Den Wurzeln verpflichtet

Markus Binder - Das Familienunternehmen Franz Binder ist einer der Marktführer im Bereich Rundsteckverbinder. Seit 1960 wächst der Hersteller aus Neckarsulm kontinuierlich, wie der Geschäftsführer im exklusiven Interview mit automation-Chefredakteur Joachim Vogl verrät.

02. Mai 2019
Den Wurzeln verpflichtet
(Bild: Franz Binder)

Ende 2014 haben Sie in Singapur bereits Ihre siebte Auslandsniederlassung eröffnet, im Frühjahr 2015 folgte in Österreich sogar die achte. Hat sich Binder Singapur denn so positiv entwickelt, wie Sie es damals vorausgesagt hatten, und welche Niederlassung trägt den Löwenanteil zum Gesamtumsatz bei Binder bei?

Ja, Binder Singapur hat sich positiv entwickelt, was aber mit Sicherheit auch am stark wachsenden Markt in Südost-Asien liegt. Wir bedienen von Singapur aus sämtliche Länder in Südost-Asien – mit Ausnahme von China. Die größten Umsätze, die wir mit unseren Vertriebsgesellschaften tätigen, werden in den USA und in China erzielt. Dies ist erstens in den Marktgrößen begründet und zweitens in den langjährigen Vertriebsaktivitäten – in China seit 2001 und in den USA seit 2005.

Aktuell agiert Binder weltweit mit acht Vertriebsniederlassungen. Um die Internationalisierung voranzutreiben sollen weitere folgen. Was bedeutet das genau?

Wir beobachten natürlich ständig die Märkte, in denen wir bisher noch nicht selbst mit eigenen Vertriebsgesellschaften vertreten sind. Im Moment haben wir aber noch keine konkreteren Aktivitäten geplant.

Vor gut einem Jahr haben Sie die Geschäftsleitung, der Sie vorstehen, neu strukturiert und in vier Bereiche aufgegliedert. Wie sind Sie mit der Erweiterung der Führungsriege zufrieden, und was bedeutet das für das Management sowie für Sie ganz persönlich?

Die Neustrukturierung in die Bereiche Vertrieb und Marketing, Finanzen und Administration, Produktion und Logistik sowie Technik macht uns flexibler – wir können damit auf Veränderungen schneller reagieren.

Mir ist die strategische Neuausrichtung und Weiterentwicklung der gesamten Binder-Gruppe ausgesprochen wichtig. Die Firmengruppe mit ihren weltweit 1.700 Mitarbeitern verantwortungsvoll auf die Zukunft vorzu- bereiten, betrachte ich als meine Hauptaufgabe.

»Bei Binder zählt nicht allein das Credo Zahlen, Daten, Fakten. Vielmehr zählen auch Herz, Engagement und Bodenständigkeit.«

— Markus Binder, Franz Binder

Vor wenigen Wochen hat Binder mit dem Bau eines neuen Logistikzentrums mit Produktionsfläche begonnen – ein weiterer Meilenstein in der Firmengeschichte von Binder. Verraten Sie dazu Details? Von der Investitionssumme in Höhe von 30 Mio. Euro wissen wir bereits …

Der Neubau ist für unser Unternehmen ein Meilenstein. Damit werden wir die Zukunft von Binder nachhaltig sichern und dafür sorgen, dass wir den Ansprüchen unserer Kunden und des Marktes adäquat gerecht werden können. Vor allem aber rücken wir das Wohl unserer Mitarbeiter noch mehr in den Fokus und schaffen modernere Strukturen. Dabei müssen wir unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden. Zum einen ist eine pragmatische Vorgehensweise im Sinne einer effektiven Produktion und Logistik vonnöten, zum anderen hebt die stilvolle Fassade unsere Außendarstellung auf ein neues Level.

Darüber hinaus gehen Sie für Binder neue Märkte an, zum Beispiel die Medizintechnik, die Verkehrstechnik und vieles andere mehr. Was waren die Beweggründe dafür?

Um auch für die Zukunft clevere Lösungen für spezielle Anwendungen in verschiedenen Märkten und Segmenten anbieten zu können, haben wir vier strategisch wichtige Branchen definiert – Food & Beverage, Bau- und Landmaschinentechnik, Medizintechnik und Schienenverkehrstechnik – und jeweils, eigens dafür, einen zuständigen Marktsegment- Verantwortlichen ernannt.

Unser Ziel ist es nun, branchenspezifische technische Anforderungen, Besonderheiten und Potenziale zu identifizieren, sodass das Produktportfolio optimal auf neue Herausforderungen und Märkte ausgerichtet werden kann. Oder anders ausgedrückt: Das Produkt soll dem Markt folgen.

Bei all diesen Aktivitäten und Entwicklungen stellt sich natürlich die Frage, wo Sie Ihr Unternehmen mittel- bis langfristig sehen?

Im Rahmen der übergreifenden Unternehmensstrategie verfolgt Binder eine sogenannte Zwei- Säulen-Politik: Einerseits treiben wir die Internationalisierung der Firmengruppe konsequent voran, um die globale Präsenz Schritt für Schritt auszubauen. Andererseits investieren wird am Firmensitz in Neckarsulm. Als Familienunternehmen wissen wir, wo unsere Wurzeln liegen.

Seit der Gründung von Binder ist das Familienunternehmen kontinuierlich gewachsen. Was bedeutet das konkret in Zahlen?

Binder ist ein Familienunternehmen und wird auch künftig ein Familienunternehmen bleiben. Deshalb sage ich hierzu nur: Zahlen und Strategien bleiben in der Familie …

Um sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, pflegen Sie traditionelle Werte, sind mutig und wagen Innovationen. Würden Sie uns dafür ein paar Beispiele nennen, wie dies in der Praxis aussehen kann?

Wir setzen auf flache Hierarchien und bauen auf eine starke Identi- fikation der Mitarbeiter mit unserem Unternehmen, was wir unter anderem an teilweise unge- wöhnlich langen Arbeitsverhältnissen ablesen können. Bei Binder zählt nicht allein das Credo Zahlen, Daten, Fakten. Vielmehr zählen auch Herz, Engagement, Bodenständigkeit und Identifikation. Anders ausgedrückt: Der Mensch zählt.

Erschienen in Ausgabe: 03/2019