»Roboter schlagen Menschen«

»2050 soll eine Robotermannschaft den dann amtierenden Fußballweltmeister schlagen.« Stefan Czarnetzki

03. April 2008

Die EM steht vor der Tür, Deutschland erwartet einen ähnlichen Hype wie vor zwei Jahren bei der WM im eigenen Land. Dann stehen die Spieler der deutschen Nationalmannschaft wieder im Mittelpunkt. Noch sind Menschen aus Fleisch und Blut wie Ballack, Schneider, Klose und Co. die Stars. Im Jahr 2050 kann das ganz anders aussehen. Wir haben uns vorgenommen, bis dahin eine Robotermannschaft aufzustellen, die den dann amtierenden Fußballweltmeister schlagen soll. Das Vorhaben klingt sehr vollmundig und für viele absurd, tatsächlich ist diese provozierende Aussage auch eher Mittel zum Zweck: Wir wollen die Menschen neugierig machen auf die Weltmeisterschaft für Robotermannschaften, den sogenannten Robocup. Das klappt auch sehr gut, wir freuen uns über die mittlerweile erreichte Bekanntheit des Wettbewerbs, der als Forschungsförderung initiiert ist und auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt wird.

Die meisten sehen in kickenden Robotern wohl eher einen verrückten Gag von Leuten, die nichts Sinnvolles zu tun haben. Hinter dem Robocup steht aber eine konkrete wissenschaftliche Absicht: Wir wollen Systeme mit künstlicher Intelligenz entwickeln, die autonom mit schwierigen Situationen und Problemstellungen zurechtkommen und gemeinsam mit Menschen agieren können. Angefangen hat alles mit der Entwicklung von Schachprogrammen. Als einfaches, regelbasiertes Spiel erwies sich Schach aber schnell als zu simpel, denn auf eine Aktion können jeweils nur wenige sinnvolle Reaktionen folgen, die ein Computer eindeutig berechnen kann. Als Konsequenz sind wir Forscher einen Schritt weiter gegangen und haben damit begonnen, künstliche Intelligenz in einem dynamischen Umfeld zu erproben. So ist man schließlich beim Fußball gelandet, denn diesen Sport kennt jeder und er kann deshalb dazu beitragen, die Bekanntheit der Roboterwettkämpfe zu steigern. Das Institut für Roboterforschung der Technischen Universität in Dortmund nimmt seit fünf Jahren selbst als Team am Robocup teil. Im Jahr 2005 sind wir in Japan sogar Weltmeister in der Kategorie der Four-Legged-Roboter geworden. Auch beim diesjährigen Robocup in Atlanta gingen mehrere Titel in den Seniorund Junior-Ligen nach Deutschland. Dies zeigt, dass Roboterfußball bereits viele Schichten der Bevölkerung erreicht hat. Und wie versprochen erfolgt der Durchbruch spätestens 2050. Bis dahin ist Roboterfußball Grundlagenforschung, deren Erkenntnisse und Methoden allerdings schon in anderen Bereichen Anwendung finden. Der Robocup schlägt die Brücke zur Service-Robotik und Katastrophenrettung durch Robocup@Home und die Rescue-Liga; andere Anwendungsfelder sind Fahrassistenzsysteme oder industrielle Aufgaben.

So werden in Dortmund mit denselben Verfahren Schaufeltrajektorien von Hydraulikbaggern optimiert, mit denen die vierbeinigen Roboter laufen lernten, und Lokalisierungsalgorithmen fanden ihren Weg vom Spielfeld zu Gabelstaplern in Werkshallen. Verschiedene Prozesse lassen sich letztlich nur durch intelligentes, teil-autonomes Agieren weiter automatisieren, und genau hier trifft die Forschung auf die industrielle Anwendung.

Stefan Czarnetzki

Wissenschaftlicher Mitartbeiter

Erschienen in Ausgabe: 02/2008