Auf Knopfdruck

Zu seinem 50-jährigen Bestehen beschenkte sich Rekuplast selbst mit einem neuen Firmengebäude südlich von Wertheim. Der Umzug erfolgte im Frühjahr 2018. Damit verbunden waren auch das Modernisieren der Produktionsinfrastruktur und Implementieren eines neuen ERP-Systems.

31. Oktober 2019
Auf Knopfdruck
Effiziente Betriebsabläufe bei Rekuplast: Das ERP-System Sage Wincarat trägt dazu bei, dass die Produktionsprozesse nun noch besser aufeinander abgestimmt sind. (Bild: Rekuplast GmbH)

Rund 500 verschiedene Artikel hat Rekuplast, Hersteller technischer Kunststoffspritzteile, in seinem Portfolio gelistet. Eine der Hauptzielgruppen sind neben Kunden aus dem Maschinenbau- und Medizintechniksektor insbesondere Automobilhersteller. Das Spektrum der Fertigungsmengen pro Jahr reicht dabei von Kleinserien ab 200 Teile bis hin zu Massenprodukten mit Losgrößen bis zu 30 Millionen. Beispiele hierfür sind Bauteile mit hoher Geometriekomplexität und Toleranzanforderung, wie etwa Zahnräder, oder Artikel, die in der Herstellung prozesstechnisch besonders anspruchsvoll sind, wie vakuolenfreie Lichtleiter für die Automobilproduktion.

Die Qualitätsansprüche der Kunden sind vor diesem Hintergrund besonders hoch, weiß Alexander Schraag, Geschäftsführer Rekuplast: „Bei diesen Produktionsvolumina und gleichzeitig hochspezialisierten Artikeln haben unsere Kunden natürlich eine besondere Erwartungshaltung. Um diese konstant zu erfüllen, erneuern wir unsere Betriebsinfrastruktur auch in regelmäßigen Abständen. Die Steigerung des Automatisierungsgrades unserer Betriebsabläufe ist hierbei immer ein wichtiges Kriterium.“

ERP-System mit vielen Schnittstellen

Ein Meilenstein in diesem Zusammenhang war die Installation eines neuen Portalförderers mit angebundenem Wiegesystem und die Implementierung eines neuen ERP-Systems. Bei der Auswahl der Software haben sich die Verantwortlichen bei Rekuplast für Sage Wincarat entschieden. Die Lösung wurde speziell für die Kunststoffindustrie und damit auch für die Abbildung produktionsbezogener Spezifika wie Kavitäten, Wechseleinsätze, Schussgewicht und Anguss entwickelt.

Ein weiteres Auswahlkriterium war die hohe Marktdurchdringung des Systems im Kunststoffsektor und die damit gegebene breite Erprobung und Bewährung im praktischen Anwendungsfall, wie Sage als Anbieter der Software hervorhebt. Ein drittes Argument für das ERP-System sei die Vielzahl der möglichen Schnittstellen gewesen, über die zusätzliche Komponenten, Module und Funktionen in das System integriert werden können. Hier plant Schraag bereits für die Zukunft und denkt in diesem Zusammenhang daran, weitere Systemkomponenten anzubinden, wie etwa ein Produktionsleitsystem (MES), eine rechnerunterstützte Qualitätssicherung (CAQ) sowie ein System zur Materialflusssteuerung.

Hinsichtlich der stärkeren Automatisierung wichtiger Fertigungsbereiche leistet der neue Portalförderer mit angeschlossenem Wiegesystem zwar den entscheidenden Beitrag, wie der Software-Anbieter erläutert. Doch auch diese neu gewonnen Effizienzpotentiale könnten erst durch das ERP-System voll ausgeschöpft werden.

An Datenbank gekoppelt

Im Vergleich zum alten Portalförderer-System werden nun die Artikelbehälter nicht nur vom Portalförderer abtransportiert, sondern dort auch gleich gewogen und das Wiegeergebnis automatisch an das ERP-System übermittelt. Die Waage errechnet dabei die Anzahl der produzierten Teile, die von der Maschine in den Behälter fallen, indem sie das Einzelgewicht des gerade produzierten Artikels und das Gesamtgewicht des vollen Behälters ins Verhältnis setzt. Dieses Ergebnis wird dann automatisch in das Warensystem des Unternehmens eingebucht.

„Vorher erfolgte das Wiegen und die Verbuchung der produzierten Artikel in unser System händisch – verbunden mit der entsprechenden Fehleranfälligkeit. Die Kopplung des Portalförderers und der Waage an unsere Datenbank mit den Warenbeständen war mit unserem alten ERP-System nicht so ohne weiteres möglich“, erläutert Schraag. „Mit unserem neuen ERP-System konnten wir dies realisieren. Dadurch ist es uns erst möglich geworden, die Produktionsabläufe im dem Maße zu automatisieren, wie wir es getan haben.“

Rekuplast hat damit nicht nur seine Betriebskosten gesenkt. Auch die Kunden profitieren davon, denn diese kann das Unternehmen somit auch in Zukunft zu attraktiven Konditionen beliefern. Zudem verfügen die Verantwortlichen im Betrieb mit dem neuen System nun auch über verlässlichere Kennzahlen zur Leistungsmessung der produktiven und logistischen Prozesse, wie Sage weiter ausführt. Dies sei vor allem im Austausch mit den Geschäftspartnern aus dem Automobilsektor von besonderer Bedeutung, wo die Erhebung entsprechender Daten eine wichtige Rolle spielt. Aber auch für das Unternehmen selbst werde damit eine spürbar zuverlässigere Feinplanung der Produktion im Vergleich zu dem alten ERP-System möglich, was die Effizienz der Betriebsabläufe zusätzlich steigere.

Punktgenaue Kapazitätssteuerung

Die Implementierung von Sage Wincarat bei Rekuplast startete im Frühjahr 2017 und dauerte ein knappes halbes Jahr. Hierbei arbeiteten die Verantwortlichen des Herstellers eng mit den Beratern von Sage zusammen, die insbesondere für die gesamte Systemmigration – inklusive der Überführung der vorhandenen Datenbestände in das neue System – und die Schulungen der Belegschaft zur Anwendung des ERP-Systems verantwortlich waren.

Schraag zeigt sich im Rückblick sehr zufrieden: „Bei der Implementierung des Produktionsplanungs- und Steuerungssystems – PPS, also unserer gesamten Fertigungssteuerung, war es uns wichtig, die Arbeitspläne und die Betriebsmittel im Lichte einer punktgenauen Kapazitätssteuerung so passgenau wie möglich zu disponieren. Bei der Definition der für die Kapazitätsplanung zugrundeliegenden Datensätze hat uns Sage im Vorfeld sehr gut beraten.“

Neben allen PPS-bezogenen Prozessen erfasst die Software auch sämtliche Vorgänge in den Bereichen Stammdatenverwaltung, Auftragsbearbeitung, Arbeitsplanung, Beschaffung, Qualitätssicherung, Formenbau und Logistik, die bei Rekuplast den gesamten Wareneingang und Versand sowie die Lagerverwaltung umfasst. Die Inventur als ein Teilbereich der Lagerlogistik war es auch, mit der die Einführung von Sage Wincarat begann, ehe das System auf weitere Bereiche – bis hin zu PPS – ausgerollt wurde.

„Wir haben mit der Implementierung ganz bewusst im Bereich der Lagersteuerung begonnen“, erinnert sich Schraag. „Damit waren unsere Mitarbeiter mit der Steuerung der Buchungs- beziehungsweise Umbuchungsprozesse und des gesamten Materialflusses vom Start weg vertraut und konnten sich dann ausgehend davon langsam an die Erweiterung des Anwendungsbereichs der Software gewöhnen.“

Zudem haben die Verantwortlichen beim Unternehmen mit dem neuen ERP-System auch gleich eine Herausforderung behoben, die es im Bereich Inventur schon länger gab: Die Erfassung und Bewertung der Lagerbestände war mit der alten Software relativ aufwändig.

Die Mitarbeiter beschäftigten sich faktisch mit jedem Artikel individuell. So musste beispielsweise für jedes einzelne Bauteil ein eigener Inventurwert identifiziert und zugeordnet werden. Folgende Fragen standen hierbei im Fokus: Wie lange ist Artikel X schon nicht mehr verkauft worden? Oder: Wo liegt der Einkaufspreis für Artikel Y? Das heißt, die Inventur erfolgte in Handarbeit, was nicht nur viel Zeit kostete, sondern auch sehr fehleranfällig war und zu steigenden Ungenauigkeiten von einer Inventur zur anderen führte.

Inventur vereinfacht

Mit der neuen ERP-Lösung gehört dies der Vergangenheit an. „Sage Wincarat bietet von vornherein verschiedene Optionen an, mit denen wir unsere Artikel pauschal bewerten können“, berichtet Schraag. „Im Ergebnis führt dies zu einer Inventur auf Knopfdruck, bei der die Bewertungssystematik von Sage Wincarat im Hintergrund genutzt wird, die automatisch nach einer bestimmten Logik und Routine abläuft. Das heißt, das System errechnet automatisch, wie beispielsweise ein Artikel, der schon länger nicht mehr verkauft wurde, neu zu bewerten und gegebenenfalls vom Preis her anzupassen ist. Dies mussten wir früher komplett von Hand machen – verbunden mit der entsprechenden Fehlerquote.“

Insgesamt hat die Einführung des ERP-Systems zu einer spürbaren Vereinfachung der Betriebsabläufe und zu mehr Effizienz im Produktionsprozess geführt, so Software-Anbieter Sage. Diese Arbeitserleichterungen wirken sich auch auf die Akzeptanz des neuen Systems in der Belegschaft aus. „Mitarbeiter, die täglich mit der ERP-Software arbeiten, können ihre Arbeit mit dem neuen Programm definitiv einfacher und schneller erledigen“, berichtet Schraag und fügt schmunzelnd hinzu: „Als nur sporadischer Nutzer des Programms benötige ich aber nach wie vor meinen persönlichen Spickzettel, aber das wird sich in Zukunft sicherlich auch noch bessern.“

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