Finale – Florian Niethammer

Interview mit Florian Niethammer, Projektleiter der Messe Stuttgart Die Bildverarbeitungsbranche boomt weiterhin und die Vision, Weltleitmesse für die industrielle Bildverarbeitung (IBV), wird zunehmend internationaler. Vor diesem Hintergrund stand uns der Projektleiter der Messe Stuttgart Rede und Antwort.

24. Oktober 2016

Herr Niethammer, an der Vision 2014 beteiligten sich über 400 Aussteller – ein erneutes Rekordergebnis. Wieviele Aussteller erwarten Sie 2016? Und: 2014 kamen 54 Prozent der Aussteller aus dem Ausland. 2016 sollen es 57 Prozent sein. Wie gehen Sie mit dem Thema der zunehmenden Internationalisierung um?

Wir zählen erneut bereits über 400 ausstellende Firmen und wollen unser bisheriges Rekordergebnis mit der VISION 2016 vom 8.-10. November toppen. Die Bildverarbeitungsbranche war seit jeher sehr stark international vernetzt. In der Zwischenzeit steuern wir mit unserem Auslandsanteil sogar eher in Richtung der 60 Prozent. Als Messe sind wir „natürliches“ Abbild des weltweiten Bildverarbeitungsmarktes. Aktuell erleben wir ein deutliches Wachstum aus Asien und dabei im Speziellen an chinesischen Anbietern, die mit gestiegenem Vertrauen ihre Produkte auf dem europäischen Markt präsentieren. Wir freuen uns darüber, Gastgeber für viele Keyplayer, aber auch viele neue Player aus allen Weltregionen sein zu dürfen, die alle bereits voller Vorfreude auf ihre Leitmesse sind.

 

Neben der Robert Bosch GmbH, der di-soric Solutions GmbH & Co. KG und der ifm-Unternehmensgruppe gibt es eine Reihe weiterer Hersteller, die erstmalig auf der Vision ausstellen. Was veranlasst diese Unternehmen zu diesem Schritt oder welche Bestrebungen stellen Sie an, um „Neukunden“ zu gewinnen?  

Die VISION hat für 2016 neue Aussteller hinzugewonnen, die sich und ihre Kompetenz in der industriellen Bildverarbeitung neu oder verstärkt positionieren möchten. Ifm hat beispielsweise in Kooperation mit PMD Technologies seine Entwicklungen vorangetrieben und damit sein Portfolio stark erweitert. Dieses umfasst neben 2D- und 3D-Kameras inzwischen auch das passende Zubehör, zum Beispiel LED-Beleuchtung. Auf der VISION möchte ifm zeigen, was mit ifm-Systemen möglich ist. Aus einem ähnlichen Grund kommt di-soric Solutions neu dazu. Das Unternehmen hat seine Angebotspalette deutlich erweitert und möchte diese auf der VISION präsentieren. Auch für die Robert Bosch GmbH ist Bildverarbeitung kein Neuland. Bosch bietet Lösungen für die flexible, vernetzte Fabrik der Industrie 4.0 an und hat diese bereits in der eigenen Produktion im Einsatz. Auch Anwender außerhalb der Bosch-Gruppe nutzen dieses Angebot und diese sollen auf der VISION verstärkt angesprochen werden.

 

Die 3D- und Hyperspektral-Bildverarbeitung sowie das steigende Interesse an 3D-Kameras sind nur drei von einigen Trends in der Bildverarbeitung. In welchen Themen sehen Sie die größten Potenziale?

Für immer mehr Branchen wird Bildverarbeitungstechnologie zusehends unersetzlich, zum einen im Umfeld von Industrie 4.0 oder wenn es darum geht, 100%-Produktqualität zu garantieren. Zudem gewinnt Bildverarbeitung in nicht-industriellen Branchen stetig an Bedeutung. Die diesjährige Vision hat aus unserer Sicht drei technologische Trendthemen, die die Trends der Branche spiegeln: Embedded Vision, 3D-Bildverarbeitung und Hyperspectral imaging.

 

Welche Neuerungen oder Highlights, abgesehen von den Komponenten und Systemen der Aussteller, dürfen die Besucher vom Veranstalter 2016 erwarten? Womit lockt die Messe Stuttgart in diesem Jahr?

Neben den Trendthemen, die sich in der Ausstellung abbilden, freuen wir uns auch in diesem Jahr wieder sehr auf die Highlights, die parallel zur Produktpräsentation laufen. So darf man z.B. gespannt sein auf die Forschungsprojekte, die im Rahmen der VDMA Technologietage gezeigt werden oder die über 80 Präsentationen und Vorträge in den Foren.

 

Die Ausstellung wird mit speziellen Veranstaltungsmodulen wie der Integration Area oder dem Forum Industrial Vision Days ergänzt. Was erwarten Sie von diesen Modulen und für wen ist was besonders interessant?

Auf der VISION wird die gesamte Bandbreite der Bildverarbeitung abgebildet. Für die Besucher ist die Orientierung anhand von speziellen Ausstellungsbereichen bei der gebotenen Vielfalt einfacher. Viele Fachbesucher kommen mit einem konkreten Anliegen auf die Messe. Ob der Besucher beispielsweise gezielt nach Systemintegratoren und Lösungsanbietern sucht oder einen Partner finden möchte, der Referenzen und Kompetenzen im Bereich Food & Beverage vorweisen kann – mit den gekennzeichneten Themenschwerpunkten ist es einfacher, den Überblick zu behalten und den passenden Ansprechpartner zu finden. Bildverarbeitung im Bereich Traffic & Transportation, Industrie-PCs und Bildverarbeitungsstandards sind weitere interessante Themenbereiche.

 

Nach einem Umsatzplus von neun Prozent auf zwei Milliarden Euro in 2015 erwartet die deutsche Bildverarbeitungsbranche in diesem Jahr ein Umsatzplus von acht Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Was sind Ihrer Meinung nach die wesentlichen Wachstumstreiber?

Bildverarbeitungs-Produkte werden immer kleiner, günstiger, leistungsfähiger und einfacher zu konfigurieren. Wir beobachten, dass Bildverarbeitung von Jahr zu Jahr für einen viel größeren Kreis an Anwendern relevant wird und durch ihre inzwischen einfachere Bedienbarkeit auch zugänglicher wird für Branchen und deren Fachkräfte, die erst damit beginnen, sich mit Bildverarbeitung auseinanderzusetzen. Darüber hinaus sorgt auch der weltweite Trend zur Automatisierung – insbesondere die Robotik als Wachstumstreiber – für volle Auftragsbücher in der Bildverarbeitungsbranche.

Erschienen in Ausgabe: 06/2016