Herr Brunner, Kathrein Solutions hat unlängst einen neuen RFID-Reader, den ARU 8500, zur Versandkontrolle von Waren und Gütern vor- gestellt. Welche Herausforderungen gab es bei der Entwicklung des ARU 8500 zu meistern?

Je komplexer die Logistikprozesse werden, desto höher werden die Anforderungen an kosteneffiziente, zuverlässige und leistungsfähige Lesegeräte. Der neue ARU-8500-Reader mit integrierter circular Switch Beam-Antenne ermöglicht eine zweifelsfreie Erkennung der Waren und deren Bewegungsrichtung.

Ubiquity steht für die Eigenschaft, überall präsent zu sein. Es ist aber auch eine Anforderung an industrielle Produktions- oder Logistikprozesse, dass bewegte Güter oder Waren jederzeit und lückenlos erfasst werden. Dabei kommt vor allem den Übergängen zwischen Produktionsbereichen oder einzelnen Gliedern der Lieferkette eine zentrale Bedeutung zu.

Das Gerät zeichnet sich durch eine höhere Rechnerleistung und damit einen schnellen Leseprozess sowie einer neuen Antennenlösung für nochmals gesteigerte Lesesicherheit aus – selbst unter schwierigen Bedingungen.

Der ARU 8500 Reader überzeugt durch extrem robustes Gehäusedesign aus Aluminiumspritzguss nach Industriestandard, mit einer formschönen Kunststoffhaube für die circular Switch Beam Antenne. Infolgedessen gewährleistet er eine lange Haltbarkeit und optimale Performance in allen Logistik- und Produktionsumgebungen.

Das Highlight ist die integrierte circular Switch Beam-Antenne. Welche Vorzüge bietet sie gegenüber einer Standard-RFID-Antenne?

Die Kernfunktion des ARU 8500 ist, wie Sie sagen, eine circular Switch Beam-Antenne. Im Gegensatz zu Standard-RFID-Antennen lässt sich der Antennen-Beam in drei Bereiche schwenken und somit die Bewegungsrichtung in einem Portal oder Durchgangstor verfolgen. Der sonst nur von einer Lesezone abgedeckte Durchfahrtsbereich wird dabei in drei Zonen eingeteilt, um die Bewegungsrichtung im Durchgangstor zweifelsfrei zu erkennen. Ein entscheidender Vorteil dabei ist es, bewegte Güter, die sich durch alle drei Lesezonen bewegen, von statischen Lesungen, die nur in einer Zone erfolgt sind, zu unterscheiden. Dabei kann komplett auf weitere Sensorik, etwa Lichtschranken, verzichtet werden. Das Konzept ist für eine Überkopfmontage aus- gelegt, was eine Beschädigung durch Flurförderfahrzeuge nahezu ausschließt.

Wofür ist das Erfassen der Bewegungsrichtung wichtig? Warum reicht eine statische Lesung nicht aus?

Grundsätzlich ist es eine sehr große Erleichterung die zu erfassenden Güter dynamisch im Wareneingang/Ausgang zu erfassen um eben manuelle Prozesse zu reduzieren. Im Alltag ist es aber schwer, die einzelnen Lesetore und die Zonen davor und danach von bereitgestellten Sendungen freizuhalten, ein statisches RFID-Tor würde daher nicht unterscheiden können, ob sich die Sendung wie gewünscht durch das Tor bewegt hat, oder ob es fälschlicherweise erfasst wurde. Hier greift der größte Vorteil unserer Systems: Durch die Unterteilung der Lesezone in drei Bereiche muss die Sendung alle drei, oder mindestens die beiden äußeren Antennenfelder durchfahren, bis die Auswerteeinheit eine gesicherte Buchung freigibt. Bei bidirektional genutzten RFID-Toren kann dann auch noch die Richtung sichergestellt werden.

Wie hoch würden Sie das Einsparpotenzial beziffern, wenn keine weiteren Sensoren für das Erfassen der Warenflüsse nötig werden?

Der Unterschied zwischen einem klassischen Bi-Direktional-RFID-Lesetor zu einem Verladetor mit ARU8500 für die AutoID-Hardware inklusive Kabel und Montage-Material liegt in der Größenordnung von 1.500 Euro sowie etwa 2.000 Euro für den bei klassischen Gates benötigten Rammschutz. Zusätzlich sind die Montagezeit und die Konfiguration deutlich einfacher und weniger zeitaufwendig.

Der RFID-Reader kann über CrossTalk, Ihre AutoID-Plattform für das IoT, in vorhandene IT- und ERP-Systeme integriert werden. Welche Schnittstellen gibt es hierfür?

Die CrossTalk-IoT-Suite sorgt sowohl für unsere Integrationspartner wie auch für den Endanwender als umfassende Integrationsplattform für die effiziente Umsetzung von automatisierten Logistik-Prozessen. Die dafür notwendigen Auto-Ident-Technologien werden über Unter- nehmensgrenzen hinweg von CrossTalk nahtlos in vorhandene Backend-Systeme integriert. Hierzu stehen eine ganze Reihe an standardisierten IT-Schnittstellen zur Verfügung, etwa die Webservices SOAP/REST, MQTT, EPCIS, OPC UA sowie zahlreiche SAP- und direkte Datenbank-Schnittstellen.

»Der neue ARU-8500-Reader mit integrierter circular Switch Beam-Antenne ermöglicht eine zweifelsfreie Erkennung der Waren und deren Bewegungsrichtung.«

— Thomas Brunner, Kathrein Solutions GmbH

Mit dem CrossTalk-Appcenter bieten Sie bereits out of the Box umfangreiche Track-and-Trace-Business-Szenarien an. Der modulare Ansatz der Software-Suite ermöglicht aber auch eine flexible Konfiguration und den Einsatz anpassbarer Apps. Kann der Endanwender diese Apps selbst auf seine Bedürfnisse hin anpassen oder benötigt er hierfür einen Spezialisten?

Der modulare Ansatz der Software erlaubt den einfachen Einsatz neuer IoT-Technologien in kleinen Waren-, oder Behälterkreisläufen bis hin zum konzernweiten produktiven Betrieb der Systeme. Dabei hilft das cloudfähige Agent-Server-Konzept mit der nahtlosen Überwachung aller Geräte, sowie die vielen vorhandenen Softwaremodule, welche durch einfache Konfigurationseinstellungen in der Regel eigenständig vom Kunden oder Partner schnell eingesetzt und angepasst werden können. Damit lassen sich die Material-, Waren- oder Behälterströme in Echtzeit visualisieren und steuern. Die zahlreichen, vorkonfigurierten Funktionen und Module reduzieren deutlich Zeit und Budget bei der Implementierung, wie auch dem laufenden Betrieb. Speziell beim neuen Release 3.4 wurde großen Wert auf Vereinfachung, Stabilität und Nutzerfreundlichkeit gelegt.

Wie sieht Ihre RFID-Strategie fürs IoT in den kommenden Monaten aus? Wird es neben Warehouse-Production- und Shop-Applikationen weitere Anwendungen geben?

Unsere Fokusindustrien sind Manufacturing & Logistics, Healthcare und Intelligent Transportation Systems. Speziell im letzteren Bereich finden aktuell größere Rollouts in Parking-, Maut- und Fahrzeugregistrierungsprojekten weltweit statt. Darüber hinaus sind wir gemeinsam mit unseren Partnern auch immer wieder in neue Applikationen und Industrien mit sehr dynamischen Anforderungen eingebunden.

Werden Sie auch in die 5G-Technologie investieren und etwa Antennen für firmenintern genutzte 5G-Netze entwickeln?

›Passion to connect‹ – dieses Leitmotiv prägt die Kathrein-Ausrichtung und auch unseren IoT-Bereich schon seit einigen Jahren. Bereits heute verfügen unsere AutoID-Hardware-Komponenten über verschiedenste Schnittstellen wie LAN, WLAN, Mobilfunk oder Bluetooth. Wir beobachten den Markt und die Trends sehr genau und haben auch zum Thema 5G bereits einige Funktionen und Schnittstellen in Abstimmung mit unseren Kunden und Partnern auf unserer Roadmap, um den Markt entsprechend nicht nur bedienen, sondern auch aktiv mitentwickeln zu können.