Finale - Axel Zimmer

Axel Zimmer leitet die Entwicklungsabteilung des Bildverarbeitungsspezialisten Kappa optronics. Im Interview mit automation berichtet er über die feinen Unterschiede zu den Mitbewerbern.

13. Januar 2015

Das Projektgeschäft ist sehr entwicklungslastig. Ist es nicht ein hoher Druck, immer wieder neu zu entwickeln?

Es ist immer wieder spannend. Aber es handelt sich nicht immer nur um reine Neuentwicklungen. Häufig wird für den Kunden optimiert und angepasst. Also nicht immer nur Neuland, sondern Anforderungen, die sich aus unserem Technologie-Portfolio bedienen lassen. Allerdings entwickeln wir auch neue Technologien für Kundenprojekte. Damit erweitern wir das Portfolio. Das erfordert immer klare Abgrenzungen im Bereich Intellectual Properties, um unseren Kunden die nötige Sicherheit zu geben.

Wie sieht die Mannschaft aus, mit der man solche Aufgaben bewältigt?

Um unsere typischen Aufgaben bewältigen zu können, haben wir klare Führungs- und Verantwortungsstrukturen. Drei Abteilungen – Electrical Design, Mechanical Design und Software – decken das gesamte Spektrum ab. Die Einsortierung der technischen Disziplinen in ein Projektteam ist sehr komplex, die Zuständigkeitsüberkreuzung und Weisungsbefugnis werden nach dem Prinzip der Matrixorganisation eng angelegt. Das Ergebnis ist die perfekte Koordination aller Leistungen für das Kundenprojekt.

Gibt es den berüchtigten Flaschenhals?

Nein, obwohl die Anzahl der Wechselwirkungen und die Vielzahl der Vorgänge zunimmt.

Das Zusammenführen der fachlichen und projektbezogenen Themen erfordert ein Höchstmaß an Koordination. Mit einer flexiblen Organisation vermeiden wir Totzeiten. Das tun wir mit einem festgelegten Gremium, dem Projektlenkungskreis, der rechtzeitig »erkennt« und »benennt«.

Um die verschiedenen Branchen zu bedienen, arbeiten wir mit Portfolio-Modulen. Das sind Kameraprofile, die den Anforderungen der jeweiligen Branchenapplikationen sehr nah kommen. Nicht nur die technische Performance muss passen, sondern auch die Validierungsprozeduren für die verschiedenen Umgebungsbedingungen. Auch fein abgestimmte Verfügbarkeitskriterien und Sicherheitsaspekte müssen stimmen. Beispielsweise reicht FullHD 1080p allein nicht, es muss auch noch in zehn Jahren verfügbar sein. So vollständig verstehen wir den Kundennutzen.

Was unterscheidet Kappa-Kameras von üblichen Standardkameras auf dem Bildverarbeitungsmarkt?

Hier kann man nur die standardisierten Kameraprofile vergleichen, die im allgemeinen Industriesektor eingesetzt werden. Wird nur klassischer Standard benötigt, sind wir einer von vielen Anbietern am Markt. Geht es jedoch um intelligente Anpassungen und die Integration in ein übergeordnetes System, sind die Umgebungsbedingungen etwas anspruchsvoller. Dann haben wir die allerbesten Chancen, auf dem Siegertreppchen zu stehen. Für uns ist es selbstverständlich, unseren Teil im Gesamtsystem für den Kunden optimal anzupassen. Mitunter hat uns auch schon unsere klar strukturierte Vorgehensweise, wie sie in unseren Programmmanagementplänen dokumentiert ist, zum Auftrag verholfen, wenn die technischen Kriterien im Wettbewerb eher vergleichbar waren. Aber zwischen klar strukturierten Plänen und technischem Wettbewerb blitzt auch immer mal wie¬der eine echte Innovation auf. Das ist unser Lebens-elixier – ein Motivator, der uns als innovations- und risikofreudige Mannschaft zu Bestleistungen antreibt.

Was und wer gibt künftig den Takt an?

In erster Linie sind wir natürlich an den aktuellen Anforderungen unserer Kunden ausgerichtet. Gleichzeitig führe ich aber parallel eine Taskforce, die sich mit Zukunftstechnologien beschäftigt. Hier geht es um die Kombination von Elementen, die der Halbleitermarkt künftig bietet, und den Ausbau und die Entwicklung eigener Ressourcen. Ergebnis ist eine mittelfristige Roadmap, an der sich auch potentielle Kunden orientieren. Wir haben den Anspruch, mit unseren Kameras einen Nutzen zu liefern, der das System des Kunden zum Spitzenprodukt in seiner Welt macht. Nicht das einzelne technische Spitzendatum einer Kamera macht unsere Leistung wertvoll, sondern die Komposition aller ihrer Eigenschaften, abgestimmt und optimiert auf das System des Kunden.

Erschienen in Ausgabe: 01/2015