Kompakt gepackt

Fertigungsautomation

Packanlage - Steffes Prüf- und Messtechnik entwickelt mit den Komponenten und Modulen von Maschinenbau Kitz eine innovative und– aufgrund beengter Umgebungs-bedingungen– höhenverstellbare und damit besonders kompakte Packanlage.

14. Februar 2017
Packanlage S-Pack-Pal-T von Steffes zum Sammeln, Packen und Palettieren von Hohlkörpern verschiedenster Art, realisiert aus Aluminiumprofilen und Fördertechnik von Maschinenbau Kitz.
Bild 1: Kompakt gepackt (Packanlage S-Pack-Pal-T von Steffes zum Sammeln, Packen und Palettieren von Hohlkörpern verschiedenster Art, realisiert aus Aluminiumprofilen und Fördertechnik von Maschinenbau Kitz.)

Die Entwicklung der Packanlage S-Pack-Pal-T von Steffes zeigt, wie Innovation aussehen kann: Die S-Pack-Pal-T ist eine vollautomatische Anlage zum Packen verschiedener leerer Behälter wie Flaschen, Dosen oder Kanister in Papptrays und anschließendem Palettieren der Trays. Das Besondere an dieser Anlage ist, dass sie sich mit dem ganzen Gestell komplett in der Höhe variieren lässt.

»Wir hatten entschieden, eine innovative Packanlage zu entwickeln und damit unsere Automatisierungssparte weiter auszubauen«, sagt Maxim Janzen, der Technische Leiter bei Steffes. Die Anlage wurde in enger Kooperation mit dem Kunden entwickelt, einem großen Verpackungshersteller, der auch die Anforderungen definierte. Neben den Voraussetzungen wie »robust«, »sicher« und »einfach in der Bedienung« sollte die Anlage eine Packhöhe von drei Metern haben. Weiterhin sollte ihr Gestell kompakt und boxförmig sein, damit sie bestmöglich auf einem Lkw oder einem Seecontainer transportiert werden kann.

Sekundäre Anforderungen

In der Umsetzung erweisen sich häufig auch solche scheinbar einfachen Voraussetzungen als hohe Hürden, weiß Christian Becker, Produktmanager bei Maschinenbau Kitz: »Bei Neuentwicklungen gilt es zu beachten, dass gerade Anforderungen, die nicht primär die Funktion oder die Kapazitäten der Maschine betreffen, häufig konstruktive Veränderungen des Konzeptes verlangen.« Zum Beispiel müssen der Transport und das Einbringen einer Maschine ebenso berücksichtigt werden wie Betriebskosten der Anlage oder auch Ergonomie und Geräuschemissionen. Und auch ganz trivial erscheinende Voraussetzungen, wie Räumlichkeiten, können die Umsetzung einer Idee stark beeinflussen. Insbesondere die geforderte Packhöhe von drei Metern stellte sich zunächst als großes Hindernis heraus. Die Deckenhöhe der Montagehalle bei Steffes erlaubte den Bau einer solch hohen Anlage einfach nicht. Aus der Not heraus überlegten die Entwickler, das Gestell teleskopierbar zu konstruieren. Um die erforderliche Höhe zu erreichen, sollte das Gestell um 1,5 Meter ausgefahren werden können.

Nachdem das Konzept feststand, erkannten die Entwickler, welche Vorteile dieses System noch mit sich brachte: In dieser Form konnte die Anlage unter anderem in einem Stück auf einem Lkw oder in einem Container transportiert werden. Somit musste sie für den Transport nicht abgebaut und am Einsatzort wieder aufgebaut werden.

Die Konstruktion der weiteren Baugruppen und Bauteile musste nun an dieses System angepasst werden. Um die Anlage möglichst kompakt zu bauen, wurde das höhenverstellbare Gestell mit einem Scherenhubantrieb realisiert. Teleskopierbare Profile sorgen für die notwendige Flexibilität. Bauteile und Baugruppen, die im Betrieb aus dem Gestell hinausragen, wurden so konstruiert, dass sie für den Transport eingefahren oder eingeklappt werden können.«

Umsetzung

Nicht nur das teleskopierbare Gestell der Anlage, sondern auch Bauteile wie Rahmen und Gehäuse, Türen und Fenster oder der Greifer für die Papptrays sind aus dem System von Maschinenbau Kitz gebaut. Das betrifft auch die Transportbänder in der Packanlage. Zwei senkrecht gegenüberstehende Zahnriemenförderer mit Mitnehmern dienen nach dem Paternoster-Prinzip als Pufferspeicher für die Papptrays. Mit entsprechender Taktung werden die Trays gepuffert beziehungsweise der weiteren Verwendung wieder zugeführt.

Funktionen zu Festpreisen

Das Baukastensystem von Kitz ist so aufgebaut, dass Profile, Zubehör und Fördertechnik vollständig miteinander kompatibel sind. »Mit unseren Produkten lassen sich sämtliche mechanische Grundfunktionen einer modernen Fabrikautomation realisieren«, so Becker. »Neben den einzelnen Komponenten können unsere Kunden bei uns auch feste Funktionen zu festen Preisen erhalten. Das reduziert Projektkosten und Risiken.

»Für unsere Kunden ist es in der Regel kein Verkaufsargument, auf welcher Basis wir unsere Maschinen bauen«, sagt Janzen. »Aber für uns als Maschinenhersteller bieten die Komponenten und Module von Kitz, insbesondere im Konstruktions- und Herstellungsprozess, einige wichtige Vorteile.«

Vielfalt des Systems

Besonders die benötigte Flexibilität während einer Neuentwicklung lässt sich mit diesen Produkten gut realisieren. Bauteile lassen sich schnell und einfach nachträglich ändern, einfügen oder anpassen.

Die Vielfalt des Profilsystems ermöglicht auch ungewöhnliche Anwendungen. Nachdem das Konzept der Packanlage vollständig ausgearbeitet war, wurde der erste Prototyp als halbautomatische Version beim Kunden in Betrieb genommen – und das sehr erfolgreich, denn etwas später folgten zwei weitere Anlagen als vollautomatische Version mit diversen Optionen und Neuerungen. Für Steffes hat sich die Entwicklung der Packanlage auf jeden Fall gelohnt, denn nach den ersten drei Anlagen sind nun zwei weitere in Planung.

»Unser Kunde ist hochzufrieden und wir sind es auch«, ergänzt Janzen. Innovativ zu sein bedeutet demnach nicht nur, die Möglichkeiten auszuschöpfen, sondern auch, aus der Not eine Tugend zu machen. Und mit den richtigen Komponenten lassen sich selbst ungewöhnliche Ideen realisieren.

Erschienen in Ausgabe: 01/2017