Viel hatte sich das dänische Start-up vorgenommen, das Mitte 2018 seinen Markteintritt feierte. Daher waren wir neugierig, wo das Unternehmen mit Sitz in Kastrup/Kopenhagen heute steht. Als »das Besondere unserer Leichtbauroboter« bezeichnete Vertriebschef Dieter Pletscher, wahrlich kein Unbekannter in der Branche, im Interview vor einem Jahr das »Paket«, das Kassow Robots Industriekunden anbieten könne. »Das Feedback nach Messen und auch von neuen Partnern ist weiter sehr positiv.

Die Effizienz unserer Cobots, gleich eine Vielzahl von Automatisierungsaufgaben lösen zu können, wird in Kombination mit den in unserem Claim ›strong, fast, simple‹ angedeuteten Fähigkeiten als ein starkes Paket wahrgenommen. Nicht zuletzt auch unsere siebte Achse ist ein entscheidendes Differenzierungskriterium im Vergleich zu führenden Marktteilnehmern«, betont Pletscher. »Wir haben mit der siebten Achse einen zusätzlichen Freiheitsgrad hinzufügt – sie sitzt beim Ellbogengelenk«, ergänzt der Kopf hinter dieser Ingenieursleistung, Kristian Kassow, den Vorteil. Der wirkliche Mehrwert aber sei das Gesamtpaket: siebte Achse plus hohe Reichweite, plus viel Traglast – und dies trotz Aluminium-Leichtbau, plus einfaches Bedienen und Programmieren.

Neue technische Features

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Anfang 2019 erweiterte Kassow Robots seine Fläche am Standort Kastrup bei Kopenhagen um mehr als das Doppelte. Der nächste Ausbau steht bevor. Auch bei der Anzahl der Mitarbeiter ist Wachstum angesagt – das Team ist doppelt so groß wie Ende 2018. Im Frühjahr dieses Jahres startete dann die Produktion des KR810 und des KR1205. Dass sich hier das Timing im Vergleich zur ursprünglichen Planung ein wenig nach hinten verschob, ist für Pletscher in Ordnung. »Wir sind ein junges Unternehmen und ich bin froh, dass bei Kassow Robots keine unnötigen Schnellschüsse gemacht werden. Wir gehen mit Produkten erst raus, wenn von Kristian Kassow technisch alles freigegeben ist – das ist auch unseren Partnern extrem wichtig. Wir haben da einen hohen Anspruch. Qualität ist für uns das A und O«, berichtet Pletscher. Diesen Anspruch verfolge man auch bei neuen Produktfeatures. Hier konnte Kassow Robots erst im November 2019 Spannendes vermelden: Mit dem Data-Ethernet-Anschluss bietet das dänische Start-up Industriekunden eigenen Angaben zufolge eine Technik, die nur wenige andere Hersteller standardmäßig an jedem Roboter verbauen.

Alle Cobots von Kassow Robots haben drei Anschlüsse mit diversen I/Os und Power-Supply-Signalen. Zwei der Anschlüsse sind für digitale oder analoge Ein-/Ausgänge. Der dritte Anschluss ermöglicht eine Data-/Ethernet-Kommunikation, die direkt mit dem Controller verbunden ist. So können Industriekunden nun Kameralösungen oder Modbus TCP intelligent direkt am End-of-Arm-Tool mit dem Roboter verbinden. Das Kabel muss folglich nicht außen am Roboterarm geführt werden.

Neben den drei I/O-Anschlüssen haben die Cobots von Kassow Robots ab sofort am End-of-Arm-Tool auch eine Freilauftaste, den sogenannten Free Drive Button. Durch diese kann der Roboter ohne Bedienungspanel frei an die gewünschten Positionen bewegt und die einzelnen Positionen können direkt abgespeichert werden. Dies ermöglicht ganz neue Freiheiten beim Programmieren der Wegpunkte.

Partnernetzwerk stark erweitert

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Und was hat sich beim Aufbau des »mittelfristig starken Netzwerks«, von dem Pletscher damals sprach, getan? »Ich bin sehr zufrieden, denn die Kassow-Robots-Familie wächst stetig. Vor einem Jahr hatten wir Partner in vier Ländern an Bord; bis Jahresende 2019 werden es über 15 Länder sein, in denen wir vertreten sind – in manchen gibt es sogar gleich mehrere Partner. Mit der Präsenz von Portugal bis Bulgarien und von Dänemark bis Spanien sind wir auch regional schon gut aufgestellt. Besonders wichtig ist uns aber die Substanz und der Spirit der Partner. Wir wollen alle zusammen wachsen und Industriekunden ein starkes Cobot-Paket bieten.« Kassow Robots hat sich entschieden, seine Produkte nicht direkt, sondern ausschließlich über Systemintegratoren zu vertreiben. Entsprechend oft konnte man die Dänen 2019 auf Messen der Partner sehen, einmal sogar schon in den USA.

»Gibson Engineering feierte das Kassow-Robots-Messedebüt in den USA. Den systematischen Start in Nordamerika haben wir uns aber erst für 2020 vorgenommen. Wir wollen einfach nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun«, erklärt Pletscher. »2019 haben wir uns ganz bewusst auf die Ausweitung des Vertriebsnetzes in Europa fokussiert und mit R.E.P. Automation auch einen Partner in Israel für uns gewinnen können.«

Anwendungsbeispiel

Kassow Robots auf der fachpack 2019

Auf der FachPack im vergangenen September präsentierte die Project-Unternehmensgruppe aus Nordrhein-Westfalen, die Mitte 2018 erster Partner von Kassow Robots wurde, eine intelligente Automatisierungslösung. Dabei war der Cobot KR810 auf dem mobilen Roboter MiR200 montiert, der sicher um Menschen und Hindernisse herum manövrierte. Der Cobot KR810 hat sich ein Produkt gegriffen und der MiR200 fuhr dann auf die andere Seite des Messestandes, um dort das Produkt wieder abzulegen. Im letzten Schritt umschloss das Demonstrationsgerät der Project-Unternehmensgruppe die Produkte mit einer Banderole und verschweißte sie mit einem umweltfreundlichen Ultraschallverfahren.

Ein Video des Cobots KR810, der auf der FachPack 2019 auf einen MiR200 montiert über den Messestand fuhr, ist unter folgendem Link zu finden: www.automationnet.de/091928.

Und was dürfen die Leser von automation an der Produkt-Front im nächsten Jahr erwarten? »Wir bleiben dabei, dass wir unsere Agenda Schritt für Schritt abarbeiten. Der Launch unseres Cobots KR 1805, der eine Reichweite von 1.800 Millimetern und eine Traglast von bis zu fünf Kilogramm hat, wird sicher ein wichtiger Meilenstein. Und lassen Sie sich überraschen, was sonst noch alles kommen wird.«