Bewegliche Verpackungskünstler

VERPACKEN - Fernsehgeräte zu verpacken ist keine triviale Aufgabe, schließlich sind die Geräte schwer und empfindlich zugleich. Im Wiener Werk der Grundig AG arbeiten bei der Verpackung von Fensehern der unterschiedlichsten Größen zehn Industrieroboter von ABB Hand in Hand. Geplant und montiert hat die Anlage die Transnova-Ruf GmbH aus Ansbach.

26. Mai 2003

Roboter für die Verpackung von Fernsehgeräten einzusetzen schien lange Zeit undenkbar: Immerhin werden die empfindlichen Geräte dazu zunächst in ein Kunststoffvlies eingehüllt, dann zwischen zwei Styroporteile geklemmt und zuletzt in einem stabilen Karton untergebracht. Zudem erschwert die Vielfalt der Gehäuseformen und Größen eine Automatisierung dieses Prozesses. Auch im Werk Wien-Meidling der Grundig AG wurden die Fenseher deshalb lange ausschließlich manuell verpackt; pro Schicht waren damit acht Personen beschäftigt. Da die Fernseher aus der Produktion in einem bunten Mix vom kleinsten bis zum größten Gerät zur Verpackungsanlage gelangen, kam es dabei jedoch immer wieder zu Fehletikettierungen. Beim dem Elektronikunternehmen suchte man deshalb nach einer vollautomatischen Lösung - nicht zuletzt auch, um die Mitarbeiter zu entlasten: Schließlich wiegen moderne Multimedageräre mit Großbildschirm bis zu 80 Kilogramm. Gesucht war eine Anlage, die die ankommenden TV-Geräte selbstständig erkennt, sorgfältig verpackt und zugleich die Gerätedaten bis zum fertigen Karton verfolgt. Zudem stand für die gesamte Verpackungsanlage nur sehr wenig Platz zur Verfügung.

Den Auftrag für die Anlage bekam das Verpackungs-, Palettier- und Robotertechnik-Unternehmen Transnova-Ruf GmbH in Ansbach, das innerhalb von je vier Wochen zwei Anlagen aufbaute, mit denen sich sämtliche bei Grundig gefertigten Geräte verarbeiten lassen - mit Bildschirmgrößen von 37 bis 94 Zentimeter. Jeweils zwei der insgesamt vier Fertigungslinien aus der Montage münden in eine gemeinsame Verpackungsstrecke. Dabei werden je nach Auftrag oder Losgröße bis zu sechs verschiedene Gerätetypen gleichzeitig in chaotischer Reihenfolge zugeführt. Hinzu kommen noch die sogenannten Unkonformgeräte, die aus der Qualitätskontrolle zurückkommen. Nach einer Optimierungsphase von zwei bis drei Monaten beträgt die Zykluszeit jetzt maximal neun Sekunden.

Die beiden spiegelbildlich zueinander stehenden Verpackungsanlagen arbeiten mit jeweils fünf Sechsachs-Robotern und bestehen aus vier Bereichen: der Zuführstrecke, der Kartonanlage mit Kartonaufrichter, der Styroporbereitstellung und der Beladestation. In der Kartonanlage nimmt ein Roboter vom Typ IRB 6400R die jeweiligen Kartonzuschnitte an einem der sechs Bereitstellungsplätze einzeln von der Palette und legt sie in den Kartonaufrichter ab. Dabei erkennen zwei im Aufnahmekopf des Roboters integrierte Laserscanner über einen Barcode die Lage und Art des Zuschnitts auf der Palette. Ist eine Palette abgearbeitet, stellt der Roboter sie an einem Leerpalettenplatz ab. Über eine SPS erhält der Kartonaufrichter die Informationen über die jeweils ankommende Kartongröße und stellt sich entsprechend automatisch ein. Der Zuschnitt wird aufgewinkelt, in seitliche Klemmgurte eingesetzt, und die bodenseitigen Laschen werden eingefaltet. Dann wird der vorbereitete Karton in der Beladestation positioniert.

Inzwischen führt ein Werkstückträgersystem die Fernsehgeräte der Verpackungsanlage zu, wo sie ein zweiter IRB 6400R mit einem Vakuumsauger an der Bildröhre ergreift und anhebt. Je nach Gerätegröße kommen dabei zwei unterschiedlich große Sauger zum Einsatz. Zum Schutz der Geräteoberfläche wird zugleich ein Schaumstoff-Vlies über das Gehäuse gelegt, das zuvor in der passenden Breite von der Rolle abgezogen und auf Länge geschnitten wurde.

Parallel zur Kartonbereitstellung vereinzelt ein dritter Roboter die passenden Styroporteile, die auf sechs Pufferbahnen im Stapel bereitgestellt werden, und legt sie eine Zentrierstation ab. Von dort nehmen zwei IRB 4400 jeweils ein Styroporteil auf und stecken sie beidseitig auf das Fernsehgerät auf, das der Geräteroboter danach in den bereitstehenden Karton absenkt. Zuletzt wird der Karton verklebt, erhält ein Etikett und wird zum Zentrallager transportiert.

Erschienen in Ausgabe: 01/2003