Herr Braun, die großen Trends im Maschinenbau sind Digitalisierung, Modularisierung und Dezentralisierung. Welche Rolle spielt hierbei die schaltschranklose Installation?

Die schaltschranklose Installation ist überall dort sinnvoll, wo über weite Strecken hinweg Geräte oder Antriebe mit Energie versorgt oder Signale übertragen und verarbeitet werden müssen. Sie eignet sich vor allem in großen Maschinen und Anlagen und kann überall dort eingesetzt werden, wo sich die Leitungsführung vom zentralen Schaltschrank ins Feld sinnvoll durch Energiebuslösungen und Feldbuskommunikation ersetzen lässt. Dabei geht es aber nicht darum, aus einem Schrank nun viele kleine Schränke mit den gleichen Funktionen zu machen, sondern den Komponenten zusätzliche Funktionen für einen höheren Nutzen hinzuzufügen.

Wo liegen die Anwendungsfelder, und welche Vorteile hat die dezentrale Installation?

Ein Applikationsfeld wäre die Fabrikautomation, insbesondere die Versorgung von Fertigungszellen. Hier muss über große Strecken hinweg eine Vielzahl von Geräten angebunden werden. Auf Basis eines Energiebussystems lässt sich der Aufwand an zentralen Schaltschränken auf die Hauptverteilung reduzieren. Das spart schon mal Kosten und macht die Anlagenplanung flexibler, weil weniger Schaltschränke zu berücksichtigen sind. Zweitens bietet das Flachleitungssystem den Vorteil, dass die Abgriffe für die Antriebe flexibel positioniert werden können. Das gilt übrigens auch für den Einspeisepunkt, um die Last auf dem Energiebus auszubalancieren. Damit lässt sich die Stromlast auf dem Kabel voll ausnutzen und gleichzeitig Überlast vorbeugen. Im Vergleich zur klassischen Punkt-zu-Punkt-Verkabelung mit Klemmenboxen ist diese Art der Installation weniger anfällig für Fehler und viel einfacher und schneller in der Installation. Auch beim Umbau zeigen sich die Stärken: Ein Verkabeln ist nicht notwendig, da der Energiebus ja bereits da ist. Darüber hinaus erfolgt das Anschließen ohne Abmanteln und Abisolieren, sondern mit Durchdringungskontakten.

Welche Lösungen hält Wieland Electric für die schaltschranklose Energieverteilung bereit?

»Auf Basis eines Energiebussystems lässt sich der Aufwand an zentralen Schaltschränken auf die Hauptverteilung reduzieren.«

— Meinrad Braun, Produktmanager Energiebussysteme Industrie, Wieland Electric

Den Grundstein legen wir hier mit unserem podis-Energiebussystem. Neben den Komponenten für die dezentrale 400-Volt-Strukturen setzen wir das Thema 24-Volt-Verteilung neu in Szene. Dafür haben wir ein leistungsstarkes, dezentrales Netzteil und Abzweige mit Über- stromschutz ins Portfolio aufgenommen. Mit diesen Komponenten können wir unseren Kunden die Vorteile der dezentralen Energieverteilung auch für die Kleinspannungsnetze anbieten. Auch hier liegen die gleichen Anwendungen zugrunde, und zwar weit ausgedehnte Maschinen und Anlagen, zum Beispiel bei der Fabrikautomation. Es mag zwar sein, dass die Materialkosten des dezentralen Systems etwas über den Standardkomponenten liegen, doch es rechnet sich schon bei der Installation. Zum einen benötigt man nur einen Bruchteil der Zeit. Zum anderen machen es gerade die Modulbauweise und die dezentrale Struktur möglich, Anlagen über ihren Betriebslebenszyklus hinweg immer wieder an neue Anforderungen anzupassen, die Anlagenverfügbarkeit hoch zu halten und damit die Produktivität zu steigern. Weniger der Beschaffungspreis ist von Bedeutung, vielmehr entscheidet die Produktivität über die Investition.