07. DEZEMBER 2016

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»Kundenwünsche spornen uns an«


Fertigungsautomation

Norbert Popp - Der Geschäftsbereichsleiter Identifikation bei Balluff hat maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des ersten industrietauglichen RFID-Systems BIS C gehabt. Jetzt blickt er zurück auf die Entwicklung von industriellen Identsystemen, des Marktes und des Wettbewerbs.
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Herr Popp, was hat die Verantwortlichen von Balluff vor dreißig Jahren dazu bewegt, RFID-Systeme zu produzieren?

Wie viele andere Neu- und Weiterentwicklungen bei Balluff resultiert auch die von RFID-Identsystemen aus einer Kundenanfrage: Die Produktionsverantwortlichen der Alfred Teves GmbH suchten eine zukunftsträchtige Lösung zur berührungslosen Teile-Identifizierung in der Montage. Unser damaliger geschäftsführender Gesellschafter, Klaus Hermle, war sehr technikbegeistert und innovationsfreudig und fand, dass das doch ein sehr guter Anlass sei, in die RFID-Technik einzusteigen.

Wie gestaltete sich damals der Markt für RFID-Identsysteme in der Industrie? Und wie hat er sich entwickelt?

In der Industrie musste das anwenderseitige Interesse noch wachsen, bis man hier von einem wirklichen Markt sprechen konnte. Es gab damals wenige Anbieter mit einem sehr eingeschränkten Produktprogramm. Heute sind hier deutlich mehr Unternehmen aktiv, was jedoch teilweise bedingt ist durch das mittlerweile erweiterte Anwendungsspektrum von RFID-Lösungen, wie etwa Maut-, Zutrittskontroll- und Zeiterfassungssysteme, Wegfahrsperren, Müllentsorgung und so weiter. Auch die berührungslose Werkzeugidentifikation scheint für einige Anbieter ein lukrativer Markt zu sein. Über alle Anwendungsbereiche hinweg lag 2012 das weltweite Marktvolumen für RFID-Tags, Schreib-/Lesegeräte, Software und Serviceleistungen bei fast 6,3 Milliarden Euro. Und es wächst weiter.

In welchen industriellen Anwendungen haben sich RFID-Systeme mehrheitlich etabliert?

Neben der Intralogistik sind das von Anfang an Track-and-Trace-Anwendungen für die berührungslose Identifikation und damit die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Teilen und Produkten beziehungsweise von deren Fertigungsfortschritten in der Supply Chain. Allein das zeigt schon, dass RFID-Systeme in Unternehmen nahezu aller produzierenden Industrien präsent sind – vom Wareneingang über Produktion und Montage bis zum Versand und darüber hinaus. Daneben gibt es Systeme für spezielle Anwendungen, beispielsweise in Hochtemperaturbereichen oder für die Verarbeitung großer Datenmengen. Mehr und mehr finden RFID-Systeme auch Anwendung beim Plagiatschutz.

Was können Sie über die ersten Schritte in Ihrem Unternehmen Richtung RFID sagen?

Unser erstes RFID-System BIS A, das sehr stark kundespezifisch entwickelt worden war, ist nicht als Serienprodukt vermarktet worden. Das BIS B war da wesentlich erfolgreicher. Es handelte sich dabei – im Gegensatz zu den damals bekannten – um ein passives System mit batteriegepufferten Datenspeichern, dessen Datenträger jedoch keine Energieversorgung zur Datenübertragung hatten.

Nahezu zeitgleich kam die Grundig AG auf uns zu, die in ihrer hoch automatisierten Videorecorder-Produktion an jedem Arbeits- und Prüfplatz den Fertigungsfortschritt beziehungsweise die Prüfergebnisse mit einem RFID-System dokumentieren wollte. Hier war also ein System gefragt, das auch digitale Daten verarbeiten konnte. Dadurch sollte die Fertigungslogistik dergestalt optimiert werden, dass als »n.i.O.« qualifizierte Baugruppen sofort zur Nacharbeit ausgeschleust wurden.

Die von uns dafür entwickelte Lösung hatte ansatzweise die Funktionalität einer SPS und die dabei gewonnenen Erkenntnisse waren eine wichtige Voraussetzung für unser RFID-System BIS C. Dieses kam erstmals ab 1987 bei der Identifikation von spanabhebenden Werkzeugen in der Motorenfertigung eines großen deutschen Automobilherstellers zum Einsatz. In einem Chip an jedem Werkzeug waren alle dessen relevante Daten gespeichert, inklusive der Standzeit. Dieser Chip wurde bei der Werkzeugvoreinstellung entsprechend programmiert und beim Einsatz des Werkzeugs in der Maschine ausgelesen. Die Software-Programmierung war äußerst komplex, das BIS-C-System als solches damals führend auf dem Markt und quasi die Basis für alle folgenden RFID-Systeme von Balluff.


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aut 02/2014
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