Ein prägendes Element

Fertigungsautomation

Fügesysteme - Um bei der Lederkaschierung von Fahrzeugteilen im Innenraum höchste Qualitätsansprüche zu erfüllen, setzt die Eissmann Group Automotive auf eigenes Know-how: Speziell dafür konstruierte Anlagen setzen Prägeprozesse für Logos und Piktogramme hochwertig um und nutzen dabei kompakte und flexible Fügesysteme von Kistler.

28. Mai 2018
Präzise und reproduzierbar: Dank der inhouse konstruierten Anlagen von Eissmann stimmt die Qualität der Lederprägung jederzeit– nicht zuletzt dank der Fügesysteme von Kistler. Bild: Kistler
Bild 1: Ein prägendes Element (Präzise und reproduzierbar: Dank der inhouse konstruierten Anlagen von Eissmann stimmt die Qualität der Lederprägung jederzeit– nicht zuletzt dank der Fügesysteme von Kistler. Bild: Kistler)

Moderne Fahrzeuge sind vor allem geprägt durch Elektronik– von der Klimaautomatik über die Navigation bis zum Fahrerassistenzsystem. Gerade im High-End-Bereich spielt auch der Innenraum eine große Rolle; der Wagen wird gleichsam zum Wohnzimmer und transportiert fortan nicht nur Menschen, sondern auch eine gewisse Atmosphäre.

Die Eissmann Group Automotive aus dem schwäbischen Bad Urach ist überall da zur Stelle, wo es auf hochwertiges Interieur ankommt: Ihre Mittelkonsolen, Instrumententafeln, Armauflagen und Türverkleidungen sind in den Luxusfahrzeugen von Porsche bis Lamborghini mit an Bord.

Großes Spektrum von Bearbeitungsformen

Eissmann liefert auch kombinierte Bedienmodule und komplette Verkleidungssysteme. Eines der am häufigsten verwendeten Materialien ist Leder. Als Naturprodukt bedarf gerade Echtleder spezialisierter Prozesse, um hochwertig verarbeitet werden zu können. Eissmann ist stolz darauf, ein großes Spektrum von Bearbeitungsformen unter einem Dach zu vereinen: von der Manufaktur, wo aufwendig mit der Nähmaschine gearbeitet wird, bis zur hoch automatisierten Serienfertigung.

In der Beherrschung der gesamten Prozesskette und vieler unterschiedlicher Technologien liegt das besondere Know-how von Eissmann. Deshalb setzt man in der globalen Produktion, die an insgesamt 13 Standorten weltweit stattfindet, von Teilen auf eigens konstruierte Maschinen und Anlagen.

Oliver Roser ist Konstrukteur im Inhouse-Anlagenbau von Eissmann und hat es geschafft, einen diffizilen Teil der Wertschöpfungskette bei der Lederkaschierung nachhaltig zu optimieren. Im Detail geht es um den Prägeprozess für die lederbezogene Armatur über dem Fahrerairbag. Nachdem der Lederbezug auf das Spritzgussteil aufgezogen und verklebt wurde, bedarf es eines weiteren Bearbei-tungsschritts: Dabei werden einer-seits Vertiefungen für das Ein-bringen des Markenlogos, andererseits Bediensymbole, etwa für die Hupe, eingeprägt. »Die Herausforderung besteht einmal darin, dass die Symbole immer gleich aussehen sollen – also die linke Hupe genauso wie die rechte. Zudem ist das Ganze sicherheitskritisch, da man sich im Bereich der Sollbruchstelle für den Fahrerairbag bewegt«, sagt Roser. Seit 2015 hat er zusammen mit seinem Kollegen Klaus Kränzler, der für die Elektrokonstruktion zuständig ist, bereits fünf solcher Maschinen entwickelt, die heute in den Eissmann-Werken in Ungarn und Mexiko stehen – weitere Maschinen sind in Planung oder werden gerade gebaut. »Zuvor hatten wir für das Prägen Standardlösungen eingesetzt, die uns jedoch einige Probleme bereiteten. Zum Beispiel sahen die Symbole häufig etwas anders aus und auch die Prozessstabilität war nicht besonders gut – entsprechend groß war der Nachbearbeitungsaufwand«, erklärt Roser.

Presskraft präzise regeln

»In den neuen Maschinen werden die Fahrerairbags von unten gegen die Prägestempel gepresst. Durch die verbauten Fügemodule von Kistler lassen sich Kraft und Weg sehr genau überwachen und die Presskraft präzise nachregeln. Hinter dem Werkzeugwechsler haben wir Spindeln sitzen, die bei Bedarf die Stempel verfahren können, um einen gleichzeitigen Kontakt am Leder herzustellen. Dafür muss man natürlich wissen, wie sich der Verfahrweg gestaltet«, so der Konstrukteur. Nur so ließen sich die häufigen Toleranzen, wie sie bei einem Naturmaterial wie Echtleder nun einmal aufträten, optimal kompensieren.

Die beste Lösung

»Wir waren uns beide schnell einig, dass ein elektromechanisches Fügesystem von Kistler mit integriertem Monitoring das Beste wäre. Die Systeme sind nicht nur hochwertig, sondern auch praktisch Plug-and-Play-fähig– man muss sie nicht aufwendig programmieren oder voreinstellen. Und auch die mitgelieferte Software ist komfortabel zu nutzen«, beschreibt Roser die Vorteile.

In den Anlagen von Eissmann werden Fügesysteme vom Typ NCFH verbaut. Neben der kompakten Auslegung punkten sie durch den integrierten Hohlwellenmotor, der als Direktantrieb für hohe Dynamik und damit schnelle Verfahrgeschwindigkeit sorgt. Zusätzlich zur Senkung des Nachprägeaufwands konnten so die Nebenzeiten um 30 Prozent reduziert werden. Außerdem verkürzen sich natürlich die Taktzeiten in der Maschine, teilweise um die Hälfte im Vergleich zur herkömmlichen Lösung. Erhöhte Prozesssicherheit und Qualität wirken sich auch auf den Prozess insgesamt aus.

Vorteile bei Integration

In Kombination mit dem Monitoringsystem maXYmos NC von Kistler bietet die Lösung nicht nur Schnelligkeit und Wiederholbarkeit auf hohem Qualitätsniveau; die gespeicherten Daten verbessern zudem die Rückverfolgbarkeit und lassen sich problemlos in das übergeordnete MES-System einbinden. »Wir sind mit der Lösung so zufrieden, dass wir auch künftig Systeme von Kistler in unseren Anlagen einsetzen werden. Verglichen mit ähnlichen Produkten bieten sie besonders Vorteile bei Integration und Inbetriebnahme. So werden allein beim Einfahren eines neuen Werkzeugs dank der Anpassungsmöglichkeiten der Prägestempel mehrere Stunden und einige Testteile eingespart«, verdeutlicht der Eissmann-Mitarbeiter. Pro Jahr bauen Roser und Kränzler gemeinsam mit dem zehnköpfigen Team ungefähr fünf große Anlagen und zahlreiche kleinere Maschinen. Dass sich solches Inhouse-Know-how auszahlt, zeigt auch die Unternehmensentwicklung: Seit 2009 konnte Eissmann den Umsatz in jedem Jahr deutlich steigern.

Halle A6, Stand 425

Erschienen in Ausgabe: 01/2018