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Fertigungsautomation

Handarbeitsplätze - Ergonomie, Modularität, Variabilität und nicht zuletzt Zukunfts- und damit Investitionssicherheit haben den Ausschlag gegeben für eine Montagelinie aus dem Montagetechnik-Baukasten von Bosch Rexroth.

14. September 2015

Die Schweizer Berlinger Special AG ist Komplettversorger für professionelles Doping- und Drogenkontroll-Equipment. Das »Bereg-Kit« etwa schützt die A- und B-Proben nach dem Verschließen zuverlässig gegen Manipulationen. Jeder Versuch, die Flaschen unautorisiert zu öffnen, zerstört den Verschluss oder hinterlässt zumindest deutlich sichtbare Spuren. Aktuell gibt es vier unterschiedliche Flaschen-Systeme, die je nach Bedürfnis angepasst oder mit speziellen Accessoires für Transport und Labor ergänzt werden können.

Damit die Flexibilität für nationale Besonderheiten oder Anforderungen von Sportverbänden gewahrt bleibt, hat Berlinger in eine neue Montagelinie investiert mit dem Ziel, effiziente Arbeitsabläufe mit maximaler Ergonomie für das Personal zu kombinieren. Die ersten Entwürfe entstanden in Zusammenarbeit mit den Lean-Management-Experten der Leonardo-Gruppe. Die Ausführungsplanung oblag der FMS Technik AG, einem auf flexible Montagesysteme spezialisierten Vertriebspartner von Bosch Rexroth in der Schweiz. »Bei diesem Projekt ging es weniger darum, möglichst zeitsparend und effizient zu produzieren, sondern vielmehr gesundheitlich richtig zu arbeiten. Ergonomie stand klar im Vordergrund«, sagt FMS-Vertriebsleiter Martin Willener.

Die u-förmig angeordneten Produktionsmittel aus dem Rexroth-Baukasten sind manuell in der Höhe verstellbar und lassen sich sehr einfach an die Körpergröße der Mitarbeiter anpassen. Für die fördertechnische Verkettung der Arbeitsplätze und damit zum Transport der Boxen, die für die Montage und das Konfektionieren der Dopingproben-Sets genutzt werden, dienen bei Berlinger Rollen- und Transportbänder des Rexroth-Kettenfördersystems VarioFlow S. Die Trennung von Montage und Materialzuführung war bei Berlinger maßgeblich, um schlank produzieren zu können und Ordnung am Arbeitsplatz zu halten.

Die Produktionsaufträge unterscheiden sich aufgrund der sehr unterschiedlichen Ansprüche an die Ausführung der Probensets vornehmlich im Detail und im Umfang ergänzender Accessoires. Hierzu zählen beispielsweise Zwischenversiegelungen, Utensilien zur Blutentnahme, Verbandslogos.

Damit die Montagetechnik mit den sich verändernden Produktionsaufträgen mithalten kann, muss die Linie erweiter- und veränderbar sein. Die Zukunftssicherheit des Rexroth-Produktprogramms spielte für Monika Egli, Senior Product Managerin bei Berlinger, bei der Auswahl eine entscheidenden Rolle. Die Modularität des Programms bietet Berlinger zudem die Möglichkeit, auch individuelle Anforderungen, wie die Integration von Behälterträgern in die Fördertechnik, umzusetzen.

Einfache Handhabung und Konfiguration

Die einfachen Konfigurations- und Kombinationsmöglichkeiten des Montagetechniksystems von Rexroth machten es möglich, dass in weniger als drei Monaten nach Angebotsabgabe die Montagelinie bei Berlinger ihren Betrieb aufnahm. Diese kurze Zeitspanne resultiert im Wesentlichen aus der Arbeit mit der Projektierungssoftware MTpro von Rexroth. Sie unterstützt den Planer bei Auswahl und Konfiguration von Komponenten, hilft bei der Layout-Planung und erzeugt letztlich auch eine bestellfertige Stückliste mit allen für das Projekt notwendigen Baugruppen und Komponenten.

»MTpro ist für uns eine super Geschichte«, lobt Willener. Das Softwaretool ist so einfach aufgebaut, dass auch Planer ohne spezielle CAD-Kenntnisse damit effektiv, sicher und schnell zum Ziel kommen. Im MTpro-Layout-Designer lassen sich Baugruppen wie Arbeitstische und Regalsysteme individuell mit allem Zubehör konfigurieren und millimetergenau im 3D-Layout in einer virtuellen Arbeitsumgebung platzieren.

Ergonomische Gestaltung mit MTpro

Bei Berlinger stand zu Projektbeginn die strategische Ablaufplanung von Leonardo. »Auf dieser Basis haben wir im CAD die erste Zeichnung erstellt und mit dem Produktmanagement abgestimmt«, erzählt Willener. Nach der Detailplanung wurde das Layout im MTpro-Layout-Designer verfeinert und die Linie so konzipiert, wie sie heute aussieht.

»Ganz wesentlich hat uns dabei die in der Software enthaltene ManModel-Funktion geholfen.« Die sogenannten ManModels sind normgerechte 3D-Modelle der menschlichen Gestalt, die in das Layout der Montagelinie eingesetzt werden, um Greifräume zu visualisieren und Blickfelder zu simulieren. Damit können beispielsweise die Verstellbereiche von Stühlen und Tischen an die unterschiedlichen Körpergrößen der Werker angepasst und die Platzierung von Werkzeugen und Arbeitsmaterial optimiert werden.

Die ManModels lassen sich dabei genauso leicht konfigurieren und im Layout verwenden wie die Komponenten und Baugruppen aus dem Montagetechnik-Baukasten. Für die finale Konstruktion der Linie nutzte FMS Autodesk Inventor, ein etabliertes CAD-Programm. An dieser Stelle sieht der FMS-Vertriebsleiter einen weiteren wesentlichen Vorteil von MTpro: Die Software vereinfacht das Arbeiten, ohne dabei jedoch den Anschluss an herrschende CAD-Systeme zu verlieren. FMS konnte das in MTpro erstellte Layout direkt in Inventor übernehmen und dort weitere konstruktive Details der Montagelinie ergänzen. »Die Kombination aus schneller Planung mit Baukastenprodukten und individueller Verfeinerung der Konstruktion im CAD beschleunigt unsere Abläufe ungemein«, bekräftigt Willener.

Bosch Rexroth bietet mit MTpro light übrigens eine kostenlose Variante des Layout-Designers an. Mit ihr können Kunden erstellte Anlagen-Layouts darstellen und sich in die gerade zu planende Anlage hineindenken.

Motek: Halle 4, Stand 4305

Erschienen in Ausgabe: 06/2015