Sechs Fragen an ... Hartmut Rauen

Als Geschäftsführer der Fachverbände Antriebstechnik und Fluidtechnik im VDMA sowie der Forschungsvereinigung Antriebstechnik ist Hartmut Rauen prädestiniert, wenn es um fundierte Informationen zum Thema Energieeffizienz geht.

17. Oktober 2007

1. Herr Rauen, welche Applikation ist Ihrer Meinung besonders geeignet, Energie einzusparen?

Der Kunde kauft kein singulär kosten-, lebensdauer-, energieverbrauchs- oder geräuschoptimiertes Produkt, er kauft einen optimalen Mix der einzelnen Produktparameter. Entscheidend sind hierbei die Einsatzbedingungen. Überall dort, wo relevante Massen beschleunigt und gebremst werden, prüfen die Entwickler Faktoren wie Leichtbau und Energierückgewinnung und versuchen, große Verluste zu vermeiden und Reibungen zu minimieren. Dies gilt neben der klassischen mechanischen Antriebstechnik auch für Pneumatik und Hydraulik, und selbst in scheinbar vollendeten Produkten wie Wälzlagern gibt es immer noch Potenziale der Verbesserung.

2. Mit welchen technischen Maßnahmen lässt sich dies umsetzen?

Mit dem Übergang zu mechatronischen Systemen und einer intelligenten Aktuatorik, die es durch eine vernünftige Steuerungs- und Regelungstechnik erlaubt, Prozesse energieoptimaler zu gestalten, ist wohl am meisten zu holen. Dies zeigen intelligente hydraulische Achsregelungen genauso wie die dezentrale Antriebstechnik bei Getriebemotoren. Aber auch Klassiker wie Reibungsminimierung oder moderne Beschichtungstechnologien führen zu beachtlichen Erfolgen.

3. Haben die Entwickler ausreichend Ansatzpunkte, um die Produkte in Zukunft technisch noch weiter zu optimieren?

An Ideen zur verbesserten Energieeffizienz mangelt es überhaupt nicht. Die Herausforderung liegt eher auf der Realisierung kostengünstiger, verkaufbarer Verbesserungen. Kunden müssen den technologischen Mehraufwand auch zahlen können.

4. Auf vielen Messen ist die Energieeffizienz ein oft gehörtes Schlagwort, es dient häufig als Marketingargument. Ist dieser Hype gerechtfertigt?

Für unsere deutsche Ingenieurkultur ist es eine gute Maxime, im Bereich der Energieeffizienz an erster Stelle zu stehen. Und es soll nicht überheblich klingen, wenn ich behaupte, dass gerade deutsche Unternehmen aufgrund ihrer System- und Applikationskompetenz in der Lage sind, dies im Sinne einer kundenorientierten Lösung umzusetzen. Wenn die Energiekosten weiter steigen, rechnet sich der Trend zu energieeffizienten Technologien, zudem wird es Vorgaben der Politik geben.

5. Wie sieht der VDMA als Verband diese Entwicklung?

Unser Weg ist es klar zu machen, dass wir alle Anforderungen von Politik, Gesellschaft und Kunden letztendlich immer nur in einem Produkt integrieren können. Die sichere Maschine, die geräuscharme, die energiesparende, die recyclingfähige, die bedienungsfreundliche, die kostenoptimale - all dies ist immer dieselbe Maschine, die es zu optimieren gilt. Von daher argumentieren wir nicht einäugig auf der Energieeffizienzschiene, sondern stellen das TCM in den Vordergrund und nehmen das Thema Energieeffizienz in die Bewertung mit. Daher halten wir auch nicht viel von Top-down-Vorgaben der Politik zum Product Labeling einzelner Parameter, sondern erachten es in einer globalen Wirtschaft für zielführend, selbststeuernde Mechanismen zu forcieren.

6. Wie kann der Verband die Steigerung der Energieeffizienz vorantreiben? Gibt es spezielle Programme für die Mitgliedsunternehmen?

Als Verband spielen wir die gesamte Klaviatur. Wir initiieren Forschungsprojekte, gestalten Forschungsprogramme zum Themenschwerpunkt Energieeffizienz mit und sensibilisieren Kunden und Märkte, dass TCO und Energieeffizienz zusammenhängende Themen sind. Wir werden diese Linie der aufklärenden Information und Erarbeitung von Lösungen weiter beschreiten.

Erschienen in Ausgabe: 05/2007