Pack den Sack!

Technik

Palettieren Schüttgüter in Säcken sind schwierig zu handhaben, das automatisierte Depalettieren ist nur schwer zu realisieren. Kawasaki hat zusammen mit einem Systempartner eine passende Lösung gefunden.

01. April 2010

So wie es auf Hawaii kein Bier geben soll, gibt es in Saudi-Arabien ganz sicher keine Wiesen und Kühe und darum auch keine Milchproduktion. Das Land muss große Mengen Milchpulver in Säcken importieren. Doch Säcke mit Schüttgütern sind unberechenbar, denn bedingt durch den Transport oder längere Lagerzeiten können Mulden, Falten oder gar Risse in den Verpackungen entstehen. Daher ist es sehr wichtig ein Werkzeug zu haben, das diese Unregelmäßigkeiten ausgleicht.

Solch ein Werkzeug hat Holmatec Maschinenbau aus Salzbergen bei Rheine gebaut. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Entwicklung, Konstruktion und Fertigung von Anlagen für die Lebensmittel-, die chemische und pharmazeutische Industrie. In diesen Branchen sind die Rohstoffe zur Herstellung der endgültigen Produkte oft als Pulver oder Granulat in Säcken verpackt.

Modulares System

Um die Zufuhr dieser Rohstoffe in die Produktion zu automatisieren, entstand, basierend auf Kawasaki Robotertechnik, ein modulares System, das die Mitarbeiter entlastet und die Produktion zudem effizienter macht.

Holmatec konstruierte zunächst einen Roboterkopf, der die Säcke mittels einer speziellen Vakuumtechnik zuverlässig aufnimmt und durch ein Ansauggebläse auch den Staub von defekten Säcken absorbieren kann. In Verbindung mit einem Palettengreifer ist ein Werkzeugwechsel überflüssig.

Mit Hilfe eines Kawasaki-Roboters ZD 130 gelangen die Säcke über eine Depalettieranlage auf ein Förderband und anschließend zu einer Aufreißanlage. Diese bewältigt bis zu 500 Säcke pro Stunde. Das bedeutet: alle sieben Sekunden ein 25-Kilogramm-Sack, was einer Kapazität von 15 Tonnen in der Stunde oder 360 Tonnen pro Tag entspricht.

Die Anlage arbeitet ohne einen Lagenscanner, vielmehr sind verschiedene Packschemata in der Robotersteuerung hinterlegt und diese werden über einen Touchscreen manuell gestartet.

»Die hohe Flexibilität und Vielseitigkeit des Kawasaki-Roboters kommt bei dem Anlagenkonzept zum Tragen«, sagt Holmatec-Geschäftsführer Heribert Große-Rechtien, »egal in welcher Konfiguration, als Aufgabenträger oder Dienstempfänger, der Palettierer von Kawasaki bleibt immer ein integraler Bestandteil unserer Lösungen.«

Zweite Anlage

Eine Variante wird für das Depalettieren von Säcken in der chemischen Industrie eingesetzt.

Diese Anlage ist mit einem Lagenscanner ausgestattet, der die Packbilder ohne Bedienereingriff erkennt. Je nach Bedarf bietet Holmatec weitere Optionen wie die automatische Palettenzufuhr sowie die selektive Auswahl von unterschiedlichen Säcken, die vom Roboter in einer bestimmten Reihenfolge depalettiert werden. Dies kann zum Beispiel bei der Herstellung einer speziellen Rezeptur der Fall sein.

Erschienen in Ausgabe: 02/2010