Klaus Wammes

Finale

Der Geschäftsführer von Wammes & Partner berichtet von den Trends auf dem Panelmarkt und der komplexen Fragestellung bei PCAPs, ob nun »getoucht« wurde oder nicht.

24. August 2017
»Ich konnte und wollte noch nie akzeptieren, dass ›etwas einfach so ist‹. Ich musste und muss noch immer wissen, warum. Das ist mein Antrieb.« Klaus Wammes, Wammes & Partner Klaus Wammes Der Geschäftsführer der Wammes & Partner GmbH gilt in der Branche auch als »Panel-Papst«. Bild: Wammes & Partner GmbH
Bild 1: Klaus Wammes (»Ich konnte und wollte noch nie akzeptieren, dass ›etwas einfach so ist‹. Ich musste und muss noch immer wissen, warum. Das ist mein Antrieb.« Klaus Wammes, Wammes & Partner Klaus Wammes Der Geschäftsführer der Wammes & Partner GmbH gilt in der Branche auch als »Panel-Papst«. Bild: Wammes & Partner GmbH)

Herr Wammes, Ihr Unternehmen bietet herstellerunabhängige Fehleranalyse, Technologieberatung und Designoptimierung im Bereich elektronische Flachdisplays wie LCDs und deren Zusatzeinrichtungen wie Touch-Systeme, Hinter- oder Beleuchtungen, Funktionsschichten sowie lichttechnische Mess- und Qualifizierungs-Dienstleistungen an. Lohnt sich der Aufwand eigentlich in Zeiten preiswert werdender Neuprodukte?

Sicher nicht im Low-Budget-Bereich für Produkte, die sehr kurzen Innovationszyklen oder Moden unterliegen. Für langlebige Produkte und Investitionsgüter sieht das aber schon anders aus. Elementar wichtig wird es hingegen bei Produkten, bei denen Fehlfunktionen oder unvollständige beziehungsweise unklare Darstellungen fehlerhafte Eingaben oder missverstandene Ausgaben provozieren. Im einfachsten Fall kostet es Geld, im denkbar schlimmsten Fall wird es die Produkt- oder Bedienersicherheit kompromittieren. Daher bieten wir unsere Leistungen auch nur im B2B-Bereich an.

Wie viel Entwicklungspotenzial bieten Panels überhaupt noch?

Aus unserer Sicht noch mehr als genug – sowohl für neue Funktionalitäten als auch für weitere Verschlimmbesserungen unter Kostendruck.

Wie relevant ist für Ihre Kunden 4K?

Hohe und sehr hohe Auflösungen, auch über 4K, können je nach Anwendung extrem wichtig sein und bringen auch ganz neue technische Herausforderungen und Problemkonstellationen mit sich. 4K bezogen auf Konsumer-TV-Anwendungen ist für uns dagegen nicht relevant, da dies kein B2B-Geschäft ist.

Stellen Multi-Touch-Panels eine besondere technische Herausforderung dar?

Absolut! Speziell die sich sehr stark verbreitenden »projected capacitive touches«, kurz PCAP, die eigentlich gar keine wirklichen Touches mehr sind, denn dabei wird nicht wirklich »getoucht«. Das ist auch das größte Problem: Clevere Algorithmen in leistungsstarken Mikrocontrollern müssen entscheiden, ob berührt wurde oder nicht. Daher steigt mit PCAPs die Anzahl von sogenannten »Ghost touches«, also Touch-Signale, die aus einer Falschinterpretation von Algorithmus und Mikrocontroller entstehen und gegebenenfalls dramatische Auswirkungen haben können.

Welche industriellen Anwendungen sehen Sie für Multi-Touch-Panels?

Eigentlich alle, wenn man die für die jeweilige Anwendung benötigte Sicherheit in Bezug auf Ghost touches gewährleisten kann. Je kritischer die Anwendung ist und je dramatischer die Auswirkungen bei potenziell unmotivierten Falsch- beziehungsweise Fehl-Touch-Signalen sind, desto mehr Aufwand muss betrieben werden, um das Auftreten von Ghost touches zu unterdrücken.

Werden diese Panels bald »normale« Panels ablösen?

Das ist, wie so vieles im Leben, einfach eine Kostenfrage, denn die Touch-Funktion wird es nicht kostenfrei geben können. Sicher wird sich Multi-Touch seine Vormachtstellung nicht wieder abnehmen lassen. Aber eben auch nur dort, wo die Notwendigkeit besteht, Eingaben zur Steuerung des entsprechenden Systems mittels Touch-Sensor zu machen. Derzeit sind noch ganz viele andere alternative Eingabemöglichkeiten auf dem Vormarsch ...

Erschienen in Ausgabe: 05/2017