ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Service ist das A und O

Service ist das A und O

Fertigungsautomation

HENRIK RYEGARD - Er ist seit 1994 bei ABB in verschiedenen Funktionen tätig, leitete zuletzt den Service der Business Unit Robotics der ABB Automation GmbH und führt seit Juni letzten Jahres die gesamte Einheit. Hier sagt Ryegard, wie er die Business Unit Robotics weiterentwickeln will.

01. Oktober 2013
ANZEIGE

Offensichtlich haben die Verantwortlichen mir das Vertrauen geschenkt, weil ich über eine langjährige Erfahrung in der Robotik verfüge und Märkte und Kunden gut kenne. Ich habe meine Laufbahn bei ABB in Västerås, Schweden, bereits im Jahr 1994 als Softwareentwickler begonnen und war dort später im Vertrieb als Leiter Automobilprojekte tätig. Danach bin ich als Local Division Manager Robotics in die Benelux-Staaten gewechselt, und habe 2011 den Servicebereich in Friedberg übernommen.

Ihr Vorgänger, Heinz Gerteiser, hat fast zehn Jahre lang diesen Bereich geprägt. Mit welchen Zielen haben Sie dessen Nachfolge angetreten und welche Ziele haben die Konzern-Verantwortlichen Ihnen auf den Weg gegeben?

ANZEIGE

Nun, es gibt ganz klare Vorgaben hinsichtlich unserer Wachstumsziele; global wie regional. Und ich habe mit allen meinen Mitarbeitern dafür zu sorgen, diese Ziele zu erreichen. Die Organisation und Struktur dafür ist vorhanden, aber man kann immer effizienter werden.

Meine persönlichen Ziele sind es, unsere Kundenbasis zu erweitern, und zwar sowohl in den Branchen, in denen wir traditionell sehr stark sind als auch in Branchen, in denen wir noch viel Potenzial sehen wie beispielsweise in der Consumer Industry. Und ich möchte den Servicebereich weiter ausbauen.

Wo sehen Sie für Ihre Business Unit Wachstumspotenziale?

Neben den oben genannten Potenzialen beispielsweise auch im Systemgeschäft. Hier sehen wir mittel- und langfristig deutlichen Bedarf an hochstandardisierten applikationsspezifischen Roboterzellen in ausgewählten Branchen.

Heinz Gerteiser hat mir in einem Interview – befragt nach seinem Führungsverständnis – gesagt, er sei ein Teamplayer. Welcher Führungstyp sind Sie, Herr Ryegard?

Ich bin da mit Heinz Gerteiser auf einer Linie: Gerade global agierende Unternehmen brauchen bei allen strategischen Entscheidungen keine Einzelkämpfer, sondern einen Konsens. Insofern ist es mir sehr wichtig, dass beispielsweise alle an einem Projekt Beteiligten miteinander reden und zusammenarbeiten, um die bestmögliche Lösung zu finden und gemeinsam zu tragen. Das ist für das große Ganze effektiver, als wenn jeder seine eigenen Ziele verfolgt. Gut, es bleibt nicht aus, dass ich manchmal auch Entscheidungen allein treffen muss. Das geschieht aber immer, um Projekten einen neuen Anstoß zu geben beziehungsweise um sie wieder auf die erklärten Ziele hin auszurichten.

Wie sieht Ihr normaler Tagesablauf aus?

Normal gibt es nicht. Jeder Arbeitstag hat andere Inhalte, aber ich schlafe erfreulicherweise zumindest öfter zuhause als in meinen früheren Positionen. Natürlich bin ich hier vor Ort mit einigen organisatorischen Dingen beschäftigt. Dazu kommen zahlreiche Besuche bei unseren Kunden, Partnerunternehmen oder auch Lieferanten. Und selbstverständlich stimme ich mich auch mit meinen Kollegen in der globalen Organisation ab, führe Gespräche in und mit unseren Fertigungswerken und so weiter. Sie sehen also, meine Themen sind äußerst vielfältig.

Wie schwierig ist es gegenwärtig, die vorgegebenen Wachstumsziele zu erreichen oder anders gefragt: Wie geht es der ABB Division Industrieautomation und Antriebe wirtschaftlich?

Ich denke, momentan läuft es für die gesamte Robotik sehr gut, das gilt auch für uns. In den ersten beiden Quartalen dieses Jahres haben wir –auch dank einer ganzen Reihe von Großaufträgen aus der Automobil-Industrie – unseren Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich steigern können, auch der Umsatz im Servicegeschäft ist gestiegen. Das ist gut und wir hoffen natürlich, dass es genauso weitergeht. Aber mit Sicherheit kann das natürlich niemand sagen. Bei Motoren und Antrieben ist der Markt auch stabil. Wir haben in diesem Bereich anspruchsvolle Wachstumsziele. Wir sind aber auch hier gut aufgestellt und haben die richtigen Maßnahmen zum Erreichen unserer Ziele gestartet.

ABB wird trotz aller Bemühungen am Markt immer noch als reiner Lieferant von Robotern inklusive Steuerungen wahrgenommen. Wollen Sie dieses Bild ändern und wenn ja – wie?

Ihrer Einschätzung stimme ich nur teilweise zu. Unsere Kunden bestätigen uns in Umfragen regelmäßig ein besonders umfassendes Prozess- und Anwendungs-Know-how und kennen und kaufen nicht zuletzt deswegen auch die Produkte, in deren Entwicklung dieses Know-how eingeflossen ist. Es gibt beispielsweise eine ganze Reihe integrierter Lösungen, die weit über Roboter und Steuerungen hinausgehen, beispielsweise in der Lackiertechnik, im Power Train Assembly, im Rohbau und in vielen weiteren Applikationen. Und die Welt der ABB ist ja noch viel größer. Innerhalb der Division Industrieautomation und Antriebe finden sich unterschiedlichste Produkte, Systeme und Services für zahlreiche Automationsanwendungen.

Service-Thema »Fernwartung«. Seit Jahren wortstark angepriesen, in der Praxis jedoch selten genutzt. Täuscht der Eindruck?

Ja und nein. Die Möglichkeit zur Fernwartung von Robotern und ganzen Anlagen war dem Bedarf zunächst weit voraus. Da war noch Pionierarbeit zu leisten. Das Thema Condition Monitoring kam ja erst Jahre später auf und auch die Internationalisierung von Fertigungsstandorten war damals für die meisten Kunden weit weg. Erst nach und nach ist mit den gewachsenen Möglichkeiten der Fernwartung auch die Nachfrage nach oben gegangen. Heute liegen die Vorteile klar auf der Hand und lassen sich oftmals konkret in Ausfallzeiten und Euros quantifizieren. Das führt dazu, dass unser Remote-Service-System aktuell gefragter denn je ist, aktuell haben wir mehr als 5.000 Systeme im Einsatz. Wer fände es denn nicht auch wünschenswert, wenn Störungen vorhergesehen und auch verhindert werden können?

Persönlich bin ich der Meinung, dass Remote Service standardmäßig zu jedem unserer Roboter gehören sollte. Service ist das A und O, wenn ein Roboter störungsfrei und ausfallsicher funktionieren soll. Gerade angesichts wachsender Roboterstückzahlen weltweit lässt sich das Thema Service nicht effizient ausschließlich durch Servicetechniker vor Ort lösen. In Deutschland oder in Europa mag das vielleicht noch gehen, aber in Brasilien oder in Asien sieht das schon anders aus. Da braucht man unbedingt die Möglichkeit der komfortablen Fernwartung rund um die Uhr und rund um den Globus.

ABB baut Roboter nicht nur im schwedischen Västerås, sondern seit einigen Jahren auch in China. Welche Erfahrungen hat Ihr Unternehmen inzwischen damit gemacht?

ABB war einer der ersten globalen Player in China, die üblichen Startschwierigkeiten haben wir also schon lange hinter uns. 1994 hat ABB die erste Robotics-Niederlassung dort eröffnet. Produziert wird dort lokal seit 2005, an unserem zweiten Standort in Shanghai seit 2009 für den chinesischen und auch den weiteren asiatischen Raum. Unsere Erfahrungen sind durchweg positiv und wir sind derzeit der führende Hersteller in China. ABB wird dort auch weiterhin die Kapazität steigern, um mit dem Wachstum in diesem schnell expandierenden Markt Schritt zu halten. Die frühzeitige Entscheidung von ABB zu Investitionen in China in die Bereiche Engineering, Fertigung und F&E war ein wichtiger Teil unseres Erfolges in diesem Markt. Zukünftig werden wir davon profitieren und unsere Führungsposition auf diesem investitionsfreudigen Wachstumsmarkt für flexible Automation festigen.

In China werden mittelfristig neue Roboterhersteller entstehen. Foxconn beispielsweise überrascht immer wieder mit sehr markigen Äußerungen, wie etwa, Roboter selbst zu bauen. Wächst hier den arrivierten Roboterherstellern in Japan und Europa respektive Deutschland eine ernsthafte Konkurrenz heran und wie bereitet sich Ihr Haus auf neue Marktbegleiter aus China vor?

Wir bereiten uns nicht anders vor, als wir es in der Vergangenheit getan haben: Starke Investitionen in Forschung und Entwicklung, zuhören was die Kundenanforderungen sind, Marktanforderungen mit innovativen Technologien kombinieren und geographisch nah an unseren Kunden sein, so dass wir sie jetzt und zukünftig optimal unterstützen können. Die chinesische Regierung hob die Bedeutung der Entwicklung der Automatisierung und insbesondere der Robotik als Teil ihres Fünf-Jahres-Plans hervor. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass sich hier in puncto neuer Roboterhersteller in China etwas tun wird. Die Vorteile in Bezug auf die Qualität des Endprodukts und die Gesamt-Produktivität durch flexible Roboterlösungen, die Roboterautomation in ein Land bringen kann, sind heute auf dem chinesischen Markt viel stärker akzeptiert als noch vor ein paar Jahren.

Erschienen in Ausgabe: 06/2013