27. MAI 2018

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Sechs Fragen an Herbert Kraibühler


Finale

Automatisierung ist unumgänglich in der Kunststoffindustrie. Das bestätigt auch der Geschäftsführer Technik von Arburg, einem der führenden Anbieter für Spritzgießtechnik.

1. Herr Kraibühler, wie hoch ist der Automationsgrad in der Kunststoffverarbeitung?
Die Bandbreite der Vor- und Nachbearbeitungsschritte hat ein Niveau erreicht, das nahezu keine Limits mehr erkennen lässt. Arburg hat in den Bereichen Verpackung, Medizintechnik oder Optik an der Integration vor- und nachgelagerter Verarbeitungsschritte in den Produktionsprozess mitgearbeitet. Auf unseren Technologie-Tagen 2010 gab es modulare Fertigungszellen zu sehen, an die die Spritzgießmaschinen angedockt und die mit Entnahme-Robots ausgestattet sind. Die Spritzteile werden aus der Maschine übernommen, einer Station zur optischen Qualitätskontrolle zugeführt, kontrolliert, wieder vom Roboter aufgenommen und der Verpackung, Konfektionierung oder Montage zugeführt. Am Ende steht eine komplett einsatzfähige Kunststoffkomponente.

2. Woher rühren Innovationen?
Neben Preisdruck und neuen Kunststoffen geht es auch um Energieeffizienz. Effizient produzieren heißt höchste Produktqualität bei geringsten Stückkosten zu realisieren. Eines unserer Highlights in diesem Sektor ist ein flexibler, platzoptimierter Sechs-Achs-Roboter von Kuka, auf dessen Steuerung unsere intuitive grafikbasierte Selogica-Bedienoberfläche implementiert wurde. Das wirkt sich nachhaltig positiv auf die einfache Ausführung komplexer Produktionsabläufe aus und damit auf Wirtschaftlichkeit und Schnelligkeit des Gesamtprozesses.

3. Wo liegen die Herausforderungen?
Arburg geht seit einigen Jahren konsequent den Weg hin zum Systemlieferanten. Neben der eigentlichen Spritzgießmaschine haben wir auch die Handhabung der Spritzteile über entsprechend modulare und damit individuell anpassbare Multilift-Robot-Systeme integriert.

4. Wie umfangreich kommen Roboter zum Einsatz und wobei?
Bereits die Materialaufbereitung und -zuführung an die Maschinen kann automatisiert erfolgen, danach die Herstellung der Spritzteile selbst sowie auch die gesamte Nachbearbeitung, Qualitätskontrolle und Konfektionierung bis zur Montage. Die Anforderungen setzen hier die Kunden, die auf uns als Maschinenhersteller und Systemlieferant im Projektbereich zukommen und definieren, wie weit ihre Produktion automatisiert werden soll. Für uns ist zunächst keine Anforderung unmöglich, wir erarbeiten unsere Lösungen im engen Kontakt mit unseren Kunden.

5. Woran arbeitet Arburg aktuell?
Aktuelle Schwerpunkte liegen in der Integration weiterer Bearbeitungsschritte in den Prozessablauf, der Beschleunigung der Fertigungszyklen sowie die Erweiterung der Anwendungen durch neue technische Entwicklungen. Wir haben dazu aktuell etwa ein Mikrospritzmodul in unser Maschinenprogramm integriert, das die zuverlässige und hochwertige Fertigung von Spritzteilen im Milligramm-Bereich erlaubt. Stichworte sind hier das vorgeschaltete, aber auch das werkzeugintegrierte Stanzen, Biegen und Kunststoff-Umspritzen von Metallteilen sowie das Montage-Spritzgießen, das ein Funktionsteil in einem Spritzgießvorgang im Werkzeug entstehen lässt.

6. Was prognostizieren Sie für 2020?
Die hohe Dynamik im Bereich der Automatisierung wird ohne Zweifel weitergehen. Wohin die Reise geht, haben wir bei der Handy-Fertigung mit vollautomatisierten Produktions- und Montagestraßen erlebt. Komplexer werdende Anforderungen können nur über ein zentrales Produktionsmanagement wie unsere Selogica-Maschinensteuerung abgewickelt werden. Ein weiterer Megatrend ist auch die Flexibilisierung der Automation in Richtung eines One Piece flow.

Ausgabe:
aut 02/2010
Unternehmen:
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