Flottes Slot-Management

Elektroautomation

Signalleuchten - Die IO-Link-Signalleuchte SmartLight von Balluff ist frei und einfach programmierbar. Wahlweise lassen sich Segment-, Level-, Lauflicht- und Fleximodi mit einem breiten Farbspektrum darstellen. Im VW-Werk Wolfsburg informieren die leuchtenden Botschafter Fahrer über freie Slots zur Fahrzeugaufbereitung.

18. September 2018
Bild: Balluff GmbH
Bild 1: Flottes Slot-Management (Bild: Balluff GmbH)

Am Ende des Montagebandes steht für sämtliche Fahrzeuge der neuen Tiguan-Serie im VW-Werk Wolfsburg der finale Qualitätscheck an. Fahrzeuge mit »alles OK«-Plazet werden auf einen zentralen Sammelplatz chauffiert und dort für den Transport zum Händler vorbereitet. Modelle, die Handlungsbedarf aufweisen, werden von Werkern zu Fertigstellungsplätzen mit entsprechender Werkzeug- und Prüfstandausstattung gefahren. 

Früher konnte es dabei mitunter zu Kollisionen kommen. Unvermittelt frei werdende Slots lösten Rangierbewegungen aus oder die Fahrer mussten gar eine Extrarunde drehen und die Slots erneut ansteuern.

Volkswagen erkannte hier das Optimierungspotenzial: Wenn der Werker bereits bei Übernahme des Fahrzeuges einen Überblick über die Belegung der Slots erhielte und noch dazu die Information bekäme, welcher als nächster frei würde, müssten sich die logistischen Abläufe zwischen Montageband und Arbeitsplätzen sowie der Fertigstellungsprozess insgesamt spürbar optimieren lassen. 

Pilotprojekt

Gemeinsam mit dem langjährigen Projekt- und Kooperationspartner Balluff entwickelte Volkswagen ein Pilotprojekt, das im Kern auf der neuen Signalleuchte SmartLight von Balluff und IO-Link aufbaut. 

Heute sind die Wagenfertigstellungsplätze der neuen Tiguan-Produktionslinie im VW-Werk Wolfsburg mit den vielseitigen LED-Signalleuchten von Balluff ausge-stattet. Über ein Display am Ende der Montagelinie erhalten die Fahrer einen ersten Überblick über den Belegungsstatus aller Slots. 

Eine für jeden Platz

»Weil der tatsächliche Zeitaufwand für noch auszuführende Arbeiten nicht immer im Detail abschätzbar ist, haben wir an jedem Platz eine SmartLight installiert. Diese informiert den Fahrer über die Belegung respektive über den aktuellen Stand der Dinge an der jeweiligen Box«, sagt René Dorn, im Werk Elektroplaner mit dem Fokus auf Kommunikationstechnologie und Innovationen im Bereich der Automatisierungs- und Prüftechnik.

Schwenkt der Fahrer auf die Zufahrt der aneinandergereihten Arbeitsplätze ein, erkennt er anhand der weithin sichtbaren Signalleuchten auf einen Blick, welche Position er ansteuern kann. Eine komplett grün leuchtende SmartLight signalisiert, dass dieser Platz frei ist. Belegt das Fahrzeug einen freien Slot, springt die Leuchte auf Rot. Dem Arbeitsfortschritt entsprechend wechselt die Leuchte nun, Scheibe um Scheibe und von oben nach unten, von Rot zu Grün.

Zeigt die Signalleuchte etwa im unteren Viertel noch Rot und darüber zu drei Vierteln bereits Grün, weiß der Fahrer, dass dieser Platz in Kürze frei wird. Mit dem Einsatz der SmartLight spart VW Zeit, vermeidet unnötigen Fahraufwand und sorgt für effizientere Prozessabläufe.

Einfacher Anschluss

»Ein wesentlicher Vorteil für uns ist, dass Anschluss und Installation der SmartLight denkbar einfach sind. Umständlicher Verkabelungsaufwand entfällt, mit dem dreiadrigen Standardkabel ist die Leuchte über einen Master unmittelbar mit der Steuerung verbunden und die maximale Funktionalität hergestellt«, erklärt Dorn und führt weiter aus: »Mit geringem Aufwand werden der Leuchte gewünschte Funktionen und Farben zugewiesen, ohne diese anfassen zu müssen.

Falls erforderlich sogar On the fly im Betriebsmodus. Besonders interessant ist der neue Fleximode, der es für jede Scheibe einzeln ermöglicht, die Farbe als RGB-Code sowie die Helligkeit im angesteuerten und nicht angesteuerten Modus einzustellen. Mit diesem Modus haben wir die Möglichkeit, anwendungsspezifisch jeweils eine komplett anders aussehende und funktionierende Smart-Light zu betreiben. Diese freipara-metrierbare SmartLight erweitert das Anwendungsgebiet der Leuchte enorm.«

Viele Zustandsanzeigen

Tatsächlich hat die moderne LED-Signalleuchte auf IO-Link-Basis mit klassischen Signallampen nur noch einige Grundfunktionen gemein. Mit den Betriebsarten Stacklight, Level, Runlight und Fleximode kann die SmartLight eine große Bandbreite an Zustandsanzeigen, Warnbotschaften oder Handlungsaufforderungen übermitteln und übertrifft damit den Funktionsumfang modular aufgebauter Signallampen bei Weitem. Jede der einzelnen 20 Scheiben des rund 30Zentimeter hohen Leuchtstabes ist separat ansteuerbar. Farben und Zonen sind nicht fest zugewiesen, sondern frei programmierbar.

Detaillierte Darstellung

Mit einem breiten und frei wählbaren Farbspektrum lassen sich unterschiedlichste Betriebszustände detailliert darstellen, Tendenzen oder gar Verläufe von physikalischen Größen ablesen. So kann der Nutzer im Lauflicht-Modus ein Segment beliebiger Größe automatisch durch die Signalleuchte wandern lassen. Dabei ist nicht nur die Farbe des sich bewegenden Segmentes frei wählbar, sondern auch die Hintergrundfarbe. 

Steht eine Änderung an, muss weder die Lampe demontiert noch Segmente neu verschraubt werden. Die Definition der Farben und die entsprechende Programmierung der SmartLight erfolgt auf einfache Weise über die SPS durch eine Bit-Adressierung des IO-Link-Adressbereiches. Im Level-Modus wird ein Analogwert optisch über die IO-Link SmartLight dargestellt. 

Doch nicht nur das früher übliche und aufwendige Kombinieren verschiedenfarbiger Module zu einer Leuchte ist damit Vergangenheit. SmartLight optimiert darüber hinaus auch die Lagerhaltung: Anstelle von fünf bis zehn einzelnen Segmenten und diversen Zubehör-teilen muss heute nur noch ein kompletter Leuchtentyp bevorratet werden. Wie alle anderen IO-Link-Devices ist auch die SmartLight in sämtliche Feldbusse integrierbar. 

Weitere Aufgabenfelder

Dorn sieht für die innovative LED-Signalleuchte durchaus noch weitere Aufgabenfelder bei Volkswagen: »Mit der SmartLight können wir eine Vielzahl bislang kaum oder nur sehr schwer darstellbarer Sachverhalte visualisieren. Gerade weil die Lampe universell und flexibel einsetzbar ist, sehen wir Einsatzmöglichkeiten wie zum Beispiel bei der Teilebevorratung, der Anzeige von Flüssigkeitsständen oder auch zur Abfrage des aktuellen wie täglichen Energieverbrauchs für bestimmte Anlagenmodule«, fasst er zusammen. 

Die Chancen stehen also gut, dass die SmartLight von Balluff auch bei künftigen Aufgaben im VW-Konzern eine leuchtende Rolle spielen wird. 

Motek: Halle 5, Stand 5305

Erschienen in Ausgabe: 05/2018

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