Cloud in der Automation entscheidend für „Industrie 4.0“

VDI-Umfrage: Nur ein Drittel der Befragten sieht deutsche Anbieter beim Cloud Computing auf der Erfolgsspur

09. Juli 2013

Die aktuellen Entwicklungen in der Automation sind durch die zunehmende lokale Vernetzung von Komponenten und Softwarewerkzeugen geprägt. Der nächste Schritt ist, globale Netze für automatisierungstechnische Anwendungen zu nutzen.

Unter dem Motto „Automation (in the) Cloud“ diskutieren Fachleute auf dem 14. VDI-Kongress AUTOMATION in Baden-Baden die Chancen und Risiken der offenen Kommunikation der Automatisierungssysteme über die klassischen Anlagengrenzen hinweg. Das Ergebnis einer auf dem Kongress vorgestellten VDI-Umfrage lautet: Der Einzug der Cloud in der Automation kommt – allerdings erst so richtig in fünf Jahren. Bisher nutzen nur etwa die Hälfte aller deutschen Unternehmen die Cloud – und das auch nur in wenigen Bereichen.

„Cloud-Computing, zunehmende Vernetzung und die Ideen der Cyber Physical Production Systems werden die Landschaft der Automation grundlegend verändern. Sie sind die Voraussetzungen für den nächsten Schritt in der industriellen Produktion – und damit für die Idee der Industrie 4.0“, sagt Dr. Kurt D. Bettenhausen, Vorsitzender der VDI/VDEGesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA). Durch das Speichern und das Zugreifen auf Produktions- und Produktdaten über cloudbasierte Architekturen stehen Daten auch mobil zur Verfügung und sorgen für eine stärkere Unterstützung des Nutzers. Das belegt auch die Umfrage: Über 60 Prozent der Experten sehen die zentrale Datenhaltung als größten Nutzen der Cloud an, gefolgt von der Effizienz bei der Nutzung von Speicher- und Rechenkapazitäten sowie der einfacheren Wartung von Software.

Längst ist bekannt, dass das Cloud Computing auch Risiken birgt. In der Umfrage werden hierzu von den Experten mit Abstand die unzureichende IT-Sicherheit und der Umgang mit sensiblen Daten am häufigsten genannt. Es wird Handlungsbedarf für technische und auch organisatorische Maßnahmen gesehen. Die GMA ist bereits aktiv geworden: Ihre Richtlinie VDI/VDE 2182 „Informationssicherheit in der industriellen Automation“ beschreibt in sechs Blättern das grundsätzliche Vorgehen zwischen Betreiber, Integrator und Hersteller von Automatisierungskomponenten. An zweiter und dritter Stelle der meistgenannten Risiken stehen mögliche Zuverlässigkeitsprobleme wegen Verbindungsausfall sowie rechtliche Probleme je nach Standort der Cloud.

Skeptisch sehen die befragten Experten auch die Rolle deutscher Anbieter bei der Anwendung der Cloud in der Automation. Nur gut ein Drittel der Befragten sehen deutsche Anbieter auf der Erfolgsspur, über die Hälfte sehen Unternehmen anderer Nationen vorn. Etwa 7 Prozent geben sogar an, dass deutsche Unternehmen keine Rolle spielen werden. Entwickler geben deutschen Unternehmen noch am ehesten eine Chance. Diejenigen, die in Produktion und Wartung tätig sind, sehen für deutsche Unternehmen fast keine Aussichten. Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben noch viele Fragen Die vielen neuen Veränderungen in der Automation führen aber auch zu Verunsicherungen. Gerade KMU haben Schwierigkeiten, die zukünftige Situation auf ihr Unternehmen zu projizieren. „Der Beratungsbedarf ist groß, da grundsätzlich keine pauschalen Antworten gegeben werden können. Daher benötigen wir in Deutschland auch auf regionaler Ebene Anlaufstellen, die Auskunft und Beratung geben können“, meint Prof. Dr.-Ing. Detlef Zühlke, Wissenschaftlicher Direktor Innovative Fabriksysteme am DFKI Kaiserslautern.