Sensor auch fürs Finanzielle

Sensorik - Trends in der Sensortechnik umfassen nicht mehr nur technische sondern zunehmend auch kommerzielle Aspekte. Neben Kamerasensoren oder dezentralen Lösungen geben branchenorientierte Solution Center wichtige finanzielle Impulse.

11. Dezember 2007

Kamerasysteme sind im Kommen: In der Sensortechnik setzen Unternehmen vermehrt auf Bildverarbeitung basierende Sensoren und Systemlösungen ein. Dies gilt vor allem für Kamerasensoren, bei denen Beleuchtung, Optik und Auswertung in ein Gerät integriert und mit einer gemeinsamen Bedienoberfläche ausgestattet sind. Diese Merkmalskombination ist ideal für OEM wie auch für Endanwender, weil sie Installations-, Einstell- und Wartungsarbeiten zumeist in eigener Regie durchführen können und nicht jedes Mal auf die Unterstützung durch externe Bildverarbeitungsspezialisten angewiesen sind.

Einer der Hauptakteure auf dem Gebiet der Sensorik ist die Sick AG aus Waldkirch, die auch Kamerasensoren im Programm hat: Der Colour Vision Sensor CVS zum Beispiel erfasst Farben nicht nur punktuell, sondern auch in der Fläche, und das Kamerasystem Ranger bringt die Bildverarbeitung mit seinen Multiscan- und Scatter-Funktionen auf den Weg von einer Inspektions- zur Analysetechnologie. In der industriellen Sicherheitstechnik ist das V4000 PB die erste zugelassene, berührungslos wirkende Schutzeinrichtung auf Basis von Bildverarbeitung. Sie überwacht gefahrbringende Bereiche bei Abkantpressen durch eine Kamera und wertet das an die Biegeaufgabe angepasste Schutzvolumen flexibel aus. Sender und Empfänger im Visionsensor V300 WS sind in einem dreieckigen Gehäuse integriert, was eine geschützte und ergonomische Montage ermöglicht.

In der Identifikationstechnik sind Handscanner in der Lage, 2D-Codes in DPM-Technik auf Automobilkomponenten, Leiterkarten-Mehrfachnutzen, Laborproben oder Drucksachen in alle Richtungen zu lesen. Stationäre Kamera-Lesesysteme kommen in Distributionszentren zum Einsatz und sorgen dort für die High-Speed-Zielsteuerung von Kartons, Paketen und Boxen.

Dezentrale Lösungen

Ein weiterer Trend ist die zunehmende Dezentralisierung von Intelligenz in der Automatisierung. So kann der Anwender über IO-Link Lichttaster, Lichtgitter oder magnetische Zylindersensoren durch ein einziges Automatisierungssystem ansprechen und vielfältige Informationen aus der Ferne abfragen. In der Identifikationstechnik ist die Dezentralisierung der Intelligenz im Bereich der 2D-Codes sowie der RFID-Technologie zu finden. In beiden Fällen sind große Datenmengen direkt am gekennzeichneten Objekt verfügbar und können sogar dezentral aktualisiert werden.

In der Sicherheitstechnik verfolgt Sick mit Sens:Control das Ziel, neue Technologien durch die Verlagerung der Intelligenz in die Sensoren und Steuerungen beherrschbar zu machen. Eine Kombination aus Visionsensor und Kleinsteuerung zeigt, wie sich komplexere Konfigurationen ohne immer mehr Software und Programmieraufwand realisieren lassen, weil beide Komponenten über dezentrale Intelligenz verfügen.

Um Technologien und Konzepte im Markt zu etablieren, ist es wichtig, sie mit Blick auf mögliche Applikationen und Umgebungsbedingungen hin zu konzipieren. Um hier die Reibungsverluste zwischen Vertrieb und Produktmanagement zu minimieren und für eine möglichst kurze Time to Market, hat Sick für zentrale Branchen sogenannte Solution Center eingerichtet. Diese Organisationseinheiten integrieren das Anwendungs-Know-how einerseits und die Produkttechnologien andererseits.

Sensoren für alle Fälle

Materialbeständige Sensoren in Schutzart IP 69K eignen sich für den rauen Einsatz im Bereich Food and Beverage, Cold-Store-Sicherheitssensoren für die Zugangs- und Bereichsabsicherung in Tiefkühl-Hochregallagern. Es gibt kombinierte Identifikations- und Volumenerfassungssysteme für Kurier-, Express- und Paketzentren, verschmutzungsunempfindliche Sicherheitslichtvorhänge für die Holz verarbeitende Industrie, Positionierantriebe unterschiedlicher Dimensionierungen für die automatische Formatverstellung in Verpackungsanlagen, oder das V300 WS zur Absicherung von Arbeitsstationen in der Elektronikindustrie. In diesen und zahlreichen anderen Fällen haben die branchentypischen Einsatzbedingungen wesentlichen Einfluss auf die Funktion und Verfügbarkeit der Systemlösungen.

Reichweite, Schaltfolge, IO-Link, Sicherheitskategorie, Leseleistung ? technische Merkmale sind wichtige Entscheidungskriterien bei der Auswahl von Sensoren und Herstellern. Der sensorische Grundnutzen allerdings wird immer stärker ergänzt durch nicht-technische Faktoren.

Eine Vorreiterrolle kommt hier der Automobilindustrie zu. Egal wie die Anwendung aussieht, Sensor oder Steuerung sind immer nur derjenige Teil der Gesamtlösung, der die Grundfunktion abdeckt und den Basisnutzen liefert. Sick berücksichtigt in ihren Konzepten aber auch weitere Aspekte wie Projektbegleitung, Lieferung aus einer Hand, weltweite und kurzfristige Verfügbarkeit von Produkten und Know-how, Konformität zu Gesetzen und Normen, Schulung oder After Sales Services. So möchte das Unternehmen echten Kundennutzen stiften, die Total Cost of Ownership minimieren und so letztlich die Verfügbarkeit von Maschinen und Anlagen optimieren.

Hier schließt sich der Kreis zur unternehmensinternen Organisation, denn durch das weltweit agierende Branchenmanagement Automotive kennt Sick die Anforderungen der Automobilindustrie an Sensor- und Steuerungssysteme und Service.

Dirk S. Heyden/mk

Erschienen in Ausgabe: Wer macht was?/2008