Der Mensch ist der Schlüssel

Hartmut Wandel - Der Geschäftsführer der Neff Gewindetriebe GmbH erläutert im exklusiven Interview mit Redakteur Oliver Krüth, was das Unternehmen zur Motek präsentiert, wie es die digitale Transformation vorantreibt und warum die Firmenkultur das alles Entscheidende ist.

01. Oktober 2019
 Der Mensch ist der Schlüssel
Hartmut Wandel, Geschäftsführer der Neff Gewindetriebe GmbH, Weil im Schönbuch. (Bild: Neff Gewindetriebe)

Herr Wandel, mit welchen Neuerungen wird Neff Gewindetriebe Ihre Kunden auf der Motek 2019 überraschen?

Wir bringen eine neue Baureihe von Spindelhubgetrieben mit. Es handelt sich um unsere neue C-Serie, eine Hubgetriebevariante aus hochwertigem Sphäroguss. Diese klassischen Spindelhubgetriebe haben gegenüber vergleichbaren Produkten gleicher Baugröße den Vorteil, dass teilweise mit größeren Spindeldurchmessern gearbeitet werden kann. Da- durch erreichen wir deutlich höhere Hubkräfte. Hinzu kommt, dass wir als Hersteller von Gewindespindeln sowohl bei Trapezgewindespindeln als auch bei Kugelgewindetrieben eine breite Palette an verschieden Typen im Programm haben. Somit können wir durch Variieren von Durchmessern und Steigungen sehr kundenspezifische Lösungen anbieten.

Gibt es weitere Neuheiten aus dem Hause Neff, die Sie auf der Motek zeigen werden?

Neben den neuen Spindelhubgetrieben der C-Serie zeigen wir in diesem Jahr erstmalig Teleskop-Gewindetriebe auf Basis eines Flachgewindes. Je nach Anwendungsfall kann der Kunde dabei Hub und Baugröße seinen Bedingungen anpassen. Insgesamt ist der Antrieb bis zu siebenfach teleskopierbar und überzeugt durch ausgesprochen kompakte Einbaumaße im Verhältnis zum Hub.

Welche Trends sehen Sie derzeit im Bereich der Antriebstechnik?

Die fortschreitende Digitalisierung und die damit einhergehende Vernetzung von Prozessen und Produktionsmitteln werden die Arbeitswelt weiter verändern. Speziell in Industrieunternehmen werden aber auch die digitale Produktentwicklung und die Implementierung von digitalen Vertriebskanälen einen starken Einfluss haben. Für uns steht die Reduzierung der Lieferzeiten im Fokus.

Wo sind Ihre Märkte, und wo sehen Sie international den größten Nachholbedarf?

Großes Potenzial liegt nach wie vor in China und dem asiatischen Raum. Zwar sind die Wachstumsraten dort nicht mehr so hoch wie noch vor einigen Jahren, aber das Marktvolumen dort ist einfach gewaltig. Aufgrund der starken Wachstumsraten in den vergangenen Jahren sind aber auch die USA wieder stärker in den Fokus gerückt. Was mir allerdings Sorge bereitet, ist die zunehmende Unsicherheit aufgrund von Handelsbeschränkungen und Strafzöllen. Zusätzlich schmerzt schon seit einiger Zeit das Russland-Embargo. Aufgrund des schwelenden Handelsstreits zwischen der EU und den USA sowie auf der anderen Seite mit China wissen wir derzeit nicht, was da noch auf uns zukommt – auch und besonders, weil die früher internationale politische Diplomatie offenbar nicht mehr existiert. Heute werden politische Entscheidungen teilweise per Twitter kommuniziert, um sie am nächsten Tag wieder zu relativieren. Eine für Unternehmen wichtige Planungssicherheit sieht anders aus.

Welche digitale Infrastruktur und welche digitalen Anwendungen sollen die Digitalisierung bei Neff Gewindetriebe vorantreiben?

Hinsichtlich unserer Organisation und Infrastruktur sind wir schon aufgrund der verschiedenen Standorte ständig gezwungen, digitale Wege einzuschlagen und auszubauen. So haben wir vor Kurzem alle drei Standorte ans Glasfasernetz gebracht. Außerdem führen wir diesen Herbst ein neues Produkt-Daten-Management-System ein, um standortübergreifend Neuentwicklungen noch besser vorantreiben zu können.

Welche digitalen Geschäftsmodelle und Wert- schöpfungsnetzwerke haben Sie entwickelt und was können Ihre Kunden noch erwarten?

Aktuell arbeiten wir an einem Online-Tool zur Konfiguration unserer Produkte. Dieses soll zunächst intern Vertriebsprozesse optimieren und beschleunigen, aber auch später unseren Kunden und Partnern zur Verfügung stehen.

Welche Firmenkultur kommunizieren Sie, um möglichst attraktiv für Fachkräfte zu sein?

Unabhängig von einem attraktiven Arbeitsumfeld, einem guten Standort und der jeweiligen Branche ist für die Firmenkultur nach meiner Überzeugung deutlich entscheidender, welche Menschen dort in welcher Art und Weise zusammenarbeiten. Als Schlüsselfaktoren leben wir eine offene Firmenkultur und einen Führungsstil, der anstelle von Kontrolle auf Vertrauen beruht.

Soweit ersichtlich, betreiben Sie keinen eigenen YouTube-Kanal. Inwiefern nutzen Sie die sozialen Medien zur Kommunikation?

Im Bereich der sozialen Medien hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Wir betreiben eine Facebook-Seite. Künftig, so sagen Trendforscher übereinstimmend, gewinnt das Video im Web weiter an Bedeutung. Natürlich haben wir schon über einen Neff-Video-Channel nachgedacht, möchten uns aber schwerpunktmäßig am Kundennutzen orientieren. Wir konzentrieren uns auf innovative Kundenanwendungen oder Montage- und Wartungsanleitungen.

Der deutsche Staat und seine Protagonisten erwecken nicht unbedingt den Eindruck, als seien sie digitale Pioniere. Erhalten Sie durch das Ministerium von Herrn Altmeier Unterstützung oder sind Sie froh, nicht noch mehr Steine in den Weg gelegt zu bekommen?

Ich empfinde in Deutschland schon so etwas wie eine deutliche Überregulierung. Die Einführung der Datenschutz-Grundverordnung im Frühjahr 2018 habe ich noch sehr gut als abschreckendes Beispiel in Erinnerung. Wenn man diese Grundverordnung als Unternehmen bis ins Detail umsetzen und leben würde, kämen wir bei Neff vermutlich zu nichts anderem mehr. Ein anderes, ganz aktuelles Beispiel betrifft die Elektromobilität. Die Nutzung von Elektro-Scootern wird durch eine politische Regulierungswelle für viele Anwender unzumutbar gemacht. Plötzlich stehen wir als Anwender vor Herausforderungen wie: Welchen Scooter darf ich überhaupt kaufen, wie ist das mit der Versicherung, wann und wo darf ich überhaupt fahren? Das bringt Unsicherheit und nimmt den Spaßfaktor an einer neuen, eigentlich recht pfiffigen Form von Mobilität. So wird Innovation mindestens gehemmt, wenn nicht sogar verhindert. Ein bisschen mehr Freiheit und so etwas wie Mut zu Neuem würde ich mir da schon wünschen.

Welche Hobbies verfolgen Sie, um die inneren Batterien wieder aufzuladen?

In meiner Freizeit steht die Familie ganz an erster Stelle. Wir verbringen so viel Zeit zusammen wie nur irgend möglich. Dadurch findet ein wohltuender Austausch statt. Aber als Unternehmer sollte man nicht vergessen: Es gibt noch mehr als Spindeln und Spindelhubgetriebe. Deshalb engagiere ich mich darüber hinaus noch in der kirchlichen Jugendarbeit sowie in unserer Kirchengemeinde am Ort.

Motek: Halle 4, Stand 4105

Erschienen in Ausgabe: 06/2019