Touch the automation

Titelgeschichte

Scara-Roboter - Um beim Robotereinsatz schnell in den automatisierten Betrieb und damit in den profitablen Bereich zu kommen, soll die Bedienung so einfach wie möglich sein. Und dazu gehört heute auch die Dateneingabe und Steuerung via Tablet. Zur automatica stellt Fanuc eine Kombination von Scara-Roboter und Tablet-Steuerung vor.

28. Mai 2018
Gleich in zwei Gewichtsklassen tritt Fanuc jetzt auf dem Scara-Markt an. SR-3iA (im Bild) und SR-6iA haben ihre automatica-Premiere. Gut möglich, dass die beiden Modelle erst der Auftakt zu einer größeren Produktfamilie sind. Bild: Fanuc Deutschland GmbH
Bild 1: Touch the automation (Gleich in zwei Gewichtsklassen tritt Fanuc jetzt auf dem Scara-Markt an. SR-3iA (im Bild) und SR-6iA haben ihre automatica-Premiere. Gut möglich, dass die beiden Modelle erst der Auftakt zu einer größeren Produktfamilie sind. Bild: Fanuc Deutschland GmbH)

Schon immer sollen Roboter die Arbeit erleichtern. Das ist nicht erst seit dem Aufkommen kollaborativer Roboter so. Nun aber kommen die Steuerungen auf den Prüfstand. Das Set-up und die Bedienung eines Roboters sollten im Prinzip nicht schwerer sein als die Bedienung eines Smartphones – auch auf Fabrikebene, nicht nur im Labor. Fanuc zeigt auf der automatica einen Weg zu diesem Ziel. Denn eines der Highlights in München sind die neuen Scaras und deren Bedienung via Tablet.

»Leicht« werden das Set-up und die Programmierung eines Fanuc-Roboters im wahrsten Sinn des Wortes, denn ein handelsübliches Tablet kann das traditionelle Teachpanel als Userinterface ersetzen. »Einfach« wird die Programmierung mit der iRProgrammer-Oberfläche. Mit einem solchen Interface ist das Einrichten eines Roboters nicht aufwendiger als die Bedienung eines Smartphones.

Dabei ist die Programmierung webbasiert; eine PC-App ist nicht erforderlich. Der Zugriff auf den iRProgrammer erfolgt über gängige Webbrowser wie Safari oder Chrome, um nur zwei Beispiele zu nennen. Jeder Roboter erhält eine IP-Adresse im firmeneigenen Netzwerk und ist damit eindeutig zu erreichen. Dies kann über jedes HTML5-fähige Gerät erfolgen. Auch hinsichtlich der Zertifizierung hat Fanuc auf den weltweiten Einsatz geachtet. Der Controller R-30iB Compact Plus unterstützt sowohl die CE- als auch die NRTL-Kennzeichnung.

Vertrauter Anblick

Die Menüoberfläche bietet den gewünscht vertrauten Anblick. Das Menü enthält eine übersichtliche Verzeichnisstruktur mit »one click set-ups« für alle wichtigen Funktionen, wie sie dem erfahrenen Programmierer ohnehin schon bekannt sind.

Je nach Bedarf lassen sich mehrere Fenster öffnen und beispielsweise Text-Editor und Instruktionen nebeneinander anzeigen. Jede Achse kann getrennt über Touch-Eingaben oder per Dateneingabe in der entsprechenden Programmzeile verfahren werden.

Die Steuerung wurde um zwei Features verbessert. So gibt es in der Sicherheitssoftware »Dual Check Safety« (DCS) zusätzliche Funktionen, die die Einrichtung definierter Sicherheitsbereiche einfacher machen. Zudem hat das Programmierhandgerät jetzt die grafische, intuitiv zu bedienende Oberfläche iHMI. Feldbusanbindung und integrierte Sicherheitsfunktionen gehören selbstverständlich zur Serienausstattung. Diese Steuerung und Bedienung lässt sich sehen – nämlich, wenn der SR-3iA auf der automatica in einer kompakten Highspeed-Anlage seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellt. Systemintegrator ASA geht dabei über branchenübliche Konfigurationen hinaus und zeigt mit drei Scaras in einer Anlage Produktlageerkennung, Produktausrichtung, positionsgenaue Produktablage und das individuell gesteuerte Ausschleusen der Produkte. Eine wichtige Rolle spielen dabei das Visionsystem iRVision und die Fanuc eigene Line-Tracking-Software. Clou der Anlage sind jedoch Steuerung und Bedienung über ein Tablet und die iRProgrammer-Oberfläche. Als Steuerung dient der neue R-30iB-Compact-Plus-Controller.

Neue Robotermodelle

Außerdem stellt Fanuc auf der automatica den CR-15iA vor, also einen Roboter mit 15 Kilogramm Traglast. Das Konzept: Man nehme einen Industrieroboter »aus dem Regal« und versehe ihn mit einem sehr sensiblen Kraft-Momenten-Sensor. Die Basis des kollaborativen Roboters ist ein Industrieroboter M-10iD, der in Gelb seine Premiere ebenfalls auf der automatica feiert. Die beiden Roboter haben eine weitgehend identische Mechanik. Aus Sicht von Fanuc hat das zwei ganz wichtige Vorteile: prinzipiell gleiche Gestaltung der Roboterzelle und vereinfachte Ersatzteilhaltung. Da der CR-15iA direkt von einem Serienroboter abgeleitet ist, ergibt sich für den Betreiber auch die gleiche Performance wie beim industriellen Serienroboter. Ralf Winkelmann, Geschäftsführer der Fanuc Deutschland GmbH, Neuhausen, dazu: »Es sind ja eigentlich zwei Industrieroboter, die sich lediglich im Einsatzzweck unterscheiden. Der eine ist gelb, der andere ist grün.« Das bedeutet auch gleiche Zuverlässigkeit, gleiche Verfügbarkeit und gleiche Ersatzteile. Sowohl der M-10iD als auch der CR-15iA arbeiten mit der Steuerung R-30iB plus.

Gleicher EInsatzbereich

Der kollaborative 15-Kilogramm-Roboter zielt auf die gleichen industriellen Einsatzbereiche wie auch der M-10iD: Handling und Einsatz in der Logistik bei Verpackungsaufgaben. »Wir sehen aber auch den Einsatz im Bereich Quality Control – ein Bereich, der noch stark von manuellen, inzwischen gut zu automatisierenden Tätigkeiten geprägt ist«, heißt es bei Fanuc.

Wie bei allen CR-Robotern ist auch beim CR-15iA der Sensor im Robotersockel untergebracht. Und auch wenn es bei der ursprünglichen Konzeption des Roboters nicht beabsichtigt war: Dass der Roboter auf dem Sockel sitzt, verbessert seinen Arbeitsraum, beispielsweise beim Beladen von Kartons. Fanuc orientierte sich mit dem ersten Modell, dem vor drei Jahren vorgestellten CR-35iA, gleich in einer Traglastklasse, die dem industriellen Bedarf entspricht. Mit Erfolg, wie Beispiele bei Automobilherstellern, Automobilzulieferern und Herstellern von Produktionsgütern zeigen.

Noch mehr Neues

Fanuc bringt aber noch eine weitere Neuerung nach München mit, die eine Automatisierung von Maschinen noch einfacher als bisher machen soll: das QSSR-Package. Die Abkürzung steht für »Quick and simple Start-up of Robotization«. Damit treibt das Unternehmen seine »Easy-to-use«-Initiative weiter voran. Für die Anbindung eines Roboters an die Werkzeugmaschine gibt es zum einen standardisierte Hilfen zur Verdrahtung und vorgefertigte Programmbausteine, beispielsweise für die Realisierung von Be- und Entladeaufgaben. Die Konfiguration eines Systems aus Werkzeugmaschine und Roboter soll dann mit einem einfachen Set-up-Programm erfolgen können.

Eine Vorgängerversion gab es vor zwei Jahren mit dem »Quick Start-up Package«, kurz QSP. Dieses Paket diente der einfachen Integration eines Roboters zum Be- und Entladen der Maschine. Vorgestellt hatte Fanuc QSP in Verbindung mit der Robocut-C800i. Wie an der Entwicklung des QSSP-Packages zu sehen ist, sind auch im Bereich CNC zwei Schwerpunkte seit Jahren durchgängig: einfache Bedienung und leistungsstarke Technologieunterstützung.

Jetzt auf Scara setzen?

Die Zahl der Roboter steigt – bei Fanuc sogar deutlich über dem Marktdurchschnitt weltweit. Zum ersten Mal war im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 – ausweislich des Geschäftsberichtes – die Roboter-Division die umsatzstärkste Division von Fanuc. Der Umsatz insgesamt stieg im Vergleich zum Vorjahr um 35,3 Prozent auf 726,6 Milliarden Yen. Auf die Roboter-Division entfielen 31,3 Prozent.

In dieses Erfolgsjahr fällt ein bemerkenswerter Rekord: Wie es im Geschäftsbericht von Fanuc heißt, habe das Produktionsvolumen Ende November 2017 die Zahl von 500.000 Robotern überschritten. Um für die weitere Nachfrage gewappnet zu sein, baut Fanuc seine Kapazitäten gerade mit einer dritten Produktionsstätte aus. Die monatliche Produktionskapazität wird dann bei 10.000 Einheiten liegen.

Dagegen war der Scara-Markt zuletzt weltweit um etwa 13 Prozent gestiegen, nachdem sich das Wachstum jahrelang sehr bescheiden ausgenommen hatte. Rund drei Viertel des Robotik-Volumens werden in Asien eingesetzt – dort vor allem in China. Die prognostizierten Steigerungsraten (automation berichtete) liegen zwischen fünf Prozent von 2017 bis 2021 (Technario Market Research) und acht Prozent (Research and Markets) ebenfalls bis 2021. Das spiegelt auch in etwa die Erwartungen bei Fanuc wider. Zwei Gründe gibt es für Fanuc, jetzt in den Scara-Markt einzusteigen, wie Winkelmann erläutert: »Wir schließen damit eine Lücke in unserem Portfolio, und wir haben die Nachfrage nach einem solchen Produkt.«

Da ist es nur konsequent, nicht nur mit einem einzigen Modell auf den Markt zu kommen, sondern gleich zwei Modelle in den gefragtesten Traglastklassen vorzustellen. Gut möglich, dass weitere Modelle folgen. Zumindest war das die bislang gepflegte und erfolgreiche Vorgehensweise auch bei anderen Baureihen wie jener der kollaborativen CR-Roboter.

Marktunterstützung

Zusätzliche Marktunterstützung, was den Robotereinsatz betrifft, kann und wird das Europäische Entwicklungszentrum in Neuhausen liefern, das derzeit nach und nach auf- und ausgebaut wird. Aufgabe dieses Zentrums ist es, markt- und kundengetriebene Projekte aufzugreifen und an der Schnittstelle zwischen Forschung und Entwicklung in Japan und der Projektrealisierung von Systemintegratoren in Deutschland und Europa voranzutreiben. Winkelmann dazu abschließend: »Dies erfordert große Kundennähe, wobei hier das Herz in Europa schlägt. Dieser Arbeit werden wir uns intensiv widmen, und zwar für alles, was ›One Fanuc‹ umfasst: Industrieroboter, CNC-Systeme und Robomachines. Teilweise sind schon Entwicklungsingenieure aus Japan vor Ort. Das zeigt einerseits die generelle Bedeutung des Zentrums, andererseits die globale Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens.« Nicht nur weil es »Europäisches Entwicklungszentrum« heißt, sondern auch weil sich viele Entwicklungsfragen europaweit ergeben, sind alle Ländergesellschaften Teil dieses Projektes.

Halle B6, Stand 330

Erschienen in Ausgabe: 01/2018