Einhändig ansteuern

SPS Bedienen/Beobachten

Joysticks - Modernes Design und bewährte Funktionen auf technisch höchstem Niveau – das charakterisiert die neuen Bedienelemente für Schubmast- und Gegengewichtsstapler, die Still und Elobau in enger Partnerschaft entwickelt haben. Die Multifunktionsgriffe liegen gut in der Hand, lassen sich einfach betätigen und steuern sicher die hydraulischen Bewegungen.

13. November 2014

Um heutzutage die hohen Anforderungen beim Heben schwerer Lasten oder bei anspruchsvollen Außeneinsätzen zu erfüllen, ist ein leistungsstarker Stapler unverzichtbar. Auf diesem Sektor ist Still eine weltweit positionierte Premium-Marke, die sich unter anderem durch ein umfangreiches Fahrzeugprogramm auszeichnet. Und die hohe Qualität der Still-Stapler kommt nicht von ungefähr: Kontinuierlich wird die Produktpalette auf aktuelles technisches Niveau gebracht. Außerdem ergänzen immer wieder neue Modelle die bewährten Fahrzeugreihen.

Neben der Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge ist es vor allem ihre komfortable Bedienbarkeit, die die Anwender begeistert. Denn wer als Fahrer den ganzen Arbeitstag über auf einem Stapler sitzt, weiß eine ergonomisch ausgestattete Kabine zu schätzen. Besondere Beachtung findet die Bedieneinheit für die Lastgabeln und Anbaugeräte. Fast permanent muss der Fahrer damit umgehen, die Paletten senken und heben, neigen oder seitlich verschieben, sodass die einzelnen Steuertasten und Wippen gut zugänglich und leicht zu betätigen sein müssen.

Schon seit vielen Jahren setzt Still bezüglich dieser Bedieneinheit auf eine Partnerschaft mit Elobau, dem Spezialisten für Bedienelemente und Sensorik aus Leutkirch. Das Unternehmen hat schon seit den 80er-Jahren einen Geschäftsbereich, der die Entwicklung und Herstellung von Fahrzeugkomponenten umfasst – von Tastern, Schalter und Sensoren über Joysticks bis hin zu kompletten Kontrollpanels. So hat Still zusammen mit Elobau vor etwa acht Jahren einen Multifunktionsgriff entwickelt, der in den Schubmaststaplern der sogenannten FM-X-Baureihe eingesetzt wird. Er enthält als Basiselement den Elobau-Standard-Joystick J5 sowie verschiedene Tasten, ebenfalls aus dem Elobau-Standardprogramm. Dieser ergonomische Multifunktionsgriff dient der einhändigen Ansteuerung aller hydraulischen Funktionen ohne Umgreifen. Zudem sind Taster für Zusatzhydraulik und eine »spürbare« Fahrtrichtung integriert – und alle Bewegungen können gleichzeitig ausgeführt werden. Als besonders vorteilhaft hat sich über die Jahre der Einsatz der wartungsfreien Sensortechnologie von Elobau erwiesen.

Neue Staplerkonstruktion – neue Bedieneinheit

Die zur Intralogistikmesse Cemat 2014 neu entwickelte Generation der FM-X-Schubmaststapler (siehe Kasten auf Seite 78) erhielt unter anderem eine neu gestaltete Fahrerkabine – und damit verbunden auch eine neue Bedieneinheit. Um das Design der Stapler kümmerten sich die langjährigen Still-Partner von Teams Design. Sie entwickelten ein äußerst modernes Erscheinungsbild, das nicht nur hohen optischen Ansprüchen genügt, sondern die Anwender vor allem durch Ergonomie und Funktionalität zufriedenstellt. Für die Neugestaltung des Multifunktionsgriffes wandte sich Still wiederum an Elobau, bestärkt durch die gute partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Vergangenheit. Die Aufgaben waren klar definiert. Denn auch bei der Bedieneinheit wollte der Staplerhersteller alle Komponenten bis ins Detail auf den neuesten Stand der Technik bringen.

Mario Halwachs, Key Account Manager für den Bereich Materialhandling bei Elobau, erinnert sich: »Es ging nicht um eine Anpassung des bisherigen Joysticks. Wir mussten ein komplett neues Produkt entwickeln, das aktuelle Standardelemente in einer neu konstruierten Basis unterbringt.« Da Still diesen Multifunktionsgriff ab sofort auch in seinen Gegengewichtsstaplern einsetzt, galt es beispielsweise, die Griffbasis so zu gestalten, dass sie sich für die beiden unterschiedlichen Einbausituationen eignet.

Die Projektleitung auf Seiten von Elobau übernahm Stefan Höß. Er betont die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Still so: »Es ist schon etwas Besonderes, wenn man gemeinsam so intensiv an Lösungen arbeitet, wie es bei diesem Projekt geschehen ist. Über die ganzen zwei Jahre wurde ein regelmäßiger Austausch gepflegt. Nur so konnten wir ein Ergebnis erzielen, von dem wir sicher sind, dass es auch die Anwender begeistert.«

Das Ergebnis ist ein Bedienelement, das sich ergonomisch in die Hand fügt und durch softe Kunststoffelemente angenehm anfühlt. Wie das Vorgängermodell enthält der Griff je eine Wippe für Fahrtrichtung und Neigen, den linearen Querschub-Schieber sowie eine Funktions- und eine Hupentaste. Still-Fachpressesprecher Jürgen Wrusch ergänzt: »Auf Wunsch lassen sich die einzelnen Wippen und Tasten auch anders belegen, sodass der Anwender seine Anbaugeräte nach Einsatzfall optimiert bedienen kann.« Er weist darauf hin, dass für Still der Anwender im Mittelpunkt steht und daher der Elobau-Joystick so ausgeführt ist, dass er sich beim Mieteinsatz des Staplers oder einem veränderten Anwendungsfall auch nachträglich als komplette Bedieneinheit gegenüber anderen Optionen wie Fingertip-Schalter ein- und auswechseln lässt.

Für den Einsatz des neuen Elobau-Griffs sprechen jedoch zahlreiche Stärken, wie Wrusch hervorhebt: »Der Griff erlaubt der Bedienhand eine angenehme Ruhelage und schont das Handgelenk. Zudem erhält der Bediener ein haptisches Feedback auf ausgeführte Funktionen. Da der Joystick mit einem Handschuh bedient werden kann, eignet er sich für Arbeiten in Kühlhäusern und durch seine Dichtheit nach IP55 auch für nasse Umgebungen. Verschiedene Testpiloten haben ihn jedenfalls sehr positiv bewertet.«

Auf die inneren Werte kommt es an

Für diese Leistungsstärke haben zahlreiche konstruktive Veränderungen im Inneren des Griffs stattgefunden. Zum Beispiel verfügt der neue Joystick JV über einen Sockel aus hochtechnischem Kunststoff, einem Polyamid mit 50-prozentigem Glasfaseranteil. Damit orientiert sich Elobau am hohen Niveau der Automobilindustrie, die das stabile und langlebige Material vielfach verwendet, zum Beispiel für Komponenten im Motorraum oder auch im Fahrwerks- und Antriebsbereich. Höß erklärt: »Elobau hat den Vorteil, dass die komplette Prozesskette vom Werkzeugbau bis zum Spritzguss inhouse abgedeckt wird. Aufgrund unseres dadurch vorhandenen Know-hows konnten wir diesem Wunsch von Still nachkommen. Das könnte ein ausschlaggebendes Kriterium gewesen sein, mit dem Elobau gegenüber anderen Anbietern punkten konnte«, mutmaßt der Elobau-Projektleiter.

Für den Einbau in die Armlehne des Gegengewichtsstaplers musste zudem die Einbauhöhe des Griffs minimiert werden – was Elobau mit verschiedenen Details gelungen ist. Beispielsweise wurde das CAN-Modul, über das die Kommunikation mit dem Fahrzeug stattfindet, neu konzipiert. Während es bisher unten am Joystick angebracht war, wird es nun an die Seite gesetzt.

Alles für die Sicherheit

Eine weitere neue Anforderung war, die Signale wegen der Sicherheitsrichtlinien im Fahrzeug durchgängig redundant auszuführen. Um das zu gewährleisten, wechselte Elobau die im bisherigen Joystick verbauten Mikrotasten gegen andere bewährte Standardelemente aus, zum Beispiel das analoge Daumenrad. Höß dazu: »Wir haben einen speziellen Betätiger entwickelt, der aus der ursprünglich drehenden Bewegung des Rades einen Drucktaster macht. So steckt hinter jeder Wippe jetzt ein solches zuverlässiges Daumenrad. Das analoge Stellelement ist mit zwei Sensoren ausgestattet, die sich gegenseitig überwachen und so ein sicheres Signal liefern.«

Auch die Resistenz gegenüber elektromagnetischen Einflüssen ist sichergestellt. Die berührungslos mit einem Magneten angesteuerten Elobau-Elemente sind sehr langlebig und zuverlässig, aber natürlich bei dem minimalst definierten Bauraum ein wenig empfindlich gegenüber Fremdmagneteinfluss. Um diesen sicher auszuschließen, entwickelte Elobau aus seinem sehr großen Erfahrungsschatz eine passende Lösung: Bei den analogen Stellelementen für Fahrtrichtung, Neigung und Querschub übernimmt ein bei den Standardelementen integrierter Lagerring die magnetische Abschirmung. Bei Hupentaste und Funktionstaste, die sehr nahe unter der Griffoberfläche liegen, wurden zusätzliche Abschirmbleche angebracht.

Eine weitere Anforderung von Seiten Still war, dass die Bedieneinheit komplett gedichtet ist. Es musste gewährleistet werden, dass von außen keine Feuchtigkeit ins Innere der Konsole oder des Adapters und somit zur Elektronik eindringen kann. »Diesbezüglich haben wir viel Aufwand betrieben, um alle Komponenten gegeneinander abzudichten«, berichtet Höß. »Ein Highlight ist der neue Faltenbalg des Joysticks, der aus designtechnischen Gründen unsichtbar eingebaut ist. Damit die Dichtigkeit gewährleistet ist, haben wir sogar für die Funktionsbeleuchtung eine spezielle Lösung mit abgedichteter Lichtleitertechnik realisiert.«

So lag es an Höß und seinem Team, nahezu das gesamte Innenleben des Multifunktionsgriffes neu zu konstruieren. Aber auch die Außenhaut verlangte dem Elobau-Team einiges ab. Denn am Griff sind sowohl Spritzgussteile mit genarbter Oberfläche zu finden, als auch verchromte Kunststoffteile und Bereiche mit Hart/Weich-Haptik.

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Erschienen in Ausgabe: 08/2014