Paul E. Schall

Finale

Der Gründer der Motek greift immer wieder aktuelle Trends und Themen auf und bringt, wie mit der Sonderschau »Medical Technology Network«, Anbieter und Anwender zusammen.

26. September 2011

1. Herr Schall, die wirtschaftliche Situation in der Automatisierungsbranche spielt der mittlerweile 30. Motek voll in die Karten. Welche Impulse erwarten Sie sich dadurch von der diesjährigen Veranstaltung?

Das mit der aktuell offensichtlich komfortablen wirtschaftlichen Situation sehe ich für die Motek-Branchen etwas anders. Denn die Hersteller und deren Zulieferer müssen in Zeiten der globalisierten Produktion und verschärften Wettbewerbs erst recht automatisieren, wollen sie auf Dauer konkurrenzfähig bleiben. Davon profitieren unsere Aussteller zu jeder Zeit. Zumal auch die ausländischen Hersteller begriffen haben, dass sie nur mit Qualitätsprodukten eine Chance haben und dafür verstärkt in Montage- und Handhabungstechnik investieren müssen. Mit der zunehmenden Miniaturisierung und dem Leichtbau ergeben sich für die Anwender neue produktions- und montage- sowie vor allem füge- und verbindungstechnische Herausforderungen und dafür werden zur Motek 2011 entsprechend innovative Lösungen geboten.

2. In welchen Themenbereichen gab es signifikante Veränderungen?

Miniaturisierung, Mikrosystemtechnik, Automatisierung im Detail und in Systemen, dazu die Bestrebungen um mehr Effizienz und Ressourcenschonung durch Materialeinsparung – selten gab es so viele Herausforderungen auf einmal zu bewältigen. Rechnet man noch die aufstrebenden Märkte wie Solartechnik und Photovoltaik, Medizintechnik und eben Mechatronik hinzu, dann sind speziell in diesen Bereichen deutliche Zuwächse bezüglich Angeboten und damit auch an Ausstellern und Ausstellungsflächen zu verzeichnen. Außerdem sehen wir eine erneute Zunahme hinsichtlich des Angebots an Linearmodulen und solchen mit elektrischen Antrieben, womit manche Hersteller auf die verstärkten Wünsche der Anwender nach niedrigem Energieverbrauch und höherer Anwendungs- oder auch Nutzungsflexibilität eingehen.

3. Welche generellen technologischen Trends zeichnen sich Ihrer Meinung nach bei den Exponaten und Automatisierungslösungen ab, die in Stuttgart gezeigt werden?

Wie eben erwähnt, gibt es zwei Haupttrends, wobei ich eigentlich nicht von Trends sprechen will: Da ist zum einen die fortschreitende Miniaturisierung bei gleichzeitiger Steigerung der Funktionsintegration. Zum anderen die stärkere Elektrifizierung bei allen Bewegungs- und Prozesseinheiten. Die Anwender setzen dabei sowohl auf die pragmatische Automation einzelner Prozessfunktionen als auch auf die Maximal-Automation für eine hohe Flexibilität bei größtmöglicher Produktivität. Mit der Elektrifizierung einzelner oder übergreifender Funktionen durch elektrische Handlingmodule oder eben durch Roboter ist beides möglich, ohne dass die Kosten für solche Vorrichtungen oder Anlagen explodieren. Außerdem erlauben elektrische Module die lückenlose Prozess- und weitergehend die Qualitätsdokumentation, sodass man in vielen Fällen mit einer Klappe zwei Fliegen schlagen kann.

4. Was können Sie über den Application Park »Vision« und das »Medical Technology Network« sagen, das in diesem Jahr Premiere hat?

Beim Application Parc werden in einem Gemeinschaftsprojekt die Systemtauglichkeit und die Kombinationsfähigkeit von Funktionsmodulen, aus denen dann eine ganze Montagelinie mit allen relevanten Antriebs-, Steuerungs-, Überwachungs- und Sensortechniken entsteht, in der Praxis demonstriert. Das Medical Technology Network stellt eine interdisziplinäre Informations-, Kommunikations- und Business-Plattform dar. Die auf der Basis von passenden medizintechnischen Problemlösungen beziehungsweise Anwendungen ausgewählten Hersteller und Anbieter sind über die Motek verteilt und durch ein Signet kenntlich gemacht.

Paul E. Schall:

Der gelernte Mechaniker und passionierte Oldtimer-Sammler veranstaltet heuer zum 30. Mal seine stärkste Messe, die Motek. Mit 21 Fach- und Publikumsmessen ist Schall zudem Deutschlands erfolgreichster privater Messeveranstalter.

Erschienen in Ausgabe: Sonderheft Motek Spezial/2011