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Kommunikation ist das A und O

Kommunikation ist das A und O

Lars Zimmermann - Der diplomierte Wirtschaftsingenieur nennt sich Kommunikationsoptimierer und coacht mittelständische Unternehmen. Sein Motto: »Es gibt keine Probleme, nur Kommunikationsprobleme.« Die NFT GmbH in Ibbenbüren hat von seiner Arbeit maßgeblich profitiert, wie Geschäftsführer Frank Haacks bestätigt.

11. Februar 2007

Herr Haacks, erzählen Sie doch bitte etwas über Ihr Unternehmen.

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NFT steht für Neuro Fuzzy Technik. Mein Kollege Klaus Lühn und ich haben das Unternehmen 1995 als Spin-off gegründet. Seitdem entwickeln wir unterschiedlichste Softwareprogramme für Prozessleitsysteme und Steuerungen. Ein weiteres Standbein von NFT ist die Konstruktion und der Bau von Schaltanlagen. Natürlich wird das Ganze auch vor Ort beim Kunden installiert, in Betrieb genommen und auf Wunsch gewartet. Wir beschäftigen mittlerweile 23 Mitarbeiter; überwiegend Softwareentwickler. Unser jährliches Umsatzwachstum liegt im zweistelligen Bereich. Oberstes Prinzip ist: Exzellente Arbeit und Leistungen für jeden Kunden.

Aus welchen Branchen und Industriezweigen kommen Ihre Kunden?

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Das sind hauptsächlich Unternehmen aus der Automotive-, der Chemie- und der Lebensmittel- Industrie, der Abwasser- und Klimatechnik. Aber wir arbeiten auch für andere Branchen.

Das alles klingt recht erfolgreich. Wozu brauchten Sie dann einen Coach?

Das wiederum klingt dramatischer, als es eigentlich war: Wir waren offensichtlich zu schnell gewachsen, als dass unsere Unternehmensphilosophie damit hätte Schritt halten können. Sicher auch haben wir von der »Gründergeneration « deren Werte, Missionen und unsere Vision nicht allen Mitarbeitern so vermitteln können, damit sie diese ebenso wie wir als wichtig erkennen und im Innen- wie im Außenverhältnis leben konnten oder wollten.

Der Rufer in der Wüste - Softwareentwickler, Programmierer und Systemadministratoren gelten landläufig als eine besondere Spezies...

Sie arbeiten sehr problem- und lösungsorientiert und kapseln sich dabei - bewusst oder unbewusst - von ihrer Umgebung ab. Bei uns hieß das konkret, dass zwar alle Projekte in Teamarbeit vorangetrieben wurden, aber wir haben zu wenig miteinander kommuniziert, zu wenig über die Inhalte der eigenen Unternehmensphilosophie reflektiert. Es war abzusehen, dass es bald zu Reibungsverlusten kommen würde, wenn wir dieser Entwicklung nicht entgegensteuern. Zudem stand sie dem Teamgedanken, so wie wir ihn uns auf die Fahnen geschrieben hatten, entgegen.

Doch »Gefahr erkannt« heißt nicht automatisch auch »Gefahr gebannt«, oder?

Richtig. Unsere Appelle zur Rückbesinnung auf die angestammten Werte sind nicht bei jedem Mitarbeiter gleichermaßen auf fruchtbaren Boden gefallen. Überspitzt ausgedrückt: Manchmal hatte ich schon den Eindruck, als würden einige unserer Mitarbeiter Dienst nach Vorschrift machen. Bloß nicht nach links oder rechts oder über den Tellerrand blicken.

Dann kam der erste Unternehmensberater, dann der zweite...

...aber keiner konnte - wenn ich das so sagen sagen darf - die Kluft zwischen Sprachlosigkeit auf der einen Seite und Taubheit auf der anderen wirklich und nachhaltig überbrücken. In dieser Zeit hat Klaus Lühn auf einem Flug Lars Zimmermann kennengelernt. Sie haben unter anderem über Unternehmens- und Mitarbeiterführung und so weiter philosophiert. Nach seiner Rückkehr kam er kaum aus dem Erzählen raus. Er war sichtlich beeindruckt von dem Gespräch im Flieger.

Und dann haben Sie im Frühjahr 2006 Lars Zimmermann nach Ibbenbüren eingeladen.

Ja. Vielleicht konnte ja der »Kommunikationsoptimierer «, wie er sich aufgrund seiner Geschäftstätigkeit nennt, die offensichtlichen Verständigungsschwierigkeiten zwischen uns und Teilen der Belegschaft ausräumen und alle miteinander auf eine Unternehmenskultur einschwören, die auch von allen mit Leben erfüllt werden kann.

Schwelendes Konfliktpotenzial - Herr Zimmermann, was haben Sie vor Ort vorgefunden?

Einen »Kuschelverein«. Da wollte niemand einem anderen weh tun, wenn ich das mal so sagen darf, weil jeder die fachlichen Leistungen der anderen Mitarbeiter respektiert hat. Damit jedoch bleiben kritische Punkte unangesprochen, Fragen ungestellt und dringend gebotene offene Worte ungesagt. Das ist, wenn man es genau betrachtet, schwelendes Konfliktpotenzial.

Wie bringt man Menschen dazu, miteinander offen zu kommunizieren?

Dafür gibt es kein Patentrezept. Das jeweilige Vorgehen hängt immer von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören insbesondere die Ziele, die man gemeinsam definiert, die Wege, um diese Ziele zu erreichen, die Bereitschaft jedes Einzelnen, daran aktiv mitzuarbeiten, der Grad, zu dem die Ergebnisse und Ziele erreicht sind und vieles andere mehr.

Herr Haacks, wie lief das konkret bei NFT ab?

Bei uns gab es zunächst ein Gespräch zwischen Lars Zimmermann, Klaus Lühn und mir. Dabei hat Lars Zimmermann zum einen unsere Ziele und Visionen sowie unsere individuelle Sichtweisen auf kritische Punkte hinterfragt, zum anderen die Unternehmenskultur, -geschichte und -organisation, Zusammenhänge, Strukturen, Workflows und so weiter. Das sind alles Dinge, die uns längst in Fleisch und Blut übergegangen waren, an die wir kaum noch einen Gedanken verschwendet haben, weil es sie entweder schon immer so gab oder weil sie sich so herausgebildet beziehungsweise entwickelt hatten und offensichtlich funktionierten.

Herr Zimmermann, kann man so was als Betriebsblindheit bezeichnen?

Menschen, die in der Verantwortung stehen, wissen in aller Regel, wo etwas nicht oder schlecht und schleppend läuft. Gut, wenn sie die Gründe dafür kennen. Noch besser, wenn sie - wie bei NFT - auch die Fähigkeiten und die Mittel und Möglichkeiten haben, um nachhaltige Verbesserungen zu bewirken.

Erfahrungsgemäß fehlt jedoch meistens eines dieser drei Elemente.

Was in aller Regel ebenfalls fehlt, um Verbesserungen einzuleiten und sie Schritt für Schritt weiter zu verfolgen, ist der Faktor Zeit. Die Geschäfte laufen ja weiter. Nicht zu vergessen: das überaus große Beharrungsvermögen der Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen etwas Neuem erst einmal skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen.

Herr Haacks, wie ging es dann weiter?

Nach dieser ersten Bestandsaufnahme haben wir die gesamte Belegschaft über den Sinn und Zweck von Lars Zimmermanns Anwesenheit informiert. Jeder Unbekannte, der öfter als einmal in der Chefetage eines Unternehmens auftaucht, gibt ja Anlass zu den wildesten Spekulationen...

Und Sie, Herr Zimmermann?

Ich habe die Bestandsaufnahme analysiert und auf dieser Grundlage das Konzept einer »Zukunftswerkstatt « erarbeitet. Dieses habe ich den beiden NFT-Geschäftsführern präsentiert und bekam deren »go«.

Was darf man sich unter Zukunftswerkstatt vorstellen?

Sie war nach meiner Einschätzung das optimale Projekt für NFT, um alle Mitarbeiter, vom Auszubildenden bis zu den Geschäftsführern, in die Gestaltung der unternehmerischen Zukunft aktiv einzubeziehen, dabei die »alte« und eigentlich sehr erfolgreiche Unternehmensphilosophie neu zu entdecken und ihr neue Impulse zu geben. Dieses Ziel hat sich nicht nur mit den Intensionen von Frank Haacks und Klaus Lühn gedeckt, sondern es hat sich in den nachfolgenden Einzel-, Team- und Gruppengesprächen als der eigentliche und leider fehlende »Eckstein« herausgestellt.

Welche Erkenntnisse haben Sie in diesen Gesprächen gewonnen?

In diesen Gesprächen wurde schnell klar, dass alle Mitarbeiter zwar ihre Jobs hervorragend gemacht haben, aber längst nicht alle haben sich auch Gedanken über das eigentliche »Warum « und »Wozu« gemacht. Das erschöpft sich nämlich nicht allein im Geldverdienen und darin, bei der Abwicklung von Projekten exzellente Arbeit abzuliefern, sondern ist vielmehr auf das Unternehmen als Ganzes gerichtet. Die Wahrheiten dahinter sind so alt wie simpel: »Geht es dem Unternehmen gut, geht es auch mir gut.« Oder anders gesagt: »Nur in einem auf die Zukunft ausgerichteten Unternehmen habe ich auch morgen noch einen sicheren Arbeitsplatz.« Der nächste Schritt war es, dies alles jedem einzelnen Mitarbeiter zu vermitteln, ihm seine Bedeutung für das Unternehmen, das Team, den »Nebenmann« klarzumachen, ihn zu motivieren, das Unternehmen, das Team und auch seinen eigenen Aufgabenbereich aktiv mit zu gestalten und dafür Verantwortung zu übernehmen.

Es geht ans Eingemachte

Wie lief das ab?

Die Form waren abermals Einzel-, Team- und Gruppengespräche, in denen ich als Moderator die NFT-Mitarbeiter und -Geschäftsführer animiert habe zu einer (selbst)kritischen Auseinandersetzung mit ihrem Unternehmen und ihren persönlichen Rollen, Funktionen und Aufgaben darin. Und das sollten sie auch aus unterschiedlichen Sichtweisen tun: Wie würde ich als Kunde oder als Lieferant das Unternehmen NFT und mich selbst als dessen Mitarbeiter wahrnehmen? Wie tun das unsere Wettbewerber und wie meine Vorgesetzten und unmittelbaren Kollegen? Ergänzend zu den Ist- Analysen haben die NFT-Mitarbeiter auch Wunsch-Szenarien entwickelt, wie etwa: Durch welche Maßnahmen kann unser Unternehmen besser werden - auch, um im internationalen Wettbewerb langfristig zu bestehen? Was sollte in meinem direkten Einflussbereich verändert werden, um die Arbeiten optimaler zu gestalten? In welcher Position und Funktion könnte ich für das Unternehmen erfolgreicher, effektiver und für mich selbst zufriedener sein? Diese und weitere Antworten habe ich natürlich immer auch nach dem »Wie« und »Warum« hinterfragt, weil das von essenzieller Wichtigkeit ist; für das reibungslose Funktionieren eines Unternehmens und natürlich auch für das Selbstverständnis von dessen Mitarbeitern.

Herr Haacks, war es das, was Sie wollten?

Das waren zwar alles in sich abgeschlossene, aber im Grunde nur vorbereitende Schritte zum eigentlichen Generalthema, der Unternehmensphilosophie. Was macht sie aus? Was sind ihre Bestandteile, Inhalte und Werte, was ist unsere Mission, unsere Vision? Wir haben uns also gemeinsam mit unserer Unternehmensphilosophie auseinandergesetzt und analysiert, welche ihrer Inhalte nach wie vor Gültigkeit haben und daher bewahrt werden müssen, welche zu überdenken und welche gegebenenfalls gänzlich obsolet sind. Mit dieser Unternehmensphilosophie sollten sich ja schließlich alle Mitarbeiter identifizieren.

Neue Zauberformel? - Herr Zimmermann, wie sah das endgültige Ergebnis aus?

Die Mitarbeiter haben als erstes eine gemeinsame Mission verbalisiert: »Freude durch Technik «. Sie beschreibt gleichsam ihre Profession im Umgang miteinander sowie mit Kunden und Lieferanten. Und die Mitarbeiter haben die Zukunftswerkstatt um eine greifbare Jahreszahl erweitert: 2016. Herr Haacks, damit hatten Ihre Mitarbeiter gemeinsam ein Ziel formuliert. Ja, wir hatten endlich eine gemeinsame Vision, die uns antreibt, nämlich wie unser Unternehmen im Jahre 2016 aufgestellt sein soll. Die Leute übernehmen nicht mehr nur für ihre Projekte Verantwortung, sondern auch für einander und das Unternehmen als solches. Wir alle reden wesentlich mehr als vorher miteinander. Wir leben endlich unsere Werte. Und das honorieren auch unsere Kunden sehr wohl. Unsere Strukturen sind transparenter als vorher: Wir wissen eindeutig, welche unserer Mitarbeiter auf der operativen Ebene hervorragend sind und welche obendrein Führungsqualitäten besitzen. Das ist überhaupt nicht wertend gemeint. Man muss ja schließlich jeden entsprechend seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten einsetzen. Deshalb auch haben wir eine Strategie zur Personalentwicklung formuliert und erwägen mittlerweile als Anreiz für interessierte Mitarbeiter sogar eine Beteiligung am Unternehmen. Die haben ebenfalls angeregt, dass wir internationalisieren sollen. Das war das für uns als Geschäftsführer eher ein Wunschtraum, von dem wir nicht so genau wussten, wie wir ihn anpacken sollen. Nun bereitet Hai Lin, unser erster chinesischer Kollege, die Einführung unseres Unternehmens in seinen Heimatmarkt vor.

Herr Zimmermann, begleiten Sie NFT weiter und wenn ja - wie?

Ja, natürlich. Im vergangenen November hatte ich meine vorläufig letzten Gespräche mit einigen neuen NFT-Mitarbeitern. Gemeinsam wollten wir außerdem ein abschließendes Fazit ziehen. Seitdem treffen wir uns gelegentlich, um Erfahrungen auszutauschen. Ich brauche ja schließlich auch Rückmeldungen über meine Arbeit.

Wie ist das Fazit ausgefallen?

Ein Unternehmen ist wie ein kompliziertes Räderwerk. Es funktioniert nur dann reibungslos, wenn die unterschiedlichen Interessen aller Mitarbeiter zielgerichtet ineinandergreifen. Dieses Ziel kann im Sinne aller eigentlich nur »unternehmerische Zukunftsfähigkeit« heißen. Die Wege und Fixpunkte dorthin - Werte, Mission, Vision - sind in der jeweiligen Unternehmensphilosophie festgeschrieben. Bei NFT haben sie alle Mitarbeiter gemeinsam neu de- finiert, ebenso ihre persönlichen Möglichkeiten und Verantwortungen, diese Wege aktiv zu begehen. Und sie sind sich ihrer Perspektiven klar geworden. So, wie ich NFT jetzt erlebe, haben alle Mitarbeiter die »Zukunftswerkstatt 2016« super verinnerlicht. Das ist ein Potenzial, auf das sich die Kunden freuen dürfen.

www.kommunikationsoptimierer.de

Zur PersonLars Zimmermann

Als Diplomwirtschaftsingenieur begleitet Lars Zimmermann (40) seit 13 Jahren Unternehmen aus der B2BBranche in komplexen Veränderungsprozessen in Marketing, Vertrieb und Organisation mit einer Kombination aus Fach- und systemischer Beratung. Zuvor war er als Verkäufer im Maschinenbau tätig. Seine Freizeit gehört seinen drei Kindern, Büchern, Politik und Nordic Walking.

Erschienen in Ausgabe: 01/2007