Markus Müller

Finale

Almü Präzisionswerkzeuge stellt Präzisionsteile und Werkzeuge für Automobilhersteller, Maschinenbau, Medizin und Luftfahrt her. Der geschäftsführende Gesellschafter erzählt wie.

13. Oktober 2010

1. Herr Müller, wie hoch ist der Automatisierungsgrad in Ihrem Metall verarbeitenden Betrieb?

Enorm, denn anders könnten wir unter dem Preis- und Wettbewerbsdruck gar nicht überleben. Unsere Maschinen, die zu 60 Prozent fräsen, aber auch drehen, erodieren oder schleifen, arbeiten nahezu vollautomatisch und die Hälfte aller Werkstücke, abhängig von der Losgröße und den Maschinenschnittstellen, werden automatisch zu- und abgeführt, so dass die Maschinen bis zu 20 Stunden autark arbeiten.

2. Wo ist dann noch Potenzial zum Rationalisieren?

In nahezu allen Bereichen. Um die Maschinenlaufzeiten zu erhöhen, müssen wir die Rüstzeiten weiter senken, indem wir die Werkzeugträger außerhalb bestücken und dann nur noch in die Maschine einsetzen. Außerdem kaufen wir nur noch Maschinen, deren Schnittstellen zur Zu- und Abfuhr sauber definiert sind. Das verteuert diese zwar um zehn Prozent, so können wir aber bereits ab Losgrößen von drei Bohrern mit Ladungsträgern arbeiten. Vor wenigen Jahren lag die Untergrenze noch bei mindestens zehn Teilen, damit sich der Aufwand lohnte.

3. Können Sie ein konkretes Beispiel geben?

Ein Zurichter fertigt zum Beispiel tagsüber das erste Teil, widmet sich dann einer anderen Aufgabe und lässt die beiden anderen Teile in der Nacht von der programmierten Maschine bearbeiten. Dann kommt es auch nicht mehr auf die Fertigungsgeschwindigkeit an, weil egal ist, ob die Maschine um 3 oder 5 Uhr fertig ist. Am nächsten Morgen liegen die fertigen Teile vor, die der Parallelgreifer wieder in die Palette zurücksetzt.

4. Wie lange dauert im Schnitt die Bearbeitung je Stück?

Je nach Dicke und Länge der Hartmetallstange sowie den erforderlichen Bearbeitungsschritten zwischen fünf und 40 Minuten. Auch hier bemerken wir eine Veränderung. Durch das einfachere Handling lohnt sich das Bestücken der Magazine auch bei Bearbeitungszeiten ab fünf Minuten. Noch vor wenigen Jahren galt als Faustformel: Was unter zehn Minuten dauert, wird manuell zugeführt. Auf den modernen Fünfachsmaschinen können aber bis zu 25 Bearbeitungsschritte in einem Prozess gemacht werden. Da können wir selbst bei relativ kleinen Serien eine Maschine auch die ganze Nacht hindurch nutzen.

5. Dann scheint ja alles in Ordnung zu sein?

Dieser Eindruck ist nicht ganz richtig, zumal wir unter einem immensen Rationalisierungsdruck bei hoher Komplexität stehen. Wünschenswert aus unserer Sicht als Anwender wären bedienerfreundlichere Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine, die die Kommunikation mit dem Bearbeitungszentrum erleichtern. Das gilt gleichermaßen für den Programmierer, der sich oft drei, vier Monate lang einarbeiten muss, bis er mit der Software der Maschine vertraut ist, wie für den Teileeinrichter, der vier bis acht Wochen zur Einarbeitung braucht.

6. Hätten Sie konkrete Verbesserungsvorschläge?

Wenn ich die hätte, würde ich die Branche wechseln. Aber einheitliche, zum Beispiel HTML-basierte Oberflächen oder ein selbsterklärendes, Fehler reduzierendes Navigationssystem wären sicher hilfreich. Wir haben Maschinen von sechs verschiedenen Herstellern in der Produktion stehen und alle haben völlig verschiedene Handlingsysteme, die der Historie oder dem Corporate Design der Hersteller gerecht werden, aber nicht uns Anwendern. Wenn man hier zu einheitlichen Standards käme, ließe sich die innerbetriebliche Einarbeitung vermutlich halbieren.

Markus Müller führt die Almü Präzisionswerkzeug GmbH in zweiter Generation. Mit 31 Mitarbeitern stellt das Unternehmen keine Katalogwerkzeuge her, sondern zu 90 Prozent maßgeschneiderte Sonderwerkzeuge für die zerspanende Fertigung.

Erschienen in Ausgabe: 05/2010