Alles Lean

MES - Das Lager- und Transportwesen in der Fertigung bietet oft Potenzial zur Verbesserung. Wo befinden sich Halbzeuge? Zu welchem Auftrag gehören diese? An welcher Maschine sollen sie als Nächstes bearbeitet werden? Überblick und Hilfe können hier MES-Systeme bieten.

25. März 2019
young man in working clothes, driver Reachtruck busy working on the logistics warehouse store

Steigen die Auftragszahlen, verliert man schnell den Überblick über den gesamten Produktionsablauf. In Bezug auf Lagern und Transport heißt es dann oft: Wo befinden sich die Halbzeuge, um den aktuellen Arbeitsschritt zu vollziehen? MES-Lösungen unterstützen nicht nur beim Planen und Abarbeiten von Fertigungsaufträgen, sie unterstützen auch die innerbetriebliche Transportlogistik ganz im Sinne der Lean-Philosophie. Kern dieser ist das Vermeiden von Verschwendung in allen Unternehmensprozessen. Zum Beispiel kann mithilfe eines erweiterten Bedienerterminals die Produk- tionslogistik, also etwa die Stapler, direkt an das MES-System angebunden werden. Auf diese Weise kann der Werker nun einen Transport direkt aus dem BDE-Terminal heraus beim Staplerfahrer anfordern – und das ohne seinen Arbeitsplatz verlassen zu müssen. Unnötige Wege entfallen.

Selbst chaotische Lagerhaltung ist möglich

Auch kann nun der zuständige Mitarbeiter für die Bearbeitung des nachfolgenden Arbeitsgangs genau sehen, wo sich die benötigten Halbzeuge befinden. Dabei ist selbst eine chaotische Lagerhaltung in der Fertigung möglich. Es muss nur im System dokumentiert werden, welches Halbzeug an welchem Lagerplatz zwischengelagert wurde. Alle am Prozess beteiligten Personen sehen dann zu jeder Zeit, wo sich das entsprechende Material gerade befindet. Zum Beispiel sieht der Werker direkt an seinem Terminal, wo seine benötigten Halbzeuge sind – ob an der Maschine des Vorgängerarbeitsganges, am Lagerplatz C22, Regal 5, Fach 3 oder schon auf dem Stapler und auf dem Weg zu ihm.

»Bei der Umsetzung von komplexen und interoperablen MES-Systemen wird oftmals zuerst auf eine stabile Infrastruktur in der IT geschaut. Auch das Thema IT-Security rückt zunehmend mehr in den Fokus«, erläutert Marcus Niebecker, Produktmanager MES Solutions bei Proxia Software. Ohne Frage seien das wichtige Aspekte bei einer Umsetzung. »Meiner Meinung nach sollte aber der Mensch, hier im Speziellen die Mitarbeiter in der Produktion, stärker in den Mittelpunkt gerückt werden«. Eine erfolgreiche Umsetzung und ein anhaltender Mehrwert seien maßgeblich davon abhängig, wie die Mitarbeiter das System akzeptieren, wie sie damit umgehen und ob sie es zulassen, dass ein MES-System ihren Arbeitsalltag zum Positiven verändert.

Durch das unterstützende MES-System wird Verschwendung durch Transportvorgänge vermieden und die Produktionsprozesse ganz im Sinne von Lean verbessert. Zusätzlich werden alle Zeiten, die auf die Transportvorgänge in der Produktion auflaufen, erfasst und sind für Auswertungen verfügbar. So stehen sie nicht nur im direkten Kontext der Logistik, sondern auch beispielsweise für die Fertigungsplanung zur Verfügung. Diese kann dadurch Transportvorgänge zwischen den einzelnen Arbeitsgängen eines Fertigungsauftrages besser einplanen.

»Ein modernes MES-System erfasst und speichert das, was in der Produktion passiert. Man kann sagen, es ist ein Beobachter, der Prozesse, Abweichungen sowie Aktionen wie in einem Tagebuch festhält«, erläutert Niebecker. Dieses digitale Tagebuch ist die Basis für die Bewertung von Maßnahmen in einem KVP (kontinuierlichen Verbesserungsprozess). »Es dient künftig aber auch als Entscheidungsgrundlage für automatisierte Entscheidungsprozesse.«

MES als Teil des digitalen Produktionsgedächtnisses

Im Kontext von Industrie 4.0 verbindet eine moderne MES-Software wie die von Proxia Software heute alle Prozesse in der Fertigung und liefert Grundlagen einer Smart Factory. »Das MES-System ist, in einer Industrie-4.0-Umgebung, ein Teil des digitalen Produktions-Gedächtnisses«, sagt Niebecker. Neben der Datenaufzeichnung haben die Systeme die Aufgabe, die Kommunikation zwischen den Prozessbeteiligten zu verbessern. »So schaffen MES-Systeme die Möglichkeit, dass Mitarbeiter auf digitalem Weg interagieren und Informationen in Echtzeit austauschen können«, führt Niebecker aus. Ein Beispiel hierfür ist das Unterstützungs-Modul für die Innerbetriebliche Transportlogistik aus dem MES-System des Anbieters. »Es ermöglicht die smarte Kommunikation und den Informationsaustausch zwischen der Produktion und der Logistik. So tragen moderne MES-Systeme erheblich zu einer Steigerung der Effizienz in der Produktion bei.«

Hannover Messe: Halle 7, Stand A26

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 94