Doppelter Espresso

Steuerungen - Derzeit sind neue Kaffeemaschinen mit Pads oder Cups im Trend. Um die Nachfrage zu stillen, muss ein führender Hersteller seine Produktion deutlich erhöhen und dabei den richtigen Partnern vertrauen.

19. November 2008

Dem Namen Nestlé begegnet man im täglichen Leben auf Schritt und Tritt. Kein Wunder, ist die Nestlé-Gruppe doch der weltweit führende Anbieter von Nahrungsmitteln, Getränken und Gesundheitsprodukten. Innerhalb der Gruppe stellt Nespresso SA eine der am schnellsten wachsenden Betriebseinheiten dar. Das liegt an der starken Nachfrage für portionierten Kaffee, überall sprießen die Anbieter wie Nespresso aus dem Boden. Das Unternehmen mit Hauptsitz im schweizerischen Paudex war Pionier des Konzepts, hochwertige Grand-Cru-Kaffees in portionierter Form für den Genuss daheim oder außer Haus anzubieten.

Das System findet sich zum Beispiel in gehobenen Restaurants, Hotels und Cafés. Weitere Zielgruppen sind Caterer, Kundenbetreuer, Einzelhandel, First- Class-Reiseveranstalter und Büros. In den letzten Jahren lag die Kundennachfrage für diese Produkte mit einem Zuwachs von mehr als 30 Prozent deutlich über der jährlichen Gesamtwachstumsrate des Unternehmens. Diese Kundennachfrage ist ein großer Wettbewerbsvorteil, zwang Nestlé Nespresso jedoch, die Kapazität der Produktionslinie zu steigern und die Produktivität der Verpackungsstraße zu verdoppeln.

Bei allem Wachstum bestand die Hauptpriorität der Schweizer nicht nur darin, die Nachfrage der Kunden zu befriedigen, sondern auch höchste Qualitätsstandards für Produkte und Prozesse innerhalb des Unternehmens aufrechtzuerhalten. Ein fehlerfreier Ablauf der Produktionsprozesse ist deshalb extrem wichtig und darf bei der Bearbeitung des Projekts keinesfalls beeinträchtigt werden. Nestlé Nespresso wandte sich an die Cama Group im norditalienischen Lecco, um die vorhandene Verpackungsstraße zu erweitern und sich so in die Lage zu versetzen, der zunehmenden Kundennachfrage gerecht zu werden.

Cama arbeitet seit 20 Jahren in verschiedenen Projekten mit Nestlé zusammen, eines davon war die Herstellung kleiner konischer Eiscremebecher. Die Erfahrung daraus beeinflusste maßgeblich die Herangehensweise an das Projekt für Nespresso und bewirkte andererseits, dass Nestlé Nespresso auf die Lösungskompetenz des Partners vertrauen konnte. Das Kerngeschäft des Verpackungsspezialisten ist die Entwicklung und Herstellung kompletter Sekundärverpackungsanlagen und Maschinen mit hohem technischen Anspruch.

In diesem Fall realisierte Cama das Projekt zusammen mit Rockwell Automation. Die Unternehmen haben bereits eine Reihe von Projekten gemeinsam abgeschlossen, sodass sie bei der Kooperation im Rahmen des aktuellen Projekts daran anknüpfen konnten. Darüber hinaus arbeitet Nestlé mit Rockwell Automation in sämtlichen Automatisierungsfragen zusammen, wodurch das Vertrauen in die Fähigkeit aller an dem Projekt beteiligten Parteien gegeben war.

Spezielle Maschine entwickelt

Um die Verpackungskapazität von Nespresso zu verdoppeln, beschloss Cama, eine robotergestützte Faltverpackungsmaschine mit einem speziell für den Bedarf von Nespresso konzipierten Beschickungssystem zu entwickeln. Zur Aufgabenstellung des Projekts gehörte es, einen Prototyp für alle künftigen Nespresso-Anlagen vorzustellen. So entstand zusätzlicher Erfolgsdruck auf das Projekt, wobei die größte Herausforderung darin bestand, die kleinen Kapseln bei verschieden hohen Geschwindigkeiten sicher zu handhaben. »Wir standen unter dem großen Druck, dieses Projekt zügig und erfolgreich abschließen zu müssen, um die rasant wachsende Nachfrage für unserer Produkt zu erfüllen«, erklärt Enrico Induni, Technischer Leiter bei Nespresso.

»Die Einhaltung von Qualitätsstandards trotz engem Termin und Budget ist immer wieder ein Kampf. In diesem Fall jedoch nahm Cama das Projekt auf die ›italienische Art‹ in Angriff – jedes Problem wurde ohne Umstände rasch gelöst. Das Projekt war budgetgerecht und pünktlich fertig.« Die automatische Linie für Nespresso besteht aus einem Roboterbeschickungssystem, einer Kartoniermaschine mit Seitenbeschickung und einer Wrap-around-Maschine. Die Linie ist ein Beispiel für ein vollkommen automatisiertes Verpackungssystem. Die Beschickung besteht aus einem Zweiachsenroboter mit Kommissionierköpfen, die nach den speziellen Anforderungen der Nespresso-Applikation maßgeschneidert von Cama entwickelt wurden.

Die Kartoniermaschine mit Seitenbeschickung lädt die Kaffee-Kapseln in Pakete mit bis zu zehn Einheiten. Jedes Paket wird nach der Befüllung versiegelt und durch ein Laser- Kodifizierungssystem kodifiziert. Die Wrap-around-Maschine lädt die Pakete in die Versandverpackungen, die jeweils 20 oder 25 Pakete umfassen. Ein Palletiersystem nimmt dann die Verpackungen auf und bringt sie zur Outbound-Linie. Alle Produktionsdaten werden über Ethernet an ein zentrales Datenerfassungssystem übertragen.

Cama griff beim Bau der Verpackungsstraße auf eine Reihe von Lösungen aus dem Hause Rockwell Automation zurück. Das Bündel umfasst Steuerungen der Controllogix- und Compactlogix- Baureihen, HMI-Lösungen Marke RS View und Panelview, Kinetix für die Motorsteuerung, Servomotoren und Antriebe von Allen- Bradley sowie eine CPU-Zugriffssteuerung. Das in der Nespresso-Linie verwendete Controllogix- Softwarepaket umfasst Programmiermodule für Motoren, Ventile, Alarme und die Skalierung von Analog-E/A, standardmäßige Programmiermodule für PID-Regelkreise, Programme und Aufgabenstrukturen, E/A-Abbildungskonfi guration, Beispiele für Prozesssteuerungssequenzen sowie Verriegelungsstrukturen für die Sicherheit und Prozesse. Bei dem Projekt arbeitete das Schweizer Team von Rockwell Automation mit Cama zusammen, weil sich das Nespresso-Werk dort befindet.

»Es ist ein großer Vorteil, mit Unternehmen wie Rockwell Automation und Cama zu arbeiten, denn diese können auf ihre Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern zurückgreifen «, berichtet Induni. Für ein globales Unternehmen wie Nestlé ist dies ein Wettbewerbsvorteil zur Projektabsicherung, da Support unabhängig vom geografischen Standort prompt und effizient verfügbar ist.« Cama führte im eigenen Werk in Lecco einen Workshop für Techniker von Nestlé Nespresso durch, um sie mit den technischen Details der Maschinen vertraut zu machen. Darauf folgte eine praktische Schulung in der Fertigung von Nestlé Nespresso, damit die Techniker lernen konnten, wie die Anlage bedient wird.

Gute Kommunikation

Wenn sich Anbieter zusammentun, um ein Produkt an einen Kunden zu liefern, werden Kommunikation und Informationsaustausch zu einer Herausforderung, denn Unternehmen halten Informationen und Know-how oft zurück. Dies führt dazu, dass Teams ohne vollständige Kenntnis der Kompetenzen des Partners möglicherweise nicht wissen, wie sich aus dessen Anlagen und Erfahrungen das Optimum herausholen lässt. Die Koordination zwischen den Teams der beteiligten Unternehmen war nach deren Angaben aber effizient und problemlos. »Große multinationale Hersteller machen die Ausrüstungen von Rockwell Automation zum Standard, da diese höchste Innovation bieten, leicht bedienbar sind und tadellos funktionieren «, berichtet Giovanni Anzani, bei Cama Projektleiter für Nestlé Nespresso.

»Darüber hinaus hatten unsere Arbeitsgruppen eine gute Kenntnis der Geräte des Partnerunternehmens und arbeiteten wirklich gut zusammen.« Das Projekt dauerte nur acht Monate vom Start bis Ziel – ein sehr kurzer Zeitraum für die Ablieferung einer solchen komplexen Anlage. »Unter solchen Umständen sind hohe Einsatzbereitschaft und Nervenstärke sowohl beim Lieferanten als auch beim Kunden gefordert, um den Erfolg des Projekts zu sichern«, erklärt Enrico Induni, »man benötigt hochkompetente Mitarbeiter mit bestimmten Fähigkeiten, die bereit sind, eine Menge Zeit und Aufwand zu opfern, was für die Dauer des Projekts oft mit einer 24-stündigen Rufbereitschaft verbunden ist. I

ch freue mich, dass Cama und Rockwell Automation gut zusammenarbeiten konnten und alle Projektziele erreicht haben.« Seit der Fertigstellung der ersten Produktionslinie hat der italienische Maschinenbauer sechs weitere Linien geliefert und Nestlé Nespresso hat bereits weitere Einheiten bestellt. »Unsere Partnerschaft mit Rockwell Automation beim Projekt Nestlé Nespresso war fantastisch und eine echte Erfolgsgeschichte für den Kunden«, ist Giovanni Anzani sehr zufrieden.

Die Cama-Group

- Firmensitz: Lecco in Norditalien

- Gründungsjahr: 1988

- Programm: Verpackungsroboter und Robotikanlagen

- Breites Programm von Verpackungslösungen und Beschickungseinheiten mit Zwei- oder Vierachsenrobotern

- Die Geräte sind dafür ausgelegt, verschiedene Verpackungsanforderungen für Flow-Packs, Beutel oder Kartons zu erfüllen

Erschienen in Ausgabe: 06/2008