Herr Wiedemann, auf der SPS 2018 wurde ASi-5 der Öffentlichkeit vorgestellt. Wie beurteilen Sie im Rückblick die Ziele und den Erfolg der gemeinsamen Entwicklung führender AS-Interface-Hersteller? Welche Erwartungen haben sich erfüllt?

Die wichtigste Nachricht für Interessierte und Anwender lautet: ASi-5 funktioniert. Das Verdrahtungssystem hat den Sprung vom Prüfstand in die reale Praxis ganz prima gemeistert. Die ersten Erfahrungen haben das Gesamtkonzept und die Leistungsfähigkeit bestätigt. Wir mussten das gemeinsam entwickelte und umgesetzte Set-up nur an ganz wenigen Stellschrauben nachjustieren und optimieren.

IO-Link-Devices nehmen einen immer größeren Stellenwert in der Automation ein. Sie lassen sich über ASi-5 einfach in Applikationen integrieren. Was ist das Besondere an der Kombination aus ASi-5 und IO-Link?

IO-Link hat sich als Punkt-zu-Punkt-Kommunikation für intelligente Sensoren im Markt etabliert. ASi ist das ideale Verdrahtungssystem, um in mäßig großen Netzwerken beliebiger Topologie, wie sie beispielsweise im Maschinenbau anzutreffen sind, Sensor- und Aktuatordaten bedarfsgerecht in der Fläche einzusammeln und dorthin zu übertragen, wo sie gebraucht werden. ASi-5 erlaubt die Kombination beider Stärken: Zum einen können intelligente Sensoren jetzt perfekt eingebunden werden, zum anderen können Netzwerke über ASi-5 frei aufgebaut werden. Das fundamental Neue ist also, dass der Kunde mit IO-Link über ASi-5 das Beste aus beiden Welten für sich nutzen kann, ohne bei der Sensorintegration oder der Netzwerkgestaltung irgendwelche Kompromisse eingehen zu müssen oder sich gar Nachteile einzuhandeln.

Wie sieht es denn mit der Wirtschaftlichkeit der neuen ASi-Generation aus?

ASi-5 ist auch mit Blick auf die Kostenseite sehr attraktiv. IO-Link-Devices müssen nicht mehr aufwendig über ethernet-basierte IO-Link-Master bis in die Maschine verdrahtet und mit teuren Hardwarekomponenten eingesammelt werden, sondern mit minimalem Verdrahtungsaufwand über ein gelbes ASi-Kabel, auf das die ASi-5-Slave-/IO-Link-Mastermodule mit den angeschlossenen IO-Link-Devices per Durchdringungstechnik aufgesteckt werden. Hinzu kommt, dass unser Portfolio sehr fein abgestuft ist: Wir haben 1-Port-, 2-Port-, 4-Port- und in Zukunft auch 8-Port-Varianten der IO-Link-Mastermodule im Programm, die individuell skalierbare Lösungen und eine äußerst wirtschaftliche Integration von intelligenten Geräten ermöglichen. Und so eine 1-Port-Variante ist vom Gerätepreis her eben deutlich günstiger als ein 8-Port-Ethernetmodul.

Welche Erfahrungen machen Sie mit ASi-5 in Projekten und Feldtests?

Tatsache ist, dass wir mit der neuen Verdrahtungstechnologie ASi-5 auf ein ganz großes Interesse stoßen. Die Logistik- branche beispielsweise, die ja schon durch die Ausrüstung von Förderanlagen, Hochregallagern oder Kommissionierzonen in Distributionszentren eine große Affinität zu AS-Interface besitzt, sieht in ASi-5 neue Chancen und Verbesserungspotenziale. Ein Beispiel dafür ist etwa die Integration von Scannern, die aufgrund der hohen Datenbreite und der kurzen Zykluszeiten von ASi-5 jetzt technisch sinnvoll möglich ist. Die vorhandene ASi-3-Infrastruktur jetzt mit ASi-5 zu ergänzen, bedeutet, neue Leistungspotenziale zu erschließen. Und dies mit vergleichsweise geringem Arbeits- und Kostenaufwand, denn man braucht für das Upgrade ja nur ein neues ASi-5-/ASi-3-Feldbus-Gateway und neue ASi-5-Module, die in die vorhandene Topologie integriert werden können. Unsere Softwareprogramme Asimon360 und ASi Control Tools360 berücksichtigen in ihrer aktuellen Version – Updates stehen wie üblich kostenfrei zur Verfügung – die Möglichkeit, auch IO-Link-Devices so einfach wie ganz normale ASi-Slaves in das AS-Interface-Netz einzubinden.

Woraus resultiert das Vertrauen, das Ihre Kunden ASi-5 entgegenbringen? Und was raten Sie denen, die sich mit der neuen Technologie aktuell beschäftigen oder in Kürze beschäftigen wollen?

Etwas zu kennen ist für das Entstehen von Vertrauen ein entscheidender Faktor. Unsere Kunden kennen Bihl+Wiedemann seit vielen Jahren als Anbieter applikationsgerechter und wirtschaftlicher Lösungen. Sie kennen unser Commitment zu AS-Interface, sie kennen unsere Produkte und Services rund um das Verdrahtungssystem. Und sie wissen, dass AS-Interface bei Bihl+Wiedemann im Gegensatz zu vielen unserer Marktbegleiter Kerngeschäft ist, in dem wir unsere Kernkompetenzen bündeln.

Dass wir heute dem Kunden vom Start weg ein praxistaugliches und performantes System anbieten können, ist aber der Verdienst der gesamten ASi-5-Entwicklungsgruppe, die sich bei der Konzeption und Umsetzung des neuen Standards sehr viel Mühe gegeben und sehr sorgfältig gearbeitet hat. Eine klare Vorgabe an ASi-5 war: Nichts, was mit ASi-3 vorher funktioniert hat, durfte mit ASi-5 schlechter werden. Diese Sorgfalt hat bewusst zusätzliche Schleifen im Entwicklungsprozess und damit auch Time-to-Market gekostet, aber alle Partner sind sich auch jetzt noch einig, dass dies der richtige Weg war.

»Die vorhandene ASi-3-Infrastruktur mit ASi-5 zu ergänzen, bedeutet, neue Leistungspotenziale zu erschließen.«

— Bernhard Wiedemann, Bihl+Wiedemann

Das Vertrauen, das wir für ASi-5 wahrnehmen, bestätigt unsere Vorgehensweise. Wer sich mit dem Gedanken beschäftigt, ASi-5 einzusetzen, geht – wenn überhaupt – ein kalkulierbares Risiko ein. Wir laden Interessenten ein, ASi-5 mit uns gemeinsam in einem überschaubaren, beherrschbaren Erstprojekt auszuprobieren, Erfahrung zu sammeln und sich von den Vorteilen zu überzeugen. Die Zeit für ASi-5 ist jedenfalls reif, und einige Lösungen sind bereits vorhanden oder kurzfristig umsetzbar.

Seit November 2019 ist die ASi-5-Spezifikation nach einem Jahr, in dem sie nur von den Entwicklungspartnern genutzt werden durfte, für alle Mitglieder von AS-International verfügbar. Was bedeutet das für Sie als Anbieter und was für die Kunden?

Für die Kunden ist das großartig, weil sich damit die Palette der ASi-5-Geräte stark erweitert, insbesondere auch um integrierte Produkte, die die Entwicklungspartner gar nicht im Portfolio haben. Die echte Offenheit und die Vielfalt der Hersteller ist ja das, was AS-Interface schon immer ausgezeichnet hat. Und das soll natürlich auch bei ASi-5 so weitergehen. Für uns als Hersteller ist positiv, dass sich durch weitere Anbieter und Produkte der ASi-Gesamtmarkt vergrößert. Denn je mehr passende Geräte es von verschiedenen Her- stellern gibt, desto mehr steigt die Attraktivität, Applikationen künftig auch mit ASi-5 zu lösen. Und das nutzt dann wieder allen, weil der Bedarf an ASi-5-Komponenten steigt. Schon dadurch kann ASi-5 enorm an Be- deutung gewinnen.

Was passiert perspektivisch mit ASi-3?

Ich gehe von einer dauerhaften Koexistenz von ASi-3 und ASi-5 aus, weil es viele einfache, zeit- und datenunkritische ASi-Slaves gibt, für die ASi-3 technologisch völlig ausreicht und dabei auch noch kostengünstiger ist. Gleichzeitig sollten die Kunden aber die Vorteile von ASi-5 kennen, um bestimmte Punkte einer Maschine, in denen beispielsweise intelligente Sensoren zum Einsatz kommen, mit der bestmöglichen Performance ausstatten zu können.

Wo steht ASi-5 in fünf Jahren?

Gute Frage. Ich gehe davon aus, dass ASi-5 sich dann als ›das‹ Zubringersystem zu ethernetbasierten Feldbussen etabliert hat und noch viel länger den Stand der Technik markieren wird, ohne von künftigen Automatisierungssystemen an Leistungsgrenzen gebracht zu werden. Es wird zudem eine Vielzahl an Spezialmodulen für unterschiedliche Applikationen geben. OPC-UA als Cloud-Schnittstelle wird mehr noch als heute von Herstellern und Betreibern verwendet werden, um die Nutzung von Maschinen und die Prozesse in Anlagen genauer zu analysieren. Es werden sehr viel mehr und detailliertere Erkenntnisse vorliegen, die sowohl neue Optimierungsmöglichkeiten als auch neue Geschäftsmodelle eröffnen. Deshalb sind wir von Bihl+Wiedemann von Anfang an mit Überzeugung in den Markt gestartet und werden auch in Zukunft mit unserem ASi-5-Portfolio die passenden Kommunikationskanäle anbieten.