Anziehend auf vielerlei Art

Elektroautomation

Visualisieren - Ausgefeilte Automatisierung, fein justierte Abläufe und eine einzigartige Maschinenvisualisierung sind bei modernen Hightech-Textilmaschinen ein Muss. Monforts hat hier gemeinsam mit Lenze ein zukunftsweisendes Projekt auf die Beine gestellt.

07. Februar 2018
Einfach und intuitiv zu erlernende Maschinenbedienung schafft Wettbewerbsvorteile und sorgt beim Anwender für Begeisterung. 2Schlank im Design, groß in Sachen Benutzerfreundlichkeit: Das Visualisierungssystem von Monforts. 3Monforts und Lenze ver-bindet eine langjährige Partnerschaft: Klaus A. Heinrichs (l.), Prokurist bei Monforts, und Frank Erben, Lenze Vertrieb. Bild: Lenze
Bild 1: Anziehend auf vielerlei Art (Einfach und intuitiv zu erlernende Maschinenbedienung schafft Wettbewerbsvorteile und sorgt beim Anwender für Begeisterung. 2Schlank im Design, groß in Sachen Benutzerfreundlichkeit: Das Visualisierungssystem von Monforts. 3Monforts und Lenze ver-bindet eine langjährige Partnerschaft: Klaus A. Heinrichs (l.), Prokurist bei Monforts, und Frank Erben, Lenze Vertrieb. Bild: Lenze)

Veredelte Textilien: Das ist nicht nur das bunt bedruckte Hemd, die imprägnierte Windjacke oder besonders flauschige Bettwäsche. Auch in der Luft- und Raumfahrt kommen in modernen Fertigungen veredelte Werkstoffe zum Einsatz. »Die Außenhaut des Airbus A380 besteht zu etwa 70 Prozent aus Textilien«, verdeutlicht Klaus A. Heinrichs, Prokurist bei Monforts, dem Mönchengladbacher Spezialisten für Textilmaschinen. »Wir sprechen heute nicht mehr von Stoffen, sondern von Flächengebilden.«

 

Die Bedienbarkeit der dafür nötigen Maschinen hat einen hohen Stellenwert in der Produktion. Funktionen wie Wischen, Zoomen oder Blättern sind für Menschen heute so selbstverständlich geworden, dass dies auch bei Maschinendisplays erwartet wird.

 »Digital Natives sind etwas anderes gewohnt als das, was Maschinen heute zur Bedienung bieten«, bringt es Jan Bilke auf den Punkt. Der Diplom-Ingenieur für Automatisierungstechnik bei Monforts ist Projektleiter für die gemeinsam mit Lenze und dem Bremer Institut für Integriertes Design (IID) gestartete Visualisierungsentwicklung.

 »Leichte und benutzerfreundliche Bedienung ist ein ganz aktuelles Thema«, führt Bilke weiter aus, »vor allem auch deshalb, weil immer öfter ungelernte Kräfte und Zeitarbeiter in den Produktionshallen stehen. Sie müssen sich ohne aufwendige Schulungen schnell und sicher in die Maschinenbedienung hineinfinden.«

Hoher Stellenwert

Dieser Aspekt bekommt gerade bei Monforts einen sehr hohen Stellenwert, weil die Anlagen überwiegend in den Export gehen. Diese Entwicklung beeinflusst auch die Arbeitsweise der Automatisierungspartner. Monforts schätzt zunächst die Antriebstechnik- und Motion-Control-Kompetenz von Lenze sowie die gute Zusammenarbeit im Engineering. Der Auftrag, die neue Generation der Spannrahmen Montex mit einer komplett neu gedachten Bedienerführung auszurüsten, ging über die klassische Antriebs- und Steuerungstechnik hinaus. Lenze hat Monforts in diesem Projekt über alle Phasen des Engineeringprozesses begleitet.

 

»Bezogen auf die Weiterentwicklung unserer Visualisierung haben wir Lenze von Beginn an zur Seite gehabt. In Workshops haben wir gemeinsam an ersten Ideen gearbeitet und auf diese Weise unsere zukunftsweisende Visualisierung zum Erfolg gebracht«, erzählt Heinrichs. So hat das Lenze-Team erste Umsetzungsszenarien skizziert, damit aus der Idee ein Konzept wurde, welches in gemeinsamen Projekten realisiert wurde.

 

Die Hardware in Gestalt multitouchfähiger Displays mit Diagonalen bis immerhin 24 Zoll ist vorhanden – zusätzlich wurde eine HTML5-basierte Visualisierung für Webbrowser entwickelt. Ob Smartphone oder Tablet: Der Betrieb ist auch an mobilen Endgeräten möglich und erlaubt es beispielsweise Servicepersonal, sich Störmeldungen und Diagnosemöglichkeiten ortsunabhängig anzeigen zu lassen.

Gegliederte Ansicht

Gegliedert ist die Visualisierung bei Monforts entlang des linearen Durchlaufs der Ware durch die Anlage. Hierbei stellt das Hauptbild eine verkleinerte, horizontal verschiebbare Ansicht des Gesamtsystems dar. In die einzelnen Komponenten lässt sich dann am Lenze-Multitouchdisplay hineinzoomen und so ein Bildwechsel ausführen.

Das Bildschirmraster sowie die Größe der Buttons und Anzeigeelemente sind hierbei für die Benutzung mit der Hand oder dem Finger optimiert. Das Bildschirmlayout ist in klar gegliederte Funktions- und Anzeigebereiche aufgeteilt. Dies ermöglicht dem Nutzer eine schnelle Übersicht, eine gute Orientierung und einfache Einarbeitung in das System. Als Hauptnavigation dient jetzt die horizontal verschiebbare Linse, mit der Nutzer in die Detailansicht der einzelnen Komponenten gelangen.

Parallel dazu gibt es ein Farbleitsystem, das über die Farben Grün, Gelb und Rot Anlagenzustände schnell und eindeutig kennzeichnet. Monforts hat sich frühzeitig entschlossen, das Thema mit Blick auf die Zukunft ganzheitlich anzugehen.

Zunächst war es das Ziel, die alte Visualisierung moderner zu gestalten und in Teilbereichen entsprechend zu überarbeiten. Für Heinrichs steckt hinter dieser Entscheidung die klare Strategie, die Visualisierung als Teil der Gesamtproduktivität einer Anlage zu betrachten.

Zeit und Geld gespart

»Wenn sich unsere Spannrahmen gerade bei häufig wechselnden Maschinenführern leichter bedienen lassen, spart der Textilbetrieb bei Rüstarbeiten und beim Einfahren von neuen Produkten. Das rechnet sich für unsere Kunden. Allein nur fünf Minuten schneller zu sein, bedeutet bei einer Bahngeschwindigkeit von 50 Metern in der Minute eine Ersparnis von 250 Metern Stoff«, so der Prokurist. Hinzu komme, dass die neue Visualisierung jetzt auch den Weg für den schnellen Teleservice über das Internet freimacht.

Hier sieht sich Monforts wiederum in der Rolle des Systempartners für Kunden aus der Textilbranche, die über den ganzen Globus verteilt sind.

 Wie das Erscheinungsbild letztlich vor Ort im Detail aussieht, das wird in Zukunft auch von den Gepflogenheiten jedes einzelnen Mitarbeiters in einer Produktionsschicht abhängen.

Die neue Visualisierung von Monforts bietet nämlich so viele Freiheitsgrade, dass sich die Bedienführung durch sogenannte Widgets individuell einstellen lässt.

»Die Bildschirmaufteilung wird dann personenbezogen gespeichert, weil Schichtleiter sicher ein anderes Informationsbedürfnis haben als die Bediener vor Ort«, erklärt Bilke.

Monforts in Mönchengladbach und Lenze in Groß Berkel sind überzeugt: Die selbsterklärende Visualisierung mit einer gelebten Smartphone-Gestik wird Standard im Industrieumfeld werden.

Erschienen in Ausgabe: 01/2018

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