21. DEZEMBER 2014

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Richtungswechsel ohne Weiche


Schienengebundene Systeme haben sich bewährt für den innerbetrieblichen Transport schwerer Güter. Ein Nachteil dieser Systeme ist jedoch der unveränderliche Verlauf der Schienenwege, zudem beanspruchen sie speziell bei Verzweigungen und Kreuzungen sehr viel Platz und benötigen komplizierte Weichenkonstruktionen. Daß es auch anders geht, zeigt ein neuartiges Transportschienensystem, das ohne bewegliche Schienenteile auskommt.

Die Bewegung von schweren Gütern bedeutet in jedem produzierenden Betrieb eine Verzögerung des Fertigungsprozesses: Schließlich sind nicht immer ein Gabelstapler oder ein Hubwagen sofort zur Stelle, wenn sie gebraucht werden. Zudem sind viele Güter für einen manuellen Transport mit Hilfe eines Hubwagens zu schwer oder zu groß. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bieten innerbetriebliche Transportsysteme, die an Schienen gebunden sind. Oft sind derartige Systeme jedoch nicht sehr flexibel und funktional - speziell wenn der Transportwagen schnell und sicher die Richtung ändern soll. Eine Möglichkeit dies zu erreichen, ist die Weichentechnik ähnlich wie bei der Eisenbahn. Für die meisten industriellen Anwendungen ist ein solches System jedoch viel zu kompliziert und zu teuer. Zudem benötigt eine Schienen-Verzweigung über Weichen sehr viel Platz, der im Industriebetrieb in der Regel nicht zur Verfügung steht.

Einen anderen Weg geht eine Lösung der August Dreckshage GmbH aus Bielefeld. Das Unternehmen beliefert Maschinenbauer und der Metallverarbeitungsbetriebe mit Werkstoffen, Linearführungen, Antriebselementen und Aluminium-Konstruktionsprofilen. Das Dienstleistungsangebot umfaßt Beratung, Logistik und die Lieferung von Standardprodukten bis hin zu einbauferti-gen Komponenten und Systemen. Jetzt haben die Spezialisten für Spezialstahle, Lineartechnik und Profilsysteme ein patentiertes Rundschienen-System entwickelt, bei dem die Umsetztechnik im Transportwagen integriert ist. Basis des Systems ist eine induktiv gehärtete Stahlwelle, die in ein Aluminiumprofil eingelegt wird und sich bei einer Vielzahl unterschiedlichster Anwendungen bereits als Führungssystem bewährt hat - beispielsweise in Werkzeugmaschinen, Rolltreppen, Papierschneidemaschinen und Transformatoren. Dieses Profil läßt sich jedoch auch im Boden einbetonieren beziehungsweise auf dem Boden aufschrauben. Nach der Montage ragt das fertige System nur wenige Millimeter über dem Hallenboden hinaus - weder abstehende Rillen noch Stolperkanten beeinträchtigen deshalb die Arbeitssicherheit. Auf diesen Schienen rollen Transportwagen, die an allen vier Seiten mit Laufrollen bestückt sind und deren nach innen konische Lauffläche genau auf das Schienenprofil abgestimmt ist. Diese Konstruktion verringert nicht allein den Verschleiß, sondern bewirkt zudem eine hohe Laufruhe und einen sehr geringen Rollwiderstand. In der Praxis kann eine Person deshalb mühelos tonnenschwere Lasten von Hand bewegen.

Eine besondere Stärke des Schienensystems ist die Möglichkeit zum Aufbau von Kreuzungen ohne Weichen oder andere bewegliche Teile: Wenn sich zwei Schienenstränge kreuzen, genügt es, ein Kreuzungselement einzufügen - über den Richtungswechsel entscheidet allein der Transportwagen. Möglich macht dies die Konstruktion der Transportwagen: Die Laufrollen an deren Seiten lassen sich nämlich paarweise anheben oder absenken. Wenn ein Richtungswechsel eingeleitet werden soll, stoppt der Bediener den Plattformwagen zunächst auf der Mitte der Kreuzung und betätigt dort über einen Fußhebel oder motorisch getrieben eine patentierte Hebelmechanik, durch die die Rollen zur Richtungsänderung abgesetzt werden. Kurz danach werden die bisher im Eingriff befindlichen Laufrollen angehoben, so daß schließlich nur noch die Rollen in der neuen Fahrtrichtung im Eingriff sind. Da sich dabei für kurze Zeit sämtliche Rollen im Eingriff der Rundschiene befinden, erfordert die Übergabe der Last praktisch keinen Kraftaufwand.

Ausgabe:
aut 05/2003
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