Gutes Taktgefühl

Fertigungsautomation

Zuführtechnik - Musiker kennen das: Wer schneller spielt, ist früher fertig und hat noch Zeit für eine Zugabe. Bei der Hirschmann Automotive GmbH hat die minimale Erhöhung der Taktzeit den Output um 300.000 fertig montierte Steckverbinder pro Jahr gesteigert.

14. April 2015

Seit dem vergangenen Jahr entwickelt und baut die Pfuderer GmbH nicht nur Montagemaschinen- und -anlagen, sondern auch Zuführtechnik, denn das Ludwigsburger Unternehmen fungiert innerhalb der Teamtechnik-Gruppe als Kompetenzzentrum für die Teilebereitstellung.

Von Maschinen und Zuführtechnik aus einer Hand profitiert unter anderem die Hirschmann Automotive GmbH. Das Unternehmen mit Sitz im österreichischen Rankweil garantiert den Abnehmern seiner Steckverbinder für Sensoren und Aktuatoren im Motorraum unter anderem deren kompakte Bauweise, Wasserdichtheit und Vibrationsfestigkeit. Solche Eigenschaften erfüllen sicher hohe Anforderungen hinsichtlich Ausfallsicherheit und uneingeschränkter Funktionsfähigkeit.

Mehrpolige Kfz-Steckverbinder für Sensoren sind (zugegeben) Massenprodukte, jedoch müssen sie der Null-Fehler-Philosophie in allen Branchen 100-prozentig genügen. Um sie auch konkurrenzfähig anbieten zu können, müssen die Steckverbinder profitabel und mit möglichst hohem Output gefertigt werden. Ein typischer Fall für die Automatisierung also, konkret der Montageprozesse von Buchsengehäuse, Lippendichtungen, Schutzkragen und -riegel. Das erfolgt bei Hirschmann Automotive schon seit 2010 auf einem kurvengesteuerten und damit energieeffizienten und kompakt bauenden Ringtransfersystem (RTS) der Ludwigsburger Pfuderer GmbH; mit 40 Takten pro Minute.

»Wenn wir die Leistung einer Maschine um einen halben Takt erhöhen können, produzieren wir 300.000 Stecker mehr pro Jahr«, erklärt Wilfried Lins, Gruppenleiter Maschinenkonstruktion bei Hirschmann. Für ihn ist daher schon die kleinste Verbesserung der Geschwindigkeit ein großer Wurf. Eine Schlüsselrolle bei diesem Geschwindigkeitstuning spielt die Zuführtechnik, denn in der Hirschmann-Fertigung gibt es kaum eine Produktionsanlage ohne mehrere Zuführeinrichtungen.

»Um wirklich effizient arbeitende Zuführungen für unsere Anlagen zu erhalten, haben wir uns im Frühjahr 2013 von zugekauften Lösungen verabschiedet und setzen seitdem auf Inhouse-Entwicklungen«, sagt Gerhard Baun, Projektleiter Zuführtechnik bei Pfuderer. Mehr als einhundert Zuführsysteme wurden bereits realisiert und ausgeliefert. Pfuderer ist spezialisiert auf schnelltaktende Montageanlagen und entwickelt dafür passende Zuführungen als Teil des ganzen Maschinenkonzepts. Damit kann das Potenzial einer Anlage voll ausgeschöpft werden.

»Einzelteile müssen fehlerfrei und in geforder-ter Taktzeit zugeführt, sortiert und lagerichtig bereitgestellt werden. Mit unserem Baukastensystem entwickeln wir dafür Systeme, die maßgefertigt und dennoch zu einhundert Prozent reproduzierbar sind«, so Baun. Auf diese Weise lassen sich die Zuführungen an jede Anforderung einer Anlage anpassen und bieten größere Schnittstellen- und Prozesssicherheit für die Produktion.

Im Angebot sind unterschiedliche Sortier- und Zuführlösungen vom Wendelförderer bis hin zu Komplett-Zuführsystemen. Bis 2013 vergab Hirschmann-Gruppenleiter Lins die Aufträge für Grundmaschine und Zuführungen getrennt, doch die Möglichkeit beides aus einer Hand zu erhalten, vereinfacht für ihn die Projektkoordination. Er hat auf diese Weise weniger Abstimmungsbedarf, aber mehr Sicherheit, dass die Anlage auch wirklich pünktlich betriebsbereit am Einsatzort steht.

Die Zusammenarbeit mit nur einem Partner macht die zeitliche Planung leichter: »Wenn ich bei Pfuderer beides bestelle, bekomme ich beides zum richtigen Zeitpunkt. Dort kennt man die notwendigen Platzverhältnisse für die Zuführsysteme, weil ja schließlich auch die Maschine von dort kommt. Das spart Zeit und Kos-ten«, so Lins Erfahrung.

Drei Pfuderer-Maschinen mit sieben bis zu zehn Zuführungen stehen inzwischen in den Werken von Hirschmann. Von Maschine zu Maschine konnte die Taktzahl erhöht werden. Die erste Maschine montiert Steckverbinder mit 40 Takten; Maschine zwei und drei arbeiten bereits um bis zu fünf Takte schneller. Etwa 13 Prozent mehr Teile können so pro Jahr bei gleichen Baukosten für Maschine und Zuführung als Output erzielt werden.

Einige der Bauteile für die Steckverbindungen verlangen eine technisch besonders anspruch-volle Zuführung: Sie sind sehr klein und besonders biegsam. Schwierig zu verarbeitende ölige Dichtungen gehören ebenfalls dazu.

Im Kompetenzzentrum für Zuführtechnik bei Pfuderer in Ludwigsburg werden dafür Wendelförderer aus Edelstahl mit spezieller Beschichtung eingesetzt. Ihr großes Plus gegenüber solchen aus Kunststoff ist, dass mit ihnen flexiblere Lösungen für die Orientierung der einzelnen Bauteile möglich sind. Durch die passgenaue, lagerichtige Zuführung der Bauteile vereinfacht sich das Handling in der Grundmaschine. Als Konsequenz ergibt sich daraus eine höhere Taktung, wie Sandra Lutzenberger, Projektleiterin bei Pfuderer, erklärt: »Alle Bauteile werden in der optimalen Montagelage bereitgestellt, um zusätzlich Bewegungen in der Maschine zu vermeiden. So ergänzt ein Verbesserungsdetail das nächste und trägt in Summe zu reduzierten Kosten und erhöhter Taktung bei.«

Service-Support vor Ort

Mit Abnahme und Auslieferung der Maschine hört die Zusammenarbeit zwischen Hirschmann Automotive und Pfuderer jedoch nicht auf. Als Tochter der international tätigen Teamtechnik-Gruppe kann Pfuderer einen weltweit funktionierenden Service-Support anbieten. Eine Zusatzleistung, die bei Hirschmann gerade recht kommt: 2013 hat das Unternehmen einen Produktionsstandort in der chinesischen Provinz Jiangsu eröffnet. In dieser wirtschaftlich starken Region ist auch Teamtechnik mit zwei Werken vertreten. Zwei der von Pfuderer gefertigten Maschinen werden in Zukunft in Jiangsu Steckverbindungen in Hochleistungsgeschwindigkeit montieren.

Erschienen in Ausgabe: 03/2015