Plus zwei Prozent Wachstumsprognose

VDMA: Neue Technologien und Innovationen führen zu weiterem Wachstum im deutschen Maschinenbau

24. April 2013

„Trotz aller Unsicherheiten bestätigen wir unsere Wachstumsprognose für 2013 von plus zwei Prozent“, erklärte VDMA-Hauptgeschäftsführer Dr. Hannes Hesse auf der Pressekonferenz des Verbandes anlässlich der Hannover Messe 2013. „Beim Auftragseingang bewegen wir uns momentan eher in einer Seitwärtsbewegung. Das Ifo-Geschäftsklima sowie die bessere Stimmung in den Kundenländern weltweit deuten auf eine Belebung der Geschäftstätigkeit hin. Wir setzen auch wieder auf die Hannover Messe als positives, weiteres Konjunktursignal“, sagte Hesse.

Mit einem realen Produktionswachstum von 1,3 Prozent für 2012 haben die Maschinen- und Anlagenbauer einen Umsatzwert von 207 Milliarden Euro erwirtschaftet und damit das Rekordniveau des Jahres 2008 (208 Milliarden Euro) fast wieder erreicht. Mit 978.000 Beschäftigten im Dezember 2012 bleibt der Maschinenbau größter industrieller Arbeitgeber. Die Beschäftigung im Maschinen- und Anlagenbau nahm im Jahresverlauf 2012 um rund 30.000 Stellen zu. „Da kann man nur sagen: Von wegen ‚die Agenda 2010 hat nur zu prekären Nebenjobs geführt‘. Sie wirkt heute noch“, so Hesse. Die Kapazitätsauslastung lag im Jahresdurchschnitt bei 86,4 Prozent (2011: 88,7 Prozent).

Von der Importzunahme um nominal 4,1 Prozent auf 56,2 Milliarden Euro profitierten 2012 die europäischen Partner leicht überproportional: „Die Maschineneinfuhren aus den Euro-Ländern stiegen um 7,7 Prozent, ein eindrucksvolles Beispiel für den Zugpferdcharakter des deutschen Maschinenbaus“, sagte der VDMA-Hauptgeschäftsführer. Größtes Lieferland 2012 war Italien, gefolgt von der Schweiz. Möglicherweise historisch ist der Platztausch auf den Rängen 5 und 6 der Rangliste, wo China Japan verdrängte. China steht jetzt für 6,8 und Japan für 6,7 Prozent Anteil an den deutschen Maschinenimporten.

„Trotz Rückgang des China-Geschäftes zeigt der Export wegen des starken US-Geschäftes ein nominales Plus von 5,1 Prozent“, berichtete der VDMA-Hauptgeschäftsführer. Dies reichte, um mit einer absoluten Höhe von 149,4 Milliarden Euro den Vorkrisenstand aus 2008 von 144,8 Milliarden zu übertreffen und einen neuen Exportrekord aufzustellen. Insgesamt verloren die deutschen Maschinenexporteure auf dem chinesischen Markt 9,6 Prozent ihres Ausfuhrvolumens. Im Vergleich dazu wuchs der Maschinenmarkt in den USA mit einem Plus von 14,8 Prozent.

„Das Partnerland Russland war 2012 mit Lieferungen von rund acht Milliarden Euro unser viertgrößter Absatzmarkt – nach China, den USA und Frankreich“, erklärte Hesse. Dies entspricht etwa fünf Prozent der gesamten deutschen Maschinenausfuhr. Die deutschen Anbieter spielen auf dem russischen Markt eine starke Rolle. „22 Prozent aller importierten Maschinen stammen aus Deutschland. Danach folgen in großem Abstand China mit 13 und Italien mit elf Prozent“, so Hesse.

Eine aktuelle VDMA-Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen zum Markt Russland hat ergeben, dass der russische Markt heute überwiegend aus Deutschland heraus bearbeitet wird. Vertrieb und Service werden von der Zentrale gesteuert. „Mittelfristig sehen wir aber starke Tendenzen der Verlagerung der Vertriebs- und Serviceverantwortung nach Russland“, erklärte Hesse. Eine Montage oder Produktion unterhalten bisher nur acht Prozent der an der Befragung beteiligten Unternehmen. Mit Blick auf das Jahr 2015 planen 19 Prozent den Aufbau einer Montage oder Produktion vor Ort. Das Engagement soll also mehr als verdoppelt werden.

Für den Aufbau der Produktion in Russland gibt es vor allem drei entscheidungsrelevante Faktoren, die definitiven Handlungsbedarf haben, berichtete der VDMA-Hauptgeschäftsführer: „Das ist die Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen, die Qualität in der Ausbildung des Personals und die Qualität inländischer Zulieferungen. Hinsichtlich der Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen gibt es auf russischer Seite erheblichen Nachholbedarf. Da könnten wir seit langem sehr viel weiter sein. Es gibt viele Chancen, die wir gemeinsam mit den russischen Partnern in einer Win-win Situation nutzen könnten. Wir sollten uns endlich dazu entschließen, gemeinsam voranzugehen und diese Chance nicht vertun. Vielleicht ergeben sich ja auch entsprechende Signale hier auf der Hannover Messe.“

„Das Thema Rahmenbedingungen ist auch ein Thema in Deutschland“, betonte Hesse. „Wir haben im Jahr 2012 in Deutschland einen Industrieanteil von 22,3 Prozent der Bruttowertschöpfung. Ein Fakt um den Deutschland beneidet wird. Nur durch stabile und unternehmens-freundliche Rahmenbedingungen schaffen wir auf Dauer die Grundlagen für Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung.“ Die politischen Wahlkampfforderungen für Steuererhöhungen bzw. Abgaben „sind für diese Entwicklung Gift und damit auch Gift für die Entwicklung der Arbeitsplätze“, so Hesse. Denn gerade die mittelständisch geprägte Maschinenbau-Industrie stehe vor „gewaltigen finanzintensiven Herausforderungen“, betonte der VDMA-Hauptgeschäftsführer. Das Kernthema der Hannover Messe „Integrated Industry“ oder „Industrie 4.0“ zeige den hohen Investitionsbedarf in den nächsten Jahren. Deshalb sei „jeder Eingriff in die Substanz der Unternehmen ein Angriff auf die Stabilität und die Investitionsfähigkeit der Unternehmen. Um es klar zu sagen: Eine grüne Vermögensabgabe oder eine grüne Vermögenssteuer sind Sand im Investitionsgetriebe und damit ein klarer Anschlag auf die Wettbewerbsfähigkeit und die langfristige Stabilität der Arbeitsplätze. Dies sollte jeder wissen, der von einer zusätzlichen Belastung der starken Schultern redet. Man sollte die starken Schultern lieber verwenden, den Karren nach vorne zu ziehen, statt ihnen durch einen massiven Aderlass die Kraft zum Ziehen zu nehmen“, sagte Hesse.

Handlungsbedarf gebe es auch beim Thema Energiewende. „Wir müssen es schaffen, dass Kraftwerk mit Brennstoffkosten, Kraftwerke ohne Brennstoffkosten, insbesondere die Sonnen- und Windkraftwerke, in einem neuen Strommarktdesign systemisch miteinander verknüpft werden. Wir müssen Möglichkeiten finden, dass innerhalb der Technologieketten im Industriestandort Deutschlands wettbewerbsfähig produziert werden kann“, forderte der VDMA-Hauptgeschäftsführer. Die Tatsache, dass die erneuerbaren Energien den Börsenstrompreis senken und gleichzeitig die EEG-Umlage für den Verbraucher steigt, sei absolut widersinnig. „Wir bräuchten eigentlich Lösungen und zwar schnelle. Was wir aber erleben, sind im politischen Wahlkampf öffentlichkeitswirksame Schnellschüsse, die durchdachte Lösungen überdecken.“ Fatal waren – aus Sicht des VDMA - insbesondere die mehr als merkwürdigen Strompreisvorschläge, die zum Teil in bestehende Investitionen eingreifen wollten bzw. massiv in laufende, meist abgeschlossene Projekte eingreifen können. „So ganz klar ist noch immer nicht, was passiert. Aber eines ist klar: Wer in Projekte eingreift, bei denen das sogenannte finanzielle „closing“ schon vorbei ist, der zerstört Investitionskonzepte, weil die Finanzierungsbasis nicht mehr existiert. Letztlich wird alleine der Verdacht der Unzuverlässigkeit der politischen Rahmenbedingungen zum Stopp für laufende oder in Planung befindliche Projekte führen. Wir müssen aber auch sehen, es geht um viel mehr als den Energiesektor. Diese Eingriffe wären ein Präzedenzfall, generell für die Investitionssicherheit im Standort Deutschland. Das betrifft nicht nur die deutsche Industrie, sondern auch die ausländische Investoren – ein ganz schlechtes Signal“, so Hesse.

Eine aktuelle Studie des VDMA zum „Know-how-Schutz im Maschinen- und Anlagenbau“ hat ergeben, dass siebzig Prozent der befragten Unternehmen ihre Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse, das Know-how um Prozesse, Produkte, Märkte und Kunden als „akut bedroht“ sehen. Mehr als drei Viertel der Unternehmen sehen die größte Bedrohung in Wettbewerbern, gefolgt von ehemaligen Mitarbeitern (74 Prozent). „Der angenommene Schaden liegt laut Bundesamt für Verfassungsschutz bei ca. 30-60 Milliarden Euro pro Jahr für die deutsche Industrie, das heißt die Dunkelziffer ist riesig“, berichtete Hesse. „Insgesamt muss der VDMA aber unmissverständlich sagen, dass Know-how-Diebstahl ein weitaus größeres Problem zu werden droht als die Produktpiraterie. Es ist umso prekärer, dass 85 Prozent der Unternehmen keine Normen oder Standards kennen, die sie beim Know-how-Schutz unterstützen. Nur sieben Prozent nutzen die IT-Sicherheitsstandards. Dies bedeutet, hier müssen wir als VDMA intensiv tätig werden – und das tun wir bereits hier auf der Hannover Messe.“

Innovationen und neueste Technik nutzen wenig, „wenn uns die Leute ausgehen, die sie entwickeln, aber auch die sie anwenden können“, berichtet der VDMA-Hauptgeschäftsführer. Der drohende Fachkräftemangel sei ein Grund gewesen für die ‚Maschinenhaus-Initiative‘ des VDMA. „Der andere war: Wir zeigen, was es heißt, Verantwortung für junge Menschen zu übernehmen. Andere halten es lieber mit den drei Affen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Und im Ergebnis: Nichts tun. Sollen die jungen Menschen doch weiter durch die Curricula irrlichtern und ihr Studium schlussendlich gegen die Wand fahren. So eine Attitüde ist zynisch, borniert und inakzeptabel. Aber leider zu oft die Realität. Wir im VDMA setzen mit Macht unser Maschinenhaus dagegen: ein Hochschulpreis für gute Lehre und Beratungsprojekte an 32 Hochschulen sind Teil unserer Antwort auf die Misere. Mehr Studienerfolg ist machbar – den Beweis werden wir erbringen“, betonte Hesse.