Sechs Fragen an ...Mario Ohoven

Seine Frau ist Unesco-Sonderbotschafterin, er mit mehreren Gesellschafterposten ein Workaholic und engagiert sich auch noch als Präsident des BVMW für den deutschen Mittelstand.

23. November 2004
Bild 1: Sechs Fragen an ...Mario Ohoven
Bild 1: Sechs Fragen an ...Mario Ohoven

1| In Ihrem Kommentar zur Studie »Investitionen im Ausland« sprechen Sie vom »überregulierten Arbeitsmarkt und der Kostensituation« in Deutschland, die den Mittelstand vermehrt ins Ausland treiben. Was heißt das konkret?

Der deutsche Arbeitsmarkt ist in Phasen des Aufschwungs in ein Tarifkorsett gezwängt worden, das ihm jetzt in schwieriger Zeit kaum noch Luft zum Atmen läßt. Die deutsche Industrie muß die mit weitem Abstand höchsten Lohnstückkosten im internationalen Vergleich schultern. Das schreckt jeden Investor ab. Erst recht, wenn er im grenznahen Ausland - etwa in Tschechien oder Polen - zu einem Fünftel der Lohnkosten produzieren kann und obendrein ein Drittel weniger Steuern zahlen muß.

2| Welche wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um dieser Entwicklung überhaupt noch entgegenwirken zu können?

Nur durch sinkende Unternehmenssteuern hierzulande, den Abbau tarifl icher Zwänge zu Gunsten von betrieblichen Bündnissen und durch die konsequente Senkung der ausufernden Lohnnebenkosten können wir die Situation unserer mittelständischen Unternehmen verbessern. So ließe sich verhindern, daß immer mehr Betriebe aus ökonomischen Zwängen ihre Produktion ins Ausland verlagern.

3| Investitionen im Ausland sind notwendig, bedeuten aber in aller Regel den Abbau von Arbeitsplätzen hierzulande.

Das Engagement deutscher Mittelständler im Ausland muß nicht zwingend mit dem Abbau von Arbeitsplätzen im Inland verbunden sein. Diese These gilt vor allem für einfache Tätigkeiten, etwa in der Produktion. Wenn aber eine deutsche Firma im Ausland günstig produzieren und dadurch ihren Umsatz steigern kann oder um den dortigen Markt zu erschließen und so die eigene Position im globalen Wettbewerb zu stärken, entstehen mittelfristig sogar neue Arbeitsplätze in Vertrieb und Verwaltung am Stammsitz des Unternehmens. Die Wertschöpfung fi ndet in Deutschland statt.

4| Droht nicht aber Know-how-Verlust, wenn auch F & E-Aktivitäten verlagert werden?

Absolut ja. Forschung und Entwicklung sind das einzige Zukunftspotential, das wir in Deutschland haben. Unsere Hochschullandschaft und unsere Forschungsinstitute sind - noch - beispielhaft und berühmt in aller Welt. Der Export von Know-how ist allerdings eine zwangsläufi ge Folge der internationalen Arbeitsteilung und läßt sich nicht aufhalten. Um so mehr kommt es darauf an, daß wir in Deutschland den technologischen Vorsprung jeden Tag neu ausbauen. Auch die Politik ist hier gefordert: Sie muß ganz gezielt Bildung und Forschung fördern und den Wissenstransfer in die Unternehmen forcieren.

5| Was muß geschehen, damit sich ausländische Investoren in Deutschland ansiedeln?

Lohnstückkosten und Produktivität müssen sich wieder auf einander zu bewegen - oder anders gesagt: Der Faktor Arbeit muß billiger werden. Darüber hinaus brauchen wir eine investitionsfreundliche Steuerpolitik. Und die tarifliche Zwangsjacke muß spürbar gelockert werden.

6 | Was leistet der Bundesverband mittelständische Wirtschaft, damit solche Investitionen um Deutschland keinen Bogen machen?

Der BVMW legt nicht nur unablässig seinen Finger in die wirtschaftspolitischen Wunden, sondern weist auch Lösungswege auf, die in der Politik starke Beachtung finden. Mit Vorschlägen zum Bürokratieabbau oder zur Vereinfachung unseres Steuersystems, um nur zwei der zahlreichen Felder zu nennen, tragen wir dazu bei, ein investorenfreundliches Klima in Deutschland voranzubringen.

Erschienen in Ausgabe: 05/2004