ERP

Planen auf vielen Ebenen

14.000 Teile aus über 1.100 parallel eingelasteten Fertigungsaufträgen – die Auslastung bei der Haumberger Fertigungstechnik ist hoch. Um die Produktion effizient zu planen und Ressourcen zu optimieren, setzt das Unternehmen auf eine Lösung von Proalpha. Nicht nur dafür ist diese im Einsatz.

21. Februar 2019
Planen auf vielen Ebenen
Ein Mitarbeiter überwacht und steuert das Fräszentrum. (Bild: Robert Alexander Herbst)

Sondermaschinen und Automatisierungslösungen machen rund die Hälfte des Umsatzes der Haumberger Fertigungstechnik aus. Das österreichische Unternehmen entwickelt und fertigt 20 bis 30 derartiger Spezialanlagen pro Jahr, inklusive Steuerungs- und Antriebstechnik sowie Montage vor Ort. Abnehmer sind produzierende Unternehmen aus verschiedensten Branchen wie Automobil-, Elektronik-, Lebensmittel- oder auch Kunststoffindustrie. Die zweite Umsatzhälfte generiert der Maschinenbauer als klassischer Lohnfertiger von hochpräzisen Komponenten und Baugruppen etwa für die Luft- und Raumfahrtindustrie. Hier liegen die Losgrößen zwischen einem und maximal 100 Stück. Die Kunden stammen meist aus Österreich selbst. Da das Produktionsumfeld immer stärker von der Digitalisierung beeinflusst wird, steigen Bedeutung und Auswirkung zuverlässiger und moderner Software. Seit 2008 steuert das Unternehmen seine wichtigsten Abläufe und Prozesse mithilfe der Softwarelösung von Proalpha Business Solutions.

Grundstein für eine vollautomatisierte Produktion

Das System Proalpha ist ein wesentlicher Baustein in der vernetzten Infrastruktur des Maschinenbauers. Damit hat er nicht nur ein skalierbares ERP-System, welches das Unternehmenswachstum unterstützt und die Prozessautomatisierung vorantreibt. Es legt auch den Grundstein für eine voll automatisierte Produktion und dient zugleich als Kernsystem in Richtung »Fabrik der Zukunft« und Industrie 4.0. Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt dabei auf einer intelligenten und optimal abgestimmten Produktion.

Besonders im Fokus steht erstens das Feinplanungstool Advanced Planning & Scheduling. Zweitens wichtig ist der Analyzer, der in unterschiedlichen Abteilungen und Bereichen komplexe Datenabfragen löst. Drittens spielt die Chargenrückverfolgung eine Rolle. Sie gewährleistet die Informationen zur Herkunft und Qualität bis auf die Einzelteil-, respektive Rohmaterialebene. Aktuell fertigt der Maschinenbauer rund 14.000 Teile aus über 1.100 parallel eingelasteten Fertigungsaufträgen. Das Unternehmen ist auf dem besten Weg, diese Zahl weiter zu steigern. Durch die Einzelteil- und Kleinserienfertigung sind die Ausprägungen der Teile sehr unterschiedlich, was die Planungskomplexität erhöht.

Um die zahlreichen individuellen Kundenwünsche berücksichtigen und dabei selbst Einzelstücke rentabel produzieren zu können, setzt Haumberger Fertigungstechnik auf Proalpha Produktion. Dabei spielt das Feinplanungstool Advanced Planning & Scheduling, kurz APS, eine wichtige Rolle. Das Tool steuert den Einsatz von 14 Maschinen und über 30 rückmeldenden Mitarbeitern – immer unter Berücksichtigung der Wunschtermine der Kunden.

Eine Leitrechnersoftware, die über eine Schnittstelle an die ERP-Lösung angebunden ist, empfängt die vom APS geplanten Produktionsaufträge. Die Maschine arbeitet diese ab und meldet Laufzeiten automatisch zurück. Die Zeiten der Mitarbeiter werden ebenso laufend zurückgemeldet. So lassen sich Produktionsdaten in Echtzeit an das Planungstool übergeben, um sie für eine Ressourcenplanung zu nutzen. Darüber hinaus kann der Maschinenbauer damit sowohl Puffer in der Materialbereitstellung als auch Überkapazitäten im Materialbestand oder Übergangszeiten in der Materialbereitstellung minimieren. Teile, die längere Maschinenzeiten erfordern, plant das APS für den Nachtlauf ein, mit einem Minimum an Personal.

Volle Auftragsbücher und hohe Auslastung

»Unsere Auftragsbücher sind voll und die Auslastung ist entsprechend hoch. Ohne APS könnten wir unsere Fertigung weder effizient planen noch den Einsatz unserer Ressourcen optimieren«, sagt Wolfgang Haumberger, Gründer und Geschäftsführer der Haumberger Fertigungstechnik.

Spezifische Fragen sind bei der Haumberger Fertigungstechnik ein Fall für den Proalpha Analyzer. Mit ihm behält das Controlling komplexe Themen im Blick und erkennt versteckte Zusammenhänge. Für den Produktionsbereich werden beispielsweise Ausschuss- und Produktionskosten ins Verhältnis gesetzt. Auch Soll-/Ist-Auswertungen von Aktivitäten oder Rüstanteile gehören zum Portfolio. Darüber hinaus weiß das Controlling genau, wie viel Zeit Mitarbeiter für die Aufträge benötigen. Dies bringt wichtige Aufschlüsse für die Nach- oder Neukalkulation von Folgeaufträgen.

Der Analyzer liefert aber nicht nur die Kennzahlen über die Produktion, sondern beispielsweise auch Deckungsbeiträge aufgesplittet nach den Kostenträgern und Kunden. Die Kennzahlen erhebt der Maschinenbauer monatlich. Darüber hinaus wird der Analyzer auch für Ad-hoc-Auswertungen eingesetzt, um anstehende Entscheidungen mit fundierten Zahlen zu unterlegen. »Durch den Analyzer sind wir sehr flexibel, aber auch sehr präzise in unseren Analysen«, so Manuela Müllner, Leitung Finanz- und Rechnungswesen, bei der Haumberger Fertigungstechnik.

Lieferanten und Chargen stets im Blick

Die Daten zieht sich das Tool direkt aus Proalpha. Betriebswirtschaftliche Angaben hält die ERP-Lösung standardmäßig bereit – andere, wie Rüst-, Lauf- oder Arbeitszeiten, melden entweder die Maschinen automatisch oder Werker übermitteln diese.

»Der Analyzer liefert uns ein aussagekräftiges Reporting, um richtige Entscheidungen treffen zu können. Darüber hinaus erkennen wir sehr früh, wie sich Bereiche entwickeln«, verdeutlicht Müllner. Auch der Einkauf nutzt das Tool und behält anhand von Rücklieferungen beispielsweise Lieferantenbewertungen im Auge. Auf dem Prüfstand stehen dabei deren Zuverlässigkeit, Anteil am Gesamtumsatz oder auch die Anzahl von Reklamationen.

Fehlerhafte Bauteile sind Sand im Getriebe jeder Produktion. Daher muss bei der Haumberger Fertigungstechnik die Chargenrückverfolgung bis auf die Einzelteil- beziehungsweise Rohmaterialebene gewährleistet sein. »Vor allem für Kunden aus dem Automobil- und Luftfahrtbereich kaufen wir meist nur chargengeführte Teile und Rohmaterialien ein«, beschreibt Müllner. Diese bucht der Maschinenbauer direkt auf die Produktionsaufträge und listet sie automatisiert in den Lieferscheinen auf, die er an seine Kunden versendet. So hat er diesen gegenüber den Nachweis erbracht, dass er nur chargengeführte Materialien einsetzt.

»Ohne APS könnten wir unsere Fertigung weder ordentlich planen noch optimieren.«

— Wolfgang Haumberger, Haumberger Fertigungstechnik

Auf Wunsch gehen auch Prüfzeugnisse an die Kunden. Darüber hinaus unterstützt Die ERP-Lösung den Service bei der Bearbeitung von Rücksendungen jeder Art, einschließlich Garantie- und Kulanzfälle. Für chargengeführte Produkte stellt das System die vollständige Rückverfolgung der Chargenherkunft und -verwendung sicher – ebenso für Artikel mit Seriennummer. »Durch die Chargenrückverfolgung haben wir weniger Fragen als früher«, skizziert Müllner die aktuelle Situation. »Unsere Kunden sind sehr zufrieden damit, dass sie alle nötigen Informationen zur Herkunft und zur Qualität an die Hand bekommen«, schließt die Leitung Finanz- und Rechnungswesen ab.

Erschienen in Ausgabe: 01/2019