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Management

ERP - Kosten- und Qualitätsdruck sind Dauerbrenner – vor allem in der Automotive-Branche. Eine voll integrierte, komponentenbasierte ERP-Lösung kann die Automobilzulieferer an vielen Stellen dabei unterstützen, diese Herausforderungen zu meistern.

09. Februar 2015

Es ist hinlänglich bekannt, dass Automobilzulieferer traditionell unter großem Kostendruck stehen und dennoch höchste Qualität bieten müssen. Zwei Trends der jüngeren Zeit haben die Anforderungen noch weiter erhöht. Erstens sind Automobilzulieferer mittlerweile nur noch selten Lieferanten einzelner Teilprodukte. Vielmehr steuern sie ganze Komponenten oder sogar Module zur Supply Chain bei. Stellte ein Unternehmen früher beispielsweise einfach Autoschlüssel her, liefert es heute umfassende Schließsysteme, die genau auf die Vorgaben der Hersteller passen und sehr viel Hightech mitbringen müssen. Oder das Automotive-Unternehmen, das in der Vergangenheit lediglich Teile für den Kühlergrill produzierte, konstruiert und fertigt nun komplette Autofronten. Die Fehlertoleranz bei derartigen Modulen ist gleich null, was die Qualitätsanforderungen weiter in die Höhe schraubt. Gleichzeitig verstärkt die gestiegene Komplexität der Produkte das Risiko, dass bei ihrer Herstellung die Kosten aus dem Ruder laufen. Zweitens haben immer mehr Zulieferer zwischenzeitlich Produktionsstandorte in Osteuropa und zunehmend auch in Fernost. Somit müssen Qualität und Kosten unternehmens- und damit weltweit berücksichtigt werden.

Die Grundvoraussetzung zur Erfüllung dieser gestiegenen Ansprüche ist eine Unternehmenssoftware, die branchenspezifische Anforderungen effizient abbildet. Idealerweise sind die notwendigen Funktio-nalitäten aber in eine durchgängig integrierte betriebswirtschaftliche Komplettlösung eingebettet. Sie kann den kompletten Weg von der Entwicklung bis zum Kunden durchgängig unterstützen. Indem Supportprozesse die Kernprozesse der Branche effektiv ergänzen, helfen sie den Automobilzulieferern dabei, erfolgreich am Markt zu agieren. Dies beginnt mit einer engen Verzahnung der Konstruktionsdaten mit dem ERP-System.

Eine Komplettlösung sollte deshalb Integrationsmöglichkeiten für PDM-Systeme bieten. Mit solchen Systemen verwalten Konstrukteure ihre CAD-Daten und steuern die Freigabeprozesse sowie die Versionierung ihrer Konstruktionszeichnungen. Mit einer entsprechenden Kopplung lassen sich die Konstruktionsstücklisten aus den PDM-Systemen automatisch an das ERP weiterreichen und dort in Fertigungsstücklisten umwandeln. Fordert der Kunde Änderungen an einem Produkt, stellt die Integration auf diese Weise sicher, dass diese Änderungen auch an das ERP-System kommuniziert werden. Dies gewährleistet, dass alle Mitarbeiter ausschließlich die aktuellen Informationen jederzeit, überall und in der richtigen Form zur Verfügung stehen haben.

Qualitätssicherung und Kostenkontrolle

Mit einem durchgängig integrierten Qualitätsmanagement-System kann außerdem die Qualitätssicherung über den kompletten Produktlebenszyklus sichergestellt werden. So lassen sich mit Hilfe spezieller Kennzahlen beispielsweise Entwicklungsprojekte von Beginn an überwachen. Ferner können die Zulieferer mit integrierten Qualitätstests bereits im Wareneingang prüfen, ob sie von ihrem Lieferanten qualitativ hochwertige Produkte erhalten haben und ob die eigene Fertigung die Qualitätsvorgaben einhält.

Kommt es dennoch zu Problemen bei einer Komponente oder einem Modul, muss jederzeit nachvollziehbar sein, welches konkrete Einzelteil dafür verantwortlich ist. Dabei kann ein integriertes QM-System mit einer durchgängigen Chargen-/Seriennummernverwaltung helfen. Das ERP-Komplettsystem IFS Applications beispielsweise führt für jedes Produkt eine sogenannte Geräteakte. Anhand eines Seriennummernbaums lässt sich damit ein Produkt über seine komplette Tiefe aufschlüsseln. Damit kann jederzeit nachvollzogen werden, welche eigengefertigten oder Zukaufteile im Produkt verbaut sind und welche Serien- oder Chargennummer diese haben. Ist ein fehlerhaftes Teil identifiziert, lässt sich anhand der Chargen-/Seriennummernverwaltung ermitteln, an welchen Stellen dieses Teil überall verbaut worden ist.

Bei der Kostenüberwachung kann eine integrierte betriebswirtschaftliche Komplettlösung ihre Stärken voll ausspielen. Da sie auf eine einheitliche Datenbasis zugreift, können entsprechende Auswertungs-Tools Informationen aus den verschiedenen Unternehmensbereichen abrufen, verknüpfen, verdichten und einheitlich präsentieren. Damit können die Zulieferer Kennzahlen frei definieren, diese laufend überwachen und so im Notfall gegensteuern, zum Beispiel zur Kostenkontrolle im Einkauf: Hier lassen sich Einkaufspreise nach verschiedenen Methoden bewerten und kritische Schwellenwerte ermitteln. Diese Werte vergleicht das System laufend mit dem Rechnungswesen, wo die tat-sächlich entstehenden Kosten auflaufen. Damit ist die Software in der Lage, vor der Überschreitung der Schwellenwerte eine Warnung abzusetzen, und das Unternehmen kann rechtzeitig Handlungsalternativen durchspielen – beispielsweise mit dem Lieferanten verhandeln, den Lieferanten wechseln oder das Bestellverhalten ändern. Aber das ist nur ein Beispiel für die vielen Möglichkeiten, die eine integrierte Software hier bietet. Auf ähnliche Art und Weise können die Zulieferer etwa die Kapitalbindung im Lager überwachen oder die Kosten von Projekten und der Fertigung steuern.

Integriertes HR-Management

Geht es um Qualität und Kosten, spielt auch der gezielte und richtige Einsatz der Mitarbeiter eine wichtige Rolle. Wer ist wann verfügbar? Wer hat Urlaub, Außentermine oder ist bereits für andere Tätigkeiten vorgesehen? Ein integriertes HR-Management kann die Planung effizienter Betriebsabläufe unterstützen. Ist das Personalmanagement-Tool darüber hinaus strategisch ausgelegt, lassen sich dort Mitarbeiterqualifikationen hinterlegen und berücksichtigen. So ist immer überprüfbar, ob der Mitarbeiter auch die nötigen Qualifikationen für die Tätigkeit mitbringt, für die er eingeplant werden soll – beispielsweise für die Bedienung einer Maschine.

Nicht zuletzt erhalten Zulieferer Unterstützung, wenn das ERP-System seine Funktionalitäten auch auf Smartphones und Tablets zur Verfügung stellt. Ein Vertriebsmitarbeiter kann auf dem Weg zum Kunden beispielsweise dessen offene Posten einsehen oder sich noch einmal die letzten Gesprächsnotizen durchlesen, der Fertigungsleiter kann Kennzahlen zu Produktionskosten abrufen oder der Qualitätsbeauftragte kann überprüfen, ob sich das Unternehmen noch innerhalb der QM-Vorgaben bewegt. Mit Hilfe mobiler ERP-Apps, die jederzeit Zugriff auf Echtdaten bieten, sind die Mitarbeiter auch unterwegs produktiv, sparen Zeit und reagieren schnell und flexibel.

Erschienen in Ausgabe: 01/2015