die speziellen Chainflex-Leitungen CFSpecial.792 für 7-Achs-Roboter sind so entwickelt und gefertigt, dass das Unternehmen – wie auf sämtliche Chainflex-Leitungen – eine Garantie von 36 Monaten gewährleistet. Dies ist möglich, da die Kabel vorab im 2.750 Quadratmeter großen firmeneigenen Labor intensiven Tests unterzogen und bis zum bestmöglichen Level optimiert und auf die Bewegung in E-Ketten entwickelt wurden.

Für beinahe alle führenden Roboterhersteller, darunter Kuka und ABB, stehen die E-Ketten-Leitungen der Serie als Meterware ab Lager zur Verfügung. Ob zur Selbstkonfektionierung, ohne Steckerverbindung oder mit passendem Stecker fix und fertig in Wunschlänge konfektioniert – kein anderer Anbieter könne so eine Auswahl direkt ab Lager bieten, so Igus. Neben den 7-Achs-Roboterleitungen für lange Verfahrwege an Kuka- und ABB-Robotern, die erfolgreich im Feld Korkenzieher und andere Ausfälle in Produktionsstraßen verhindern, erweitert Igus sein Programm. »Korkenzieher« bezeichnet in diesem Falle kein nützliches Instrument für Weinliebhaber, sondern die dauerhafte Verformung einer geführten, bewegten Leitung infolge zu hoher Beanspruchung – was meist kurz danach zum Adernbruch führt.

Ab sofort können auch Chainflex-Leitungen geordert werden, die speziell für 7-Achs-Fanuc-Roboter ausgelegt sind. »Die besonderen Motor-, Leistungs- und Daten-PUR-Hybridleitungen der Serie CFSpecial.792 entsprechen den elektrischen und technischen Anforderungen der Roboterhersteller«, erklärt Rainer Rössel, Leiter des Geschäftsbereichs Chainflex-Leitungen bei Igus. »Sie erfüllen die wichtigen mechanischen Anforderungen für hochdynamische Anwendungen in langen, gleitenden Verfahrwegen von Fertigungsanlagen, die von den zurzeit am Markt erhältlichen Leitungen nicht sichergestellt werden können.«

Hannover Messe: Halle 16, Stand A18 und Halle 17, Stand H04

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 70 bis 71