Fünf Fragen an...Michael Fraede

Ende Juli steigt Weiss ins Robotik-Geschäft ein. Im exklusiven Interview sprach der noch junge CEO der Weiss.Cube GmbH, ein Tochterunternehmen, über die Gründe für diesen Schritt.

18. Juni 2019
Fünf Fragen an...Michael Fraede
(Bild: Weiss GmbH)

Herr Fraede, die Weiss GmbH hat bekannt gegeben, ab Ende Juli 2019 Delta-Roboter auf den Markt zu bringen. Was waren Ihre Beweggründe, die Nachfrage Ihrer Kunden oder vor allem die eigene Expertise?

Groß geworden ist Weiss mit seinen Rundschalttischen, die hinsichtlich Schnelligkeit, Präzision und Langlebigkeit immer noch Maßstäbe setzen. Heute bieten wir Systemintegratoren ein nahezu komplettes Portfolio an Komponenten für die Automation aus einer Hand: Rundschalttische, Schwerlastrundtische und Lineare Transfersysteme für den Transport, Pick-and-Place-Module, Linearmotorachsen für die Handhabung und Montage, ganze vormontierte Industriesysteme sowie Zubehör wie Werkzeugplatten oder Gestelle. Da ist der Schritt zur Robotik eigentlich naheliegend.

Welche Art von Delta-Robotern werden Sie in erster Linie liefern, mit wie vielen Achsen und mit wie vielen Rotationsfreiheitsgraden?

»Der Arbeitsbereich unserer Deltas liegt zwischen 200 und 2.000 Millimetern. Wir können damit Nenntraglasten von 0,5 bis 50 Kilogramm bewegen. «

— Michael Fraede, CEO der Weiss.Cube GmbH

Eine Kernkompetenz von Weiss ist die genaue Auslegung der Produkte auf die Anforderungen der Kunden. Wir greifen bei den Delta-Robotern auf eine Auswahl verschiedener Konstruktionen zurück. So ist von zwei bis fünf angetriebene Achsen mit bis zu drei translatorischen und optional zwei rotatorischen Freiheitsgraden alles möglich. Alle Achsgelenke sind mit Rollenlagern ausgestattet, die selbst bei hoher dynamischer Belastung auf Dauer höchst präzise arbeiten – und das Ganze wartungsfrei.

Welchen Aktionsradius respektive welche Reichweite werden sie haben?

Der Arbeitsbereich unserer Deltas liegt zwischen 200 und 2.000 Millimetern. Wir können Nenntraglasten von 0,5 bis 50 Kilo- gramm bewegen. Dadurch werden Anwendungen möglich, bei denen man bisher nie an einen Delta-Roboter gedacht hat.

Für welche Aufgaben werden sie sich eignen?

Durch die Individualisierung von elektronischen Konsumprodukten, pharmazeutischen Produkten und vielen weiteren werden zunehmend die typischen Handlingeinheiten, die nur einen Prozessschritt ausführen können, durch Delta-Roboter ersetzt. Damit kann auch in der Variantenvielfalt höchste Präzision garantiert werden. Aber die Deltas müssen gleichermaßen genau wie schnell sein und dürfen auch kein Vermögen kosten. Genau diese Überlegungen haben zu überschaubaren und kostenoptimierten Robotern in der Tischgröße geführt. Extrem schnelles Umsetzen, Verpacken, Montieren oder Sortieren ist mit Weiss’ neuen Delta-Robotern möglich.

Von wem stammt die Steuerung?

Alle unsere Produkte werden mit eigener Steuerung beziehungsweise eigenem Control Package angeboten. So werden auch unsere Delta-Roboter mit einer speziellen, angepassten Software und Antriebsreglern ausgeliefert, wie üblich Plug and Work. Das bedeutet, unsere Kunden müssten nur noch die mitgelieferten Kabel einstecken, sich mit dem Browser auf die IP-Adresse einwählen und schon kann es mit der Inbetriebnahme losgehen. Unsere Bedienoberfläche und Benutzerführung sind komfortabel und intuitiv. In weniger als einer Stunde ist unser Delta-Roboter in Betrieb genommen – selbst ich schaffe das. Außerdem verfügt die Software über umfangreiche Diagnose- und Optimierungsfunktionen und ist mit allen gängigen Feldbus-Schnittstellen ausgestattet – inklusive OPC UA.

Erschienen in Ausgabe: 04/2019