Finale – Fredy Doll

Nachdem sich die IPR-Firmengründerin Petra Söhner-Doll und ihr Mann Dr. Theo Doll in diesem Jahr aus dem operativen Geschäft zurückgezogen haben, übernahm Schwager Fredy Doll die alleinige Führung des Unternehmens. Im exklusiven Interview mit Chefredakteur Jürgen Vogl gibt er Einblicke in aktuelle Entwicklungen.

06. September 2016

Herr Doll, zunächst vorab vielen Dank, dass Sie unsere Fragen beantworten. In unserem Sonderheft automatica 2016 hatten wir ja bereits darüber berichtet, dass Sie derzeit ein neues Firmengebäude in Eppingen errichten lassen, in das Sie Anfang 2017 mit Mann und Maus einziehen wollen. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? Verläuft dahingehend alles nach Plan, und wie hoch ist das Investitionsvolumen?

Alles verläuft nach Plan. Im Juni haben wir den ersten Spatenstich gesetzt und aktuell sind wir mitten im Rohbau. Im Oktober beginnt der Innenausbau und im Februar werden wir in unser neues Firmengebäude einziehen. Die Investitionssumme für unsere Zukunft im Technologiepark Eppingen bewegt sich im einstelligen Millionenbereich.

 

Warum hat die Stadt Schwaigern Sie als Unternehmen nicht halten können?

Die Stadt Eppingen hat uns zur Realisierung unserer Bauprojekte eine optimale Fläche zu einem sehr attraktiven Preis angeboten. Gleichzeitig profitieren wir künftig von einer Gewerbesteuer-Ersparnis und hervorragenden verkehrstechnischen Rahmenbedingungen. Auch in punkto Internet ist uns die Entscheidung nicht schwergefallen – die Glasfaserkabel für eine optimale Breitbandversorgung werden anschlussfertig und kostenfrei verlegt. Vor allem aber sind wir auch von dem Gesamtangebot und Engagement der Stadt überzeugt.

 

Aus dem Neubau resultiert eine starke Zuversicht was die Wachstumschancen Ihres Unternehmens anbelangt. Wie entwickelt sich IPR wirtschaftlich und wie sehen Ihre langfristigen Ziele aus, zumal sich auch der Einsatz von Robotern zunehmend verstärken wird? Wo steht IPR 2020 und darüber hinaus?

Der Firmenneubau selbst ermöglicht uns weiteres Wachstum. So wird die Zusammenarbeit relevanter Fachbereiche effektiver. Beispielsweise realisiert eine direkte Anbindung der Entwicklungsabteilung an das neue Forschungs- und Testzentrum künftig kürzere Wege für eine schnellere und direktere Zusammenarbeit. Aber auch unser strategischer Fahrplan fokussiert auf Wachstum. Zum einen verstärken wir unsere Entwicklungsaktivitäten im Bereich Standardprodukte und schaffen neue Geschäftsfelder rund um das Thema Elektromobilität. Zum anderen sehen wir auch, dass die Industrie den Einsatz von Robotern weiter verstärken wird und damit der Markt für Roboterkomponenten auch künftig wächst. Gleichzeitig sind wir mit unserem robusten Geschäftsmodell für internationales Wachstum gut gerüstet. Potenzial sehen wir vor allem in den USA, China und Brasilien. 

 

Hersteller von Greifern und Greifsystemen gibt es einige. Wo sehen Sie sich hier – Stichwort Marktanteile – und wie setzen Sie sich gegenüber Ihren Mitbewerbern durch?

Unser Produktprogramm umfasst Greifer, Werkzeugwechsler, Füge- und Ausgleichselemente, Drehmodule, Kraft-Momenten-Sensoren und Kollisionsschutzsysteme in zahlreichen Baugrößen für die verschiedensten Lastbereiche. Auch wenn wir mit rund 80 Mitarbeitern nicht zu den Großen unserer Branche gehören, sind wir äußerst leistungsfähig und auch unmittelbar an den Entwicklungs- und Fertigungstechnologien von Unternehmen zahlreicher Branchen beteiligt. Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir unsere Standardprodukte mit einer ISO-Schnittstelle für alle Robotertypen anbieten. Das ermöglicht eine Einbindung unserer Komponenten ohne Zwischenflansch.

 

Auf der Motek 2016 werden Sie einen neuen Hybrid-Parallelgreifer präsentieren. Der elektrisch-pneumatische Antrieb ermöglicht schnelles servomotorisches Positionieren und prozesssicheres pneumatisches Greifen. Für welche Anwendungen/Anwender ist das besonders interessant?

Der hybride Standardgreifer kann in allen Branchen eingesetzt werden. Für die Handhabung von Werkstücken unterschiedlichster Größen eignet er sich optimal. Durch den integrierten Servomotor können Hübe frei programmiert werden. Zudem ermöglicht eine exakte Vorpositionierung der Greiferbacken eine Minimierung der Taktzeiten. Durch das zweite pneumatische Antriebssystem ist ein dauerhafter Betrieb des Elektromotors nicht nötig – das schützt ihn und spart Energiekosten. Dadurch, dass der Roboter mit dem Greifer kommunizieren kann, ist eine schnelle und einfache Interaktion, wie Industrie 4.0 sie fordert, garantiert. Darüber hinaus ist unser Parallel-Hybridgreifer mit Zubehör für Mess- und Prüfaufgaben einsetzbar.

Erschienen in Ausgabe: 05/2016